Schleswig : Wikingertage trotzen dem Chaos

Achtung in der ersten Reihe: Gaukler Ferdinand Freudensprung hatte das Publikum vorgewarnt, ehe er geschickt eine Holzbank auf dem Kinn balancierte.
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Achtung in der ersten Reihe: Gaukler Ferdinand Freudensprung hatte das Publikum vorgewarnt, ehe er geschickt eine Holzbank auf dem Kinn balancierte.

Nachdem die Veranstaltung am Sonnabend abgesagt werden musste, folgte der „besucherstärkste Sonntag“ in der Geschichte des Festes.

shz.de von
27. Juli 2015, 07:06 Uhr

Gewitter, Wind, Regen – bei den Schleswiger Wikingertagen sei das Wetter immer so, meinte Claudia Sommer, die an ihrem Stand Kirschkernkissen und Umhängetaschen aus Kaninchenfell verkaufte. In der Nacht zu Sonnabend aber hatte es so kräftig geregnet, dass am Morgen große Teile der Königswiesen und damit des Wikingerdorfes bis zu knietief unter Wasser standen. „Das lief sogar in die Gummistiefel rein, so hoch stand die Suppe“, fuhr sie fort. „Ich wollte schon eine Runde Schlamm-Catchen starten“, sagte sie schmunzelnd.

Zum Lachen war den Organisatoren Kay-Uwe Dammann und Stephan Vollbehr nicht zumute. Zwei riesige Seen waren über Nacht entstanden. Zwar konnten die abgepumpt werden, doch ein Drittel des Wikingerdorfes wurde nach nur einem Tag abgebaut. „Wir können es unseren Wikingern nicht zumuten, Tag und Nacht mit durchnässten Sachen zu verbringen“, sagte Stephan Vollbehr. Als sich mit der Unwetterwarnung weiteres Unheil ankündigte, entschieden sie, die Wikingertage einen Tag auszusetzen. „Das erste Mal in 16 Jahren musste ein Tag abgesagt werden“, bedauerte er, betonte jedoch: „Die Sicherheit von den Gästen und Wikingern geht vor.“ Das Drainagesystem der Königswiesen funktioniere nicht überall, einige Bereiche können Regenmassen nicht aufnehmen. Er regte an, über eine Lösung für diese Flächen nachzudenken. Abgesehen vom „wirtschaftlichen Supergau“ am Sonnabend, seien es aber ein „toller Freitag“ sowie ein „phänomenaler Sonntag“ gewesen – „der stärkste, den wir je hatten“. Daher hoffen sie, mit einem blauen Auge davonzukommen.

Bei den Wikingern selbst war die Stimmung gut. „Wer hierher fährt, weiß, dass es so sein kann. Man muss Spaß haben – und den haben wir“, betonte Anja Hoffmann, die extra aus Berlin angereist war, um ihre Gewänder zu verkaufen. Dem stimmte Tilo Knuth aus Bosau zu, der seine schwedischen Wikingermesser anpries. Er schwärmte von der familiären Stimmung und davon, dass es für die Dorfbewohner erst nach 20 Uhr richtig los ging: „Nach dem großen Markt kommt der kleine Markt, wenn wir unsere Sachen untereinander tauschen.“ Kettenflechter Gerd Wiese lobte „das tolle Leben hier“, die netten Leute sowie, „dass Kinder altes Handwerk kennenlernen können“. Diese Meinung teilten viele Besucher, darunter die beiden Schleswiger Konny und Ingo Schreiber: „Die Veranstaltung ist gerade für Kinder toll, denn sie können viel basteln.“

Wer eine unterhaltsame Pause brauchte, wurde von den zwei Gauklern animiert. „Wenn ihr euch steigert, steigern wir uns auch“, verkündeten Götz von B und Ferdinand Freudensprung in der Wiknigerarena – und sie hielten Wort.

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