Sanierung wegen Pilzbefalls : Wikingersiedlung Haithabu: Ein Museum unterm Zelt

Ein gewaltiges Zeltdach verdeckt das Wikingermuseum in Haithabu.
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Ein gewaltiges Zeltdach verdeckt das Wikingermuseum in Haithabu.

Das Wikingerdorf in Haithabu startet am 1. April wieder in die Saison – das Museumsgebäude aber bleibt noch für ein Jahr geschlossen. Geschützt von riesigen Zeltplanen werden Dach und Wände aufwendig saniert.

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23. März 2017, 09:31 Uhr

Schleswig | Das Wikingerschiff ist sicher verpackt. Die meisten übrigen Ausstellungsstücke mussten ins Exil. Das Wikingermuseum in Haithabu ist seit dem vergangenen Herbst eine Baustelle – und wird es auch noch ein ganzes Jahr lang bleiben. Wer auf der B76 über den Damm zwischen Schlei und Haddebyer Noor fährt, sieht dort, wo seit fast 30 Jahren der markante Museumsbau steht, nur große weiße Planen. Gerüstbauer haben ein Zelt errichtet, unter dem das ganze Wikingermuseum mit seinen 850 Quadratmetern Ausstellungsfläche verschwunden ist.

Architekt Götz Lammers hat am Mittwoch gemeinsam mit Landesmuseums-Geschäftsführer Guido Wendt und Gebäudemanager Thomas Paulsen einen Blick unters Zelt zugelassen. Dort ist an manchen Stellen auf den ersten Blick zu erkennen, warum die Sanierung dringend notwendig war: Die tragenden Holzbalken sind über die Jahre morsch geworden. Bei einer Untersuchung Ende 2014 war ein Pilzbefall aufgefallen. Dadurch war das gesamte Gebäude in seiner Standfestigkeit gefährdet. Lammers spricht von 80 Prozent aller Balken, die mehr oder weniger stark betroffen sind. Die Sanierung ist aufwendig. Es wird noch mehr als ein Jahr dauern, bis das Wikingermuseum wieder eröffnet wird.

Dabei finden in den Ausstellungsräumen selbst überhaupt keine Arbeiten statt. An Dach und Außenwänden aber ist so viel zu tun, dass es praktisch unmöglich war, die wertvollen Fundstücke aus Haithabu während der Sanierung im Gebäude zu lassen. Die größten Objekte wie das teilweise rekonstruierte Langschiff aus dem Hafen von Haithabu sind sicher verpackt. Einiges ist im Magazin des Archäologischen Landesmuseums eingelagert. Viele Ausstellungsstücke sind indes demnächst wieder zu sehen – allerdings nicht am Haddebyer Noor, sondern in Dänemark. Ab Mitte April sind sie für sechs Monate im Museum Borgcenter in Vordingborg im Süden von Seeland ausgestellt. „Das ist eine große Chance, Werbung für uns zu machen“, findet Guido Wendt. Schließlich sei Dänemark für das Wikingermuseum ein sehr wichtiger Markt, und unter normalen Umständen wäre es kaum möglich gewesen, so viele attraktive Fundstücke als Leihgaben für eine Sonderausstellung zur Verfügung zu stellen.

In der Zwischenzeit brauchen aber auch die Schleswiger und ihre Besucher nicht darauf zu verzichten, die Geschichte Haithabus hautnah zu erleben. Am Sonnabend, 1. April, beginnt die Saison in den nachgebauten Wikingerhäusern innerhalb des Halbkreiswalls. Für einen Großteil der rund 150.000 Besucher, die jährlich nach Haithabu strömen, sei dieses nachgebaute Dorf ohnehin die wichtigste Attraktion, betonen die Museumsleute. Schon im vergangenen Jahr hatten sie eine Aktion mit besonderer Anziehungskraft angekündigt: Bei neuen Ausgrabungen in Haithabu sollen die Besucher den Archäologen direkt über die Schulter schauen können.

Die Neueröffnung des Museums ist für Ostern 2018 geplant. Bis dahin werden nicht nur die Balken verstärkt und ausgebessert, die das Dach tragen – sondern auch das Dach selbst wird wird von Grund auf erneuert. Dies ist eine Maßnahme, die für die kommenden Jahre ohnehin geplant war. „Wir haben das Museum vor einiger Zeit mal mit einer Wärmebildkamera gefilmt – und es war fast alles rot“, sagt Wendt. Mit dem neuen Dach soll das Gebäude energetisch auf den aktuellen Stand gebracht werden. Die markante Blei-Verkleidung von 1985 ist bereits abmontiert. Das neue Dach soll genau so aussehen wie das alte – und wieder aus Blei sein. Als das Museum neu war, war diese Materialwahl umstritten, schließlich ist Blei für Mensch und Natur nicht ganz unproblematisch. Architekt Lammers verweist aber darauf, dass Bleidächer langlebig und bewährt seien. Dank moderner Verarbeitungstechniken gelange zudem heute deutlich weniger Blei in die Umwelt als in früheren Zeiten.

Wenn die Handwerker abgerückt und das große Zelt über dem Museum abgebaut ist, dann soll nicht nur das Dach wieder genau so wie vor den Sanierungsarbeiten aussehen, sondern auch die Holzfassade. „Es war uns wichtig, die Optik zu erhalten, egal was passiert“, sagt Wendt. Die Sanierung kostet rund 3,4 Millionen Euro. 53 Prozent zahlt die EU, den Rest das Land Schleswig-Holstein und die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen.

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