Berender Redder : Wie gefährlich ist die Langseestraße?

Sorgen sich um die Verkehrssicherheit: Die Anwohner (von links) Annegret und Wolfgang Schulte, Björn Danczak, Magdy Abdelrahman sowie Gabi und Klaus Setzepfandt an der Einfahrt in den Märchenkreis (Baugebiet Berender Redder).
Sorgen sich um die Verkehrssicherheit: Die Anwohner (von links) Annegret und Wolfgang Schulte, Björn Danczak, Magdy Abdelrahman sowie Gabi und Klaus Setzepfandt an der Einfahrt in den Märchenkreis (Baugebiet Berender Redder).

Nach schwerem Unfall: Bewohner des Neubaugebiets fordern Tempo 50. Aber: Stadtverwaltung und Polizei sind skeptisch.

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09. Juli 2014, 16:40 Uhr

Sieben zum Teil schwer Verletzte, darunter eine schwangere Frau – der Unfall an der Kreuzung Langseestraße/Berender Redder vom vergangenen Sonntag hat mehrere Bewohner des angrenzenden Neubaugebiets auf den Plan gerufen. Sie fordern, das Tempolimit für den Abschnitt vom Kreisel an der St. Jürgener Straße bis zur Kreuzung Kattenhunder Weg von 70 auf 50 Stundenkilometer zu senken. „Einige fahren da mit 100 Sachen und schneller“, echauffiert sich Klaus Setzepfandt (72). „Es kann doch nicht sein, dass es womöglich erst Tote geben muss, bis etwas passiert.“ Setzepfand und seine Frau Gabi (45) wohnen seit zweieinhalb Jahren im Neubaugebiet Berender Redder. Damals, als sie sich zum Kauf des Grundstücks entschlossen, hätte die Stadt ihnen bereits eine Geschwindigkeitsreduzierung in Aussicht gestellt, berichtet Gabi Setzepfand. Seitdem kämpfen sie bislang vergeblich für Tempo 50. Ihr Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung ist größtenteils in Gabi Setzepfands Internet-Blog berender-redder.blogspot.de festgehalten.

„Man muss doch vorbeugen“, findet auch Björn Danczak (37), der mit seiner Familie im Neubaugebiet lebt. Er hat sich unmittelbar nach dem schweren Unfall vom Sonntag an Axel Warnke von der städtischen Straßenverkehrsbehörde gewandt. Schließlich habe sich erst etwa drei Monate zuvor bereits ein schwerer Unfall an der Einfahrt in den Märchenkreis ereignet.

Warnke warnt jedoch vor Schnellschüssen. „Wir werden den aktuellen Unfall analysieren“, sagte er gestern auf SN-Nachfrage. Grundsätzlich sei Tempo 50 auf der Langseestraße nach der Straßenverkehrsordnung aber gar nicht zulässig. Es handele sich nämlich um eine gerade, vollausgebaute Straße, der ein innerörtlicher Charakter fehle. Auch hielten sich die allermeisten Autofahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Warnke verweist auf eine verdeckte Tempo-Messung von vor zwei Jahren. Dabei hätten 85 Prozent der Fahrzeuge die noch tolerierbare Geschwindigkeit von 78 km/h nicht überschritten. Sollte sich der Streckenabschnitt allerdings als Unfallschwerpunkt erweisen, seien Maßnahmen möglich.

Als einen solchen bewertet die zuständige Polizeidirektion Flensburg die K 16 (Langseestraße) allerdings nicht, wie Sprecher Matthias Glamann mitteilte. Seinen Auskünften zufolge war es dort seit 2010 zu bislang drei Unfällen mit insgesamt fünf Leicht- und einem Schwerverletzten gekommen. Ob Tempo 50 den Crash vom Sonntagnachmittag verhindert hätte, sei fraglich.

Der Fahrer eines BMW war auf einen vor ihm fahrenden VW Passat, der von der Langseestraße in den Berender Redder einbiegen wollte, aufgefahren. Dabei wurde der Passat in den Gegenverkehr geschleudert und kollidierte mit zwei entgegenkommenden Autos. Der 34-jährige Passat-Fahrer wurde wie seine schwangere Frau (26) schwer verletzt. Ihr vierjähriger Sohn kam mit leichten Verletzungen davon. Zeugenaussagen zufolge flüchtete der BMW-Fahrer vom Unfallort. Stattdessen gab eine 49-jährige Insassin des Wagens an, am Steuer gesessen zu haben – sie hatte über 2,9 Promille Atemalkohol.

Auch wenn Tempo 50 nicht kommen sollte, könnten die Bewohner des Neubaugebiets zumindest schon bald vom Lkw-Verkehr auf der Langseestraße erlöst werden. Der nämlich hätte nach ihren Angaben längst über die St. Jürgener Straße auf die B 201 geleitet werden sollen, seit es an der dortigen Kreuzung eine Ampelanlage gibt. Das kann Verkehrsexperte Warnke bestätigen. Aber: „Das dauert, weil es nicht allein in unserer Hand liegt.“ Federführend sei der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr.

Auch sonst hat Warnke durchaus Verständnis für den Ärger der Anwohner des Berender Redders, die sich von der übrigen Stadt abgehängt fühlen. Die K 16, findet Warnke, wirke in der Tat wie eine Trennungsachse.

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