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Wie aus Neukirchen beinahe eine Stadt geworden wäre

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

von
erstellt am 11.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Auf 300 Seiten berichten 24 Autoren in der 77. Ausgabe des Angelner Jahrbuchs über heimatkundlich interessante Ereignisse. In der Regel sind es solche Chronisten, die als Mitglieder im Heimatverein der Landschaft Angeln für Menschen aus der Region Wissenswertes aus der Vergangenheit in ihren Aufsätzen festhalten. Ein Beispiel dafür liefert der Neukirchener Claus-Peter Petersen, der daran erinnert, dass sein kleines Heimatdorf an der Flensburger Förde vor rund 400 Jahren beinahe eine Stadt geworden wäre.

Zu erklären ist diese Besonderheit mit einem maritimen Vorhaben, das im 17. Jahrhundert der Herzog Johann der Jüngere von Glücksburg realisieren wollte. Der Adlige erwarb 1618 mit dem Gut Nübel ein Gebiet, das als „Wildnis am Strande“ bezeichnet wurde. Er wollte am Eingang zur Förde einen neuen Handelsplatz errichten – in Konkurrenz zum Flensburger Seehandel. Denn seine Besitzungen erstreckten sich auch auf die andere Fördeseite.

Der Herzog ließ zunächst eine Stichstraße in die Wildnis hinein bauen und siedelte in 32 Häusern Arbeitskräfte für den Hafenbau an. Zudem entstand direkt an der Steilküste die „Neue Kirche“. Das Ende aller urbanen Träume kam allerdings, als Johann der Jüngere 77-jährig (1622) verstarb und seine fünf Erben sich so zerstritten, dass die Stadtgründung buchstäblich ins Wasser fiel. Gegenwärtig besteht der Ortsteil Neukirchen in der Gemeinde Steinbergkirche aus 41 Wohngebäuden, in denen 120 Einheimische leben, unter ihnen der zugewanderte Liedermacher Wolf Biermann.

In einem Beitrag über die Heringszäune in der Schlei setzt sich der Maasholmer Ex-Bürgermeister Horst Franzen für die Rettung der letzten noch bestehenden Fanganlage in Kappeln als „wichtiges Fischereidenkmal“ ein. Bis in die Wikingerzeit hat er die Geschichte dieser Zäune zurückverfolgt. Es existierten solche hölzernen Fischfallen unter anderem in Buckhagen (bis 1905) und in Olpenitz (bis 1937). Weitere gab es zwischen Roest und Arnis, bei Schleimünde und Oehe.

Den Fokus auf eine prächtige Straße in Glücksburg hat der Sachbuchautor Berthold Hamer gerichtet: auf die Petersenallee. Ungewöhnlich ist der Umstand, dass sie im 19. Jahrhundert mit Geld aus dem Kaiserreich China begründet wurde – und zwar auf Initiative des Kaufmanns Heinrich Adolf Petersen, der im „Reich der Mitte“ ein Vermögen verdient hatte. In der Petersenallee hielt 1958 auf der „Rosenterrasse“ der prominenteste Besucher ein Nickerchen: der damals 82-jährige Bundeskanzler Konrad Adenauer.

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