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Frühlingsmarkt in Haithabu : Wikinger trotzen dem Aprilwetter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

9600 Besucher auf dem Frühlingsmarkt in Haithabu / Öffentliche Ausgrabung der Gottorfer Archäologen als Anziehungspunkt

von
erstellt am 18.Apr.2017 | 11:34 Uhr

Auf zwei Dinge kann sich Ute Drews, die Leiterin des Wikingermuseums, verlassen. Erstens: Auf das Wetter an Ostern ist kein Verlass. Zweitens: Die Besucher strömen auch dann noch zu Tausenden ans Haddebyer Noor, wenn es stürmt, regnet und sogar hagelt. 9600 Menschen kamen zwischen Karfreitag und dem gestrigen Ostermontag zum Frühlingsmarkt in Haithabu. Wie tapfer die Einheimischen und die Urlauber an der Schlei den Wetterkapriolen trotzen, das beeindruckt auch viele der hart gesottenen Aussteller immer wieder. Zum Beispiel Hans Jürgen Bülles aus Duisburg, der sich „Jorgen, der Knochenschnitzer“ nennt und mit seinem Knochenschmuck zum zweiten Mal in Haithabu dabei war. „Hier ist immer noch richtig viel los“, sagte er gestern Nachmittag, kurz nachdem heftiger Hagel über der einstigen Wikingersiedlung heruntergekommen war. „Das würde es bei uns in Nordrhein-Westfalen nicht geben“, meinte er. „Da würden die Leute zu Hause bleiben – oder an einem Werktag vielleicht ins Einkaufszentrum gehen.“

Insgesamt waren 300 Händler und Handwerker aus ganz Deutschland und Nordeuropa nach Haithabu gereist – vom Bäcker über den Bronzegießer und den Korbflechter bis hin zum Tuchhändler. In ihren historischen Gewändern sorgten sie rund um die nachgebauten Wikingerhäuser für ein Markttreiben, wie es so oder so ähnlich auch vor 1000 Jahren an derselben Stelle ausgesehen haben mag. Und damals war auf das Wetter ja auch nicht immer Verlass.

„Ohne den Hagelschauer am Montagnachmittag hätten wir die Marke von 10  000 Besuchern wieder geknackt,“ sagte Ute Drews. Aber auch so zeigte sie sich rundum zufrieden. Der Markt zum Saisonauftakt übers Osterwochenende fand jetzt zum siebten Mal statt – und braucht sich mit seiner Besucherzahl nicht hinter seinen Vorgängern zu verstecken. Den Rekord von 12  000 Besuchern gab es vor zwei Jahren bei bestem Frühlingswetter.

Begeistert: Besucherin Nancy John aus Lütjenburg.
Begeistert: Besucherin Nancy John aus Lütjenburg.
 

Anders als in den Vorjahren konnten die Besucher diesmal freilich keinen Abstecher ins eigentliche Wikingermuseum machen. Das bleibt bekanntlich das ganze Jahr über wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Dafür hatten die Gottorfer Archäologen über die Feiertage Sonderschichten eingelegt. An allen vier Markttagen konnte man die öffentliche Ausgrabung in einem Gräberfeld aus der Spätphase Haithabus hautnah verfolgen. Eine Besucherin, die diese Chance intensiv nutzte, war Stefanie Flügel aus Gießen mit ihrer sechsjährigen Tochter Jarla. „Wir haben hier schon richtig schönen Schmuck gesehen, mit Edelsteinen und in Gold gefasst“, staunte sie. Die meiste Zeit allerdings war zu sehen, wie mühlselig die Arbeit der Archäologen um Grabungsleiter Sven Kalmring ist. Mit dem Spaten – und manchmal mit der Hand – wird der Boden vorsichtig Schicht um Schicht freigelegt, dann wird die Erde durch ein Sieb geschüttelt – oft ohne sofort sichtbare Funde. Noch bis in den Herbst kann man die Archäologen in einem eigens aufgebauten Zelt an jedem Werktag von 9 bis 17 Uhr bei der Arbeit beobachten.

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