Kunststoff in der Schlei : Wie viel Plastik war es wirklich?

Dieses Foto mit Plastikresten hat ein Bürger nach eigenen Angaben bereits am 16. Mai 2016 am Einlauf des Schleswiger Klärwerks gemacht.
Dieses Foto mit Plastikresten hat ein Bürger nach eigenen Angaben bereits am 16. Mai 2016 am Einlauf des Schleswiger Klärwerks gemacht.

Lebensmittelreste-Zulieferer Refood hat in den Lieferscheinen an die Stadtwerke wohl nicht alle Fremdstoffe ausgewiesen.

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15. Mai 2018, 07:00 Uhr

Schleswig | 488 Kilogramm. Diese Zahl nannte Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs  im April vor dem städtischen Werkausschuss. So viel Plastik soll in den Lebensmittelresten enthalten gewesen sein, die im Faulturm der Schleswiger Kläranlage verarbeitet wurden. Inzwischen sagt Schoofs selbst: Diese Zahl ist vermutlich falsch. In Wahrheit dürften es mehrere Tonnen Plastik gewesen sein. Wie viel davon über das Klärwerk in die Schlei gelangt ist und wie viel über den Faulschlamm als Dünger auf Äcker in der Region, dazu wagt niemand eine genaue Schätzung.

Die 488 Kilogramm hatte Schoofs auf der Basis der Lieferscheine berechnet, die die Stadtwerke von der Firma Refood erhalten hatte. Die Daten stimmen aber offenbar nicht mit den Ergebnissen eines Analyselabors überein, das zweimal jährlich im Auftrag von Refood die Lebensmittelreste untersucht hat, um die Daten vorschriftsgemäß an das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek zu übermitteln. Refood hat eine Stellungnahme für den heutigen Dienstag angekündigt.

Lieferscheine sorgen für Verwirrung

Thorsten Roos, der Leiter der Naturschutzbehörde in der Kreisverwaltung, hat diese Prüfberichte mit den Lieferscheinen von Refood, die ihm selbst erst seit einer Woche vorliegen, verglichen. Die Analysen, an deren Richtigkeit beim LLUR keine Zweifel bestehen, besagen, dass in der Trockensubstanz der Lebensmittelreste seit 2015 durchschnittlich 0,77 Prozent Fremdstoffe enthalten waren – überwiegend Plastik, aber auch Glas und Metall. Materialien also, aus denen Lebensmittelverpackungen üblicherweise bestehen.

Bemerkenswert daran: Den höchsten Plastikanteil hat das Labor mit 2,51 Prozent in einer Probe vom 3. Dezember 2015 festgestellt. Die Lieferscheine von Refood weisen einen nennenswerten Plastikanteil erst seit Ende 2017 auf.

Frühen Hinweisen wurde nicht nachgegangen

Vor diesem Hintergrund bekommt der Bericht einer Anwohnerin aus Winningmay neues Gewicht, die bereits Anfang 2016 Plastik nahe der Mündung der Füsinger Au entdeckt hatte. Die Kreis-Naturschutzbehörde war dem damals nicht weiter nachgegangen. Roos: „Die Umweltpolizei hatte keine Hinweise darauf, dass es sich hier um mehr als ein singuläres Ereignis gehandelt haben könnte.“ Vor wenigen Wochen aber, sagt Roos nun, habe er von einem weiteren Bürger ein Foto erhalten, das auf den Mai 2016 datiert ist, auf dem auffällig viel Plastik am Einlauf des  Schleswiger Klärwerks zu sehen ist. Nach Informationen unserer Zeitung schätzt das Landeskriminalamt die Aufnahme als echt ein.

Das LLUR hat die Analyseberichte in den letzten Jahren indes nur abgeheftet, ohne daraus irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Im Jahr 2015 sei zwar der Plastik-Grenzwert aus der Düngemittelverordnung überschritten worden, dies sei aber nicht relevant gewesen, sagt LLUR-Sprecher Martin Schmidt. Schließlich habe Refood das Material nicht als Düngemittel verwendet.   Später haben allerdings die Stadtwerke die Gärreste aus ihrem Faulturm an Landwirte in der Region abgegeben, die es auf ihre Felder ausbrachten.

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