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Schleswig : „Wikingerstadt“ spaltet die Gemüter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mitglieder des Hauptausschusses können sich nicht auf neuen Marketing-Slogan für Schleswig einigen. Nun sollen die Bürger eingebunden werden.

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 12:45 Uhr

Dass Schleswigs aktueller Slogan, „die freundliche Kulturstadt“, spätestens seit der Misere rund ums Landestheater ausgedient hat, darüber ist man sich nicht nur über Fraktionsgrenzen hinweg längst einig. Was allerdings die Neuausrichtung des Profils der Stadt angeht, da gehen die Meinungen weit auseinander. Das wurde deutlich, als bei der Sitzung des Hauptausschusses gestern im Rathaus der Tagesordnungspunkt 4 an die Reihe kam: Denn dabei sollte eigentlich darüber abgestimmt werden, wie sich die Stadt künftig am besten mit dem neuen Slogan, „Wikingerstadt Schleswig – Kultur und Natur am Ostseefjord“, öffentlich präsentieren kann. Jedoch wurde aus dem Wie schnell ein Ob – und aus dem geplanten Beschluss des Gremiums nur ein Meinungsaustausch. Ergebnis: Thema verschoben.

Dabei hatte die Verwaltung, so hoffte man zumindest im Rathaus, alles hergerichtet, um ein möglichst einhelliges Votum zu erzielen. Bereits im Mai hatte die zum Jahreswechsel scheidende Stadtmanagerin Monika Siegel das „Wikingerstadt“-Konzept und das daran gekoppelte Strategiepapier „Schleswig 2016“ dem Hauptausschuss vorgestellt. Im Anschluss hatte Bürgermeister Arthur Christiansen gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie zahlreichen Vertretern der Schleswiger Wirtschaft an der angestrebten Profilneuorientierung der Stadt gearbeitet. „Denn insbesondere aus der Wirtschaft kam der Wunsch danach. Man verspricht sich dort sehr viel vom Thema Wikinger“, erklärte der Bürgermeister gestern nun noch einmal. Deshalb bat er die Mitglieder des Hauptausschusses, die Beschlussvorlage zu unterstützen, mit der die IHK damit beauftragt werden sollte, einen Ideenwettbewerb für Logo und Slogan zur besseren Profilierung des Images der Stadt Schleswig unter dem Arbeitstitel „Wikingerstadt Schleswig – Kultur und Natur am Ostseefjord“ zu initiieren.

Diesen Weg allerdings wollte die SPD nicht mitgehen, wie der stellvertretende Ausschussvorsitzende Stephan Dose betonte: „Erstens hatten wir nicht genug Zeit, das Konzept innerhalb der Fraktion ausreichend zu besprechen, und zweitens sind wir auch nicht sicher, ob sich die Schleswiger mit diesem Slogan überhaupt identifizieren können – oder wollen.“ Er wünschte sich deshalb, ebenso wie Johannes Thaysen von den Grünen, dass sich zunächst noch einmal der Kultur- und Tourismusausschuss mit dem Thema befassen solle. „Denn da gehört das hin.“ Doses Parteigenosse Klaus Bosholm ging noch einen Schritt weiter. Für ihn sei das Thema Wikinger nicht zielführend und als Leitmotiv völlig ungeeignet. „Ich wage die Behauptung, dass die meisten Deutschen – anders als es im Konzept der IHK nachzulesen ist – es sicher nicht mit Gastfreundschaft in Verbindung bringen.“

Eine These, die Max Triphaus, Geschäftsführer der Ostseefjord Schlei GmbH, so nicht unterstreichen wollte. „Alles was mit Wikingern zu tun hat, kommt bei unseren Gästen sehr gut an. Bundesweit kann keine andere Stadt dieses Thema besetzen“, sagte er, nachdem Ausschussvorsitzender Holger Ley ihn – als Gast – nach „seiner Meinung als Experte“ gefragt hatte. Und so konterte Triphaus auch die Argumentation aus Reihen der SPD, dass Schleswig doch weit mehr zu bieten habe als nur Wikinger. „Vielfalt kann alles und nichts bedeuten. Eine Stadt braucht ein klares Profil, am besten eines, das sie exklusiv hat.“

Diese Meinung wiederum unterstützte auch FDP-Ratsherr Jürgen Wenzel. „Es weiß doch auch jeder, dass es in der ,Hafenstadt Hamburg‘ weit mehr gibt als nur Schiffe und Wasser.“ Ihn störe allerdings, wie auch Otmar Petersen vom SSW, die Länge des Slogans. „Wikingerstadt Schleswig“, das reiche vollkommen aus. In der CDU indes war man sich insgesamt völlig uneinig. Während Steffanie Hildebrandt offen zugab, dass sie das Konzept nicht überzeuge, „weil diese ganze Wikinger-Masche langsam ausgelutscht ist“, machten sowohl Helge Lehmkuhl als auch Holger Ley deutlich, dass sie alternativ zu den Wikingern kein anderes Alleinstellungsmerkmal der Stadt erkennen könnten – und die Marketing-Strategie deshalb befürworten.

Am Ende aber waren sich doch wieder alle einig: Das Thema soll nun noch einmal intensiv in den einzelnen Fraktionen sowie im Kulturausschuss erörtert werden. Dabei soll es dann auch darum gehen, wie die Schleswiger Bürger in diesen Prozess eingebunden werden könnten.

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