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Defizite und Lichtblicke : Wie gut lebt es sich als Kind in Schleswig?

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Spielplätze, Nahverkehr, Veranstaltungen – die SN fragten Fachleute nach ihrem Urteil.

von
erstellt am 19.Sep.2013 | 18:00 Uhr

Morgen ist Weltkindertag. Das gibt Anlass für die Frage: Wie kinderfreundlich ist Schleswig eigentlich? Die Meinungen gehen auseinander:

„Schleswig ist kinderfreundlich. Selbstverständlich“, antwortet Maike Rickertsen spontan. Nach kurzem Grübeln ergänzt die Rektorin der Bugenhagenschule: „Zumindest im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten.“ Sie lobt die vielen Veranstaltungen für Kinder und Eltern, sieht aber im schulischen Bereich noch Potenzial. Ein Fremder, der an der Bugenhagenschule vorbeiführe, würde nur auf den zweiten Blick erkennen, dass es sich um eine Grundschule handelt. Die Ausstattung an Spielgeräten müsse erweitert und auch auf jüngere Kinder zugeschnitten werden. Dem Forum im Friedrichsberg, wo das Ganztagsprogramm stattfindet, fehle es gänzlich an Spielgeräten. Rickertsen: „Dem Friedrichsberg sollte man ansehen, dass er Kinder freundlich empfängt.“

Die Spielplätze der Stadt dagegen werden häufig gelobt. Svenja Lassen, stellvertretende Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Hornbrunnen, weiß zu berichten, dass sie fürsorglich gepflegt werden und regelmäßige Kontrollen stattfinden und auch Margitta Koerner, Rektorin der Schule Nord, schlägt in die gleiche Kerbe. Sie lobt neben den „wunderschönen Spielplätzen“ auch die „absolut kinderfreundlichen Museen“ und hebt die Ausstellung „Vier wie wir“ im Volkskundemuseum hervor. Aber sie ist sich sicher: „Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu tun.“

So sieht das auch Gabi Roder, Rektorin der St.-Jürgen-Schule. Jugendliche und ihre Bedürfnisse könnten ihrer Meinung nach in Schleswig besser bedacht werden, Busverbindungen, zum Beispiel vom Berender Redder zu ihrer Schule oder auch von den Stadträndern in die Innenstadt, hätten Verbesserungspotenzial, und „die Sportvereine würden gern mehr anbieten, aber ihnen fehlt es an Übungsleitern.“ Gesamtnote: befriedigend – so ihre Einschätzung.

Timo Kux sieht das anders: In Sachen Kinderfreundlichkeit sei Schleswig nur ausreichend. Er ist der Vorsitzende des Kreisverbandes Schleswig-Flensburg vom Deutschen Kinderschutzbund und CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreis. Daher weiß er: „Schleswig ist der Brennpunkt im Kreis. Hier ist jedes dritte Kind von Kinderarmut betroffen. Das nimmt die Politik noch nicht ausreichend wahr.“

Auch unter den anderen Befragten herrscht Einigkeit darüber, dass Kinderarmut in Schleswig ein ernst zu nehmendes Problem ist. „Das ist immer schon Thema gewesen“, bestätigt Lassen von der Kita Hornbrunnen. „Wir sammeln von den Eltern Geld für das Frühstück ein. Einige Familien sind da sehr dankbar, wenn sie die Reste des Frühstücks mitbekommen.“ Die Rektorinnen der Grundschulen stehen alle vor demselben Problem: „Manchmal müssen wir echt kämpfen, um das Geld von den Eltern zu bekommen“, sagt Roder von der St.-Jürgen-Schule. Viele Eltern nähmen dabei die Bürokratie, die für finanzielle Unterstützung nötig sei, als Hürde wahr. Roder und Kollegin Rickertsen von der Bugenhagenschule sind sich einig: Wenn den Schulen gewisse Mittel zur Verfügung stünden, um die Eltern zu unterstützen, ginge vieles schneller, unkomplizierter und nicht zuletzt kinderfreundlicher.

 

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