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Unesco-Welterbe-Antrag : Wikinger in der Warteschleife

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Haithabu und Danewerk: Der Unesco-Welterbe-Antrag muss nachgebessert werden. Eine Entscheidung fällt wohl erst im nächsten Jahr.

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erstellt am 14.Feb.2015 | 12:52 Uhr

Die für den Sommer geplante Party fällt ins Wasser. Dabei war die Musik schon bestellt. Die Kultband Torfrock sollte ihre so passenden Lieder wie „Rollo, der Wikinger“ spielen, um die Aufnahme der historischen Stätten Haithabu und Danewerk auf die Welterbe-Liste zu feiern. Alle Beteiligten hatten damit gerechnet, nach sechs Jahren Vorarbeit den prestigeträchtigen Titel bei der entscheidenden Sitzung des Unesco-Welterbekomitees Ende Juni/Anfang Juli in Bonn verliehen zu bekommen.

Doch jetzt haben die zuständigen Prüfer des Internationalen Rats für Denkmalpflege (Icomos) ihre Bedenken gegen die 440 Seiten (plus 1000 Seiten Anhang) starke Bewerbungsschrift mit dem Titel „Viking Age Sites in Northern Europe“ („Wikingerzeitliche Stätten in Nordeuropa“) kundgetan. Diese hatte das Archäologische Landesamt in Schleswig vor einem Jahr gemeinsam mit den Partnerländern Dänemark, Norwegen, Island und Lettland eingereicht. „Icomos fragt, welche Geschichte wir mit dem Projekt eigentlich erzählen wollen“, erklärt Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Leiter des Archäologischen Landesamtes. Offensichtlich sei es nicht gelungen, die Zielrichtung der transnationalen Bewerbung deutlich zu machen. Die Wiederentdeckung der Wikinger im 19. Jahrhundert für das historische Bild von Skandinavien und Europa – „das ist doch sehr abstrakt“, räumt von Carnap-Bornheim selbstkritisch ein. „Wir müssen auch deutlicher machen, welche Synergien daraus entstehen.“

Probleme haben die Icomos-Leute bereits mit dem Titel der Bewerbung. Der Begriff Wikinger als Überschrift scheint für sie abschreckend zu sein. Auch fragen die Prüfer, warum zum Beispiel ein Land wie Finnland fehlt, wenn von Nordeuropa die Rede ist. Der Antrag muss nachgebessert werden, fordern die Experten. Dazu bleibt nur noch bis Ende dieses Monats Zeit.

„Das ist keine Katastrophe. Wir reden über höchstens 30 Seiten, die neu geschrieben werden müssen“, sagt von Carnap-Bornheim. Er gehe nicht davon aus, dass der Antrag komplett neu ausgearbeitet werden muss. Dennoch sei es sehr wahrscheinlich, dass das Komitee nunmehr erst im nächsten Jahr über den begehrten Welterbe-Status entscheidet.

An der grundsätzlichen Qualität des Projekts zweifle Icomos nicht, betont Matthias Maluck, der die Welterbe-Bewerbung für das Archäologische Landesamt federführend betreut. „Es ist festgestellt worden, dass alle Stätten einen außergewöhnlich hohen Wert haben.“ Zu diesen historischen Denkmälern zählen außer dem Handelsplatz Haithabu und dem Befestigungswall Danewerk zum Beispiel auch der mittelalterliche Königssitz Jelling in Dänemark und der Versammlungsplatz Thingvellir in Island, die für sich genommen bereits auf der Welterbe-Liste eingetragen sind.

„Der Rückhalt in unserer Region für dieses Projekt ist außergewöhnlich groß“, freut sich von Carnap-Bornheim. Für gestern Vormittag hatte er die betroffenen Bürgermeister und Vertreter der Aktivregion ins Archäologische Landesamt nach Schleswig geladen, um sie über die aktuelle Entwicklung zu informieren. „Das ist erstmal ein kleiner Schock“, meinte Max Triphaus, Geschäftsführer der Ostseefjord Schlei GmbH, nach dem Treffen. Seine Organisation hatte gehofft, den Welterbe-Titel schon dieses Jahr touristisch vermarkten zu können. „Solch ein Welterbe ist natürlich ein Highlight. Damit wären wir sicherlich einige Tage in der überregionalen Presse vertreten.“ Auch könne man mit dem Thema Wikinger insbesondere in Skandinavien Werbung für die Schleiregion machen, so Triphaus.

„Wir gehen davon aus, dass uns der Welterbe-Titel hilft, die Region bekannter zu machen“, sagt auch Haddebys Amtsvorsteher Ralf Feddersen. Entsprechend enttäuscht zeigte er sich, dass das Projekt nun in der Warteschleife hängt. Zumal er zu den Organisatoren eines für den 11. Juli geplanten „Welterbe-Festes“ zählt. Als musikalischer Top-Act für die Veranstaltungsreihe in Busdorf, am Danewerk, in Hollingstedt sowie in Schleswig war die Gruppe Torfrock bereits gebucht. „Jetzt werden wir das Fest auf nächstes Jahr verschieben“, so Feddersen. „Von Carnap-Bornheim und seine Leute werden dafür sorgen, dass der Antrag dann durchgeht.“ Der Chef der Archäologen selber sagt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es im nächsten Jahr mit der Einschreibung klappt, liegt bei 75 Prozent.“

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