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Schleswig : Wie die Polizei den „Humpel-Räuber“ fand

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Überfälle auf Spielhalle und Sky-Markt: Am Mittwoch fällt das Landgericht das Urteil.

von
erstellt am 11.Jul.2017 | 15:02 Uhr

Die Stadt ist überschaubar, man kennt sich in Schleswig. Dieser Tatsache ist es wohl zu verdanken, dass der Mann, der im Februar am Gallberg erst eine Spielhalle und am Tag darauf den Sky-Markt überfallen hatte, sehr schnell gefasst wurde und keine weiteren Straftaten mehr begehen konnte.

Morgen wird das Landgericht voraussichtlich das Urteil gegen den 32-jährigen Schleswiger fällen, der wegen seiner Gehbehinderung als „Humpel-Räuber“ bekannt geworden war. Gestern schilderten zwei Polizisten im Zeugenstand, wie sie dem Mann auf die Spur kamen.

„Ausführung und Zeittaktung sprachen für einen recht verzweifelten Menschen als Täter“, erklärte einer der Beamten. Als erstes rief er deshalb dort an, wo die Verzweifelten, die kein Geld haben, regelmäßig vorstellig werden: im Sozialzentrum. 20 Minuten später hatte die Polizei den Namen des Mannes, der später ein Geständnis ablegen sollte. Denn eine Mitarbeiterin des Sozialzentrums war sich schnell sicher, dass sie den Täter kennt: ein Drogenabhängiger mit amputiertem Bein, der am Gallberg genau zwischen beiden Tatorten wohnt.

Parallel dazu sah sich der Leiter des Sky-Marktes noch einmal die Video-Aufzeichnung vom Überfall an. Der humpelnde Gang des maskierten Täters kam ihm bekannt vor. Kurz vor der Tat war ihm ein Kunde mit genau demselben Gang aufgefallen. Diesen Kunden fand er auf einer Video-Aufzeichnung vom Tag vor der Tat. Ein Streifenpolizist erkannte das Gesicht sofort – und nannte denselben Namen wie die Mitarbeiterin des Sozialzentrums. Es war ein Mann, mit dem er schon häufiger zu tun gehabt hatte. Wenige Stunden später war der Täter verhaftet. Von dem Geld, das er erbeutet hatte – insgesamt exakt 836 Euro – fehlte zwar jede Spur, aber die Beamten fanden im Hausflur die Tatwaffe und in der Mülltonne vor der Haustür die Kleidung, die auf der Überwachungskamera der Spielhalle zu sehen gewesen war.

Die Drogenabhängigkeit des Mannes, die schon in seiner Jugendzeit begann, war gestern auch Gegenstand der Gerichtsverhandlung. Nicht zuletzt vom psychiatrischen Gutachten wird es abhängen, ob der Angeklagte seine Strafe in einem regulären Gefängnis absitzen wird oder in einer Entzugsklinik. Derzeit sitzt er in Flensburg in Untersuchungshaft. Wegen Drogenhandels hatte er vor rund zehn Jahren schon eine Jugendstrafe verbüßt. Von seiner Sucht ist er seither nie über längere Zeit losgekommen, erzählte er. Auch seine Beinprothese ist Folge des Drogenkonsums: Vor einigen Jahren spritzte er sich Heroin in die Leistengegend. Dadurch entstand eine Thrombose im Bein, und es musste amputiert werden.

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