Kreis Schleswig-Flensburg : Wie steht es mit der Integration?

Willkommenskultur: In Schleswig-Flensburg sollen besonders junge Menschen schnell in Ausbildung und Beruf kommen.
Willkommenskultur: In Schleswig-Flensburg sollen besonders junge Menschen schnell in Ausbildung und Beruf kommen.

Mehr als 3000 Flüchtlinge gibt es im Kreis Schleswig-Flensburg. Ein umfassendes Basis-Konzept ist in der Abstimmungsphase.

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06. Februar 2018, 07:00 Uhr

„Eine neue Form des Umganges“, überschrieb unsere Zeitung die Bilanz der ersten Amtszeit von Wolfgang Buschmann. Darin formulierte der Landrat auch seine wichtigsten Zukunftsziele, zum Beispiel die Stärkung des „kommunalen Integrationsmanagements“. Auch mit Blick auf Geflüchtete gehe es ihm darum, „junge Menschen schnell in Ausbildung und Beruf zu bekommen“.

Sven-Ole Nissen aus Langballig will das konkreter wissen. Eine „öffentliche Darstellung“ dessen, „was bisher erreicht“ wurde und was für die Zukunft geplant ist, mahnt der Flüchtlingshelfer aus Langballig in einem Brief an unsere Redaktion an. Und er fragt: „Wie viele Geflüchtete haben inzwischen im Kreis ein neues Zuhause gefunden?“

Es sind weit mehr als 3000 seit 2013. Nach Auskunft von Kreis-Sprecherin Martina Stekkelies bekommen 2197 Personen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, weitere 1057 nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz. Daneben leben hier rund 250 unbegleitete Minderjährige. „Es gibt aber keine verlässlichen Zahlen, da viele zwar in Jugendhilfe-Einrichtungen untergebracht, jedoch dem Kreis nicht zugewiesen sind.“

Alle Flüchtlinge können Qualifizierungsangebote nutzen, erläutert Stekkelies. In erster Linie sei da das „Welcome Modul“ der Werkakademie mit Standorten in Kappeln, Schleswig und Flensburg. Die Dozenten des achtwöchigen Kurses geben seit Mai 2017 Hilfestellung zur persönlichen und beruflichen Orientierung, und sie vermitteln deutsche Kultur und Werte. Seit September 2017 läuft daneben das Projekt Integration durch Arbeit (I.d.A aktiv). Ziel ist es, berufliche Kenntnisse und Fähigkeiten festzustellen und weiter zu entwickeln. Die Teilnehmer sollen möglichst schnell die Chance bekommen, Praxiserfahrung zu sammeln und einen Arbeitsplatz zu finden. Beide Projekte sind eingebettet in eine umfangreiche Informations- und Netzwerkarbeit. Stekkelies verweist etwa auf das Netzwerk „Frühe Bildung für alle – Schwerpunkt geflüchtete Familien“ oder Fachtage für Jugendliche unter dem Motto „Heroes“. Außerdem gebe es im Rahmen des sogenannten Fallmanagements individuelle Förderungen – auch mittels Bildungs- und Aktivierungsgutscheinen.

Finanziert würden die Maßnahmen aus Mitteln der Eingliederungshilfe und des Europäischen Sozialfonds. Für Sprachkurse gibt der Bund Gelder. Allerdings: Eine detaillierte Kosten-Darstellung mit Blick nur auf Flüchtlinge sei nicht möglich, erläutert die Sprecherin, denn Integrations- und Qualifizierungsangebote stünden allen offen. Da müsste schon „jede Teilnehmerliste geprüft werden“, ob einzelne Personen einen Fluchthintergrund haben.

Wie steht’s mit konkreten Erfolgen? Wie sieht es zum Beispiel bei Spracherwerb und Berufstätigkeit aus?

Seit 2015 sei das Angebot an Sprachkursen kontinuierlich erweitert worden und der Ausbau gehe weiter, erläutert die Sprecherin. Der Bedarf ist hoch. Aktuell laufen 147 Kurse im Kreisgebiet. Allerdings: „Zum Sprachniveau lassen sich keine generellen Angaben machen“, räumt sie ein. Oft würden Kurse nicht erfolgreich beendet oder Sprachkenntnisse seien nach kurzer Zeit wieder vergessen, weil die tägliche Praxis fehle.

Genaue Zahlen kann Martina Stekkelies dagegen mit Blick auf die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten vorlegen. Danach haben 189 Flüchtlinge seit März 2015 eine Tätigkeit aufgenommen, 26 sind in Ausbildung.

Und was lässt sich zur Zukunft der Integrationsarbeit sagen? Daran arbeitet künftig ein fünfköpfiges Koordinatoren-Team. Im Mittelpunkt stehen die Handlungsfelder Wohnen, Gesundheit, Bildung, Sprache, Arbeit, unbegleitete Minderjährige, Ehrenamt, Frauen, Verein und Demokratie. Bereits in der Abstimmungsphase befindet sich ein Bereichsübergreifendes Integrationskonzept – als Grundlage der künftigen, gemeinsamen Integrationsarbeit von Ehrenamt, Politik und Verwaltung.

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