„Gottorfer Hofmusiktage“ : Wie zu Shakespeares Zeiten

„The Playfords“ sorgten auf Gottorf für einen gefeierten Auftakt der „Hofmusik 2015“
„The Playfords“ sorgten auf Gottorf für einen gefeierten Auftakt der „Hofmusik 2015“

Musikfestival beginnt mit Gesang und Tanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das Publikum zeigt sich begeistert.

shz.de von
02. Mai 2015, 20:09 Uhr

Nach dem großen Erfolg in den vergangenen Jahren finden die „Gottorfer Hofmusiktage“ jetzt bereits zum vierten Male in Schleswig statt. Es erklingt höfische Fest- und Theater-Musik, dazu werden Tänze geboten.
Am ersten von insgesamt sieben Abende erlebte eine große Zuschauerzahl im vollbesetzten Hirschsaal – nach der Begrüßung durch Organisatorin Uta Kuhl – eine bunte Darbietung aus Tanz, Instrumental-Musik und Gesang, die einst die Werke William Shakespeares begleitet haben.

Zu Gast war das Ensemble „The Playfords“ mit Björn Werner (Gesang), Annegret Fischer (Blockflöten), Erik Warkenthin (Laute und Barockgitarre), Benjamin Dreßler (Viola da+ gamba) und Nora Thiele (Percussion und Colascione). Das letztgenannten Instrumente ist eine sechssaitige Laute mit einem langen Hals.

Zur dargebotenen Musik traten zwei virtuose Tanzmeister auf: Mareike Greb und Bernd Niedecken, die graziös, harmonisch, anmutig und dazu sehr versiert ihre Kunst darstellten. Zu Anfang trugen sie die Kleidung des 16. und 17. Jahrhunderts, denn auch die Tänze stammten aus dieser Zeit. Später hatten sie sich modern gekleidet und boten Tanzkunst der Gegenwart. Frappierend, wie unterschiedlich und ausdrucksstark ihre Bewegungen waren – bestens aufeinander abgestimmt und immer im einheitlichen Duo.

Flötistin Annegret Fischer gebührt ein dreifaches Lob: nicht nur dafür, dass sie Neu-Schleswigerin und damit eine Bereicherung für diese Stadt ist, sondern vor allem dafür, dass sie das Ensemble gegründet hat und an diesem Abend alle Stücke, die sie auf unterschiedlichen Blockflöten darbot, auswendig spielte – eine großartige Leistung! Aber auch die weiteren Mitwirkenden gaben ihr Bestes. Der Bariton Björn Werner bot mit seiner warmen, klaren und variablen Stimme insgesamt zwölf Songs aus Shakespeare-Werken, die er allesamt auswendig und stilsicher interpretierte. Im Programm waren die Shakespeare-Werke vermerkt, zu denen die gesungenen und gesprochenen Texte passten. Besonders eindrucksvoll erklang das „Scottish Hunt’s Up“ aus einem „Lute Book“ von etwa 1600. Aber auch das „When that I was a little tiny boy“ – danach herrschte atemlose Stille im Saal, bevor begeisterter Beifall losbrach.

Erik Warkenthin hatte mit der Laute und der Gitarre alle Hände voll zu tun – er war ein sicherer Begleiter und vielfach auch Solist: mit großem Erfolg. Die Viola da Gamba von Benjamin Dreßler sah fast wie ein Cello aus, hatte aber keinen Sporn, so dass sie ausschließlich mit den Knien gehalten wurde. Außerdem zeigte der Steg die typischen Gamben-Bünde. Das Spiel des Künstlers war glänzend und stets präsent. Eine reiche Instrumenten-Palette hatte hingegen Nora Thiele mit der Perkussion zu bedienen – außer der großen Trommel standen ihr ein Tamburin, ein Schellenring, Castagnetten und weitere Rhythmus-Instrumente zur Verfügung, die sie geschickt und sicher einsetzte.

Alle Künstler waren sehr engagiert bei ihren Darbietungen – auch ein Scheinwerfer, der mit großem Knall seinen Geist aufgab, konnte sie nicht aus ihrer Konzentration bringen. Mehrere dargebotene Werke stammten von Willam Brade (1560–1630), der ab 1622 bis zu seinem Tode Gottorfer Hofmusiker war. Der nicht enden wollende Beifall des begeisterten Publikums führte zu zwei Zugaben, erst dann wurden die Künstler entlassen. Insgesamt erlebten die Zuschauer einen erfüllten, alle Sinne ansprechenden Abend – man kann auf die folgenden gespannt sein!

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