Bank-Krise auf dem Holm : Wie auf einem Bahnsteig

Ausgetauscht: Die alten Holzbänke auf dem Holm wurden vom städtischen Bauamt durch moderne Drahtgitter-Sitze ersetzt.
Ausgetauscht: Die alten Holzbänke auf dem Holm wurden vom städtischen Bauamt durch moderne Drahtgitter-Sitze ersetzt.

Holmbewohner ärgern sich über neue Sitzbänke vor dem historischen Friedhofszaun.

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25. Mai 2018, 07:00 Uhr

Auf dem Holm brodelt die Volksseele. Es geht um den Denkmalschutz. Wieder einmal. Aber dieses Mal sind es nicht die strengen Vorgaben des Landeskonservators in Kiel, gegen den die Bewohner der alten Fischersiedlung aufbegehren. Es sind nagelneue Sitzbänke aus Edelstahl, bläulich-grün lackiert und im praktischen Gitter-Design, auf dem der norddeutsche Regen nicht lange liegen bleibt. Bänke eben, wie man sie auf fast jedem Bahnsteig dieser Republik sehen kann – und wie sie auch anderswo im Schleswiger Stadtbild verbreitet sind.

Auf dem Holm aber stehen sie direkt vor dem gusseisernen und mehr als 150 Jahre alten Zaun, der den Friedhof in der Mitte der Siedlung umgibt. „Als ich das gesehen habe, habe ich mich gezwickt, weil ich dachte, ich träume“, sagt der Holmer Fischer Jörg Nadler. „Scheußlich“ ist noch die freundlichste Beschreibung, die ihm einfällt.

Die alten Holzbänke, die sich bisher am Friedhofszaun befunden hatten, waren morsch geworden. Ausgesucht wurden die neuen Bänke in der Schleswiger Stadtverwaltung. „Die Bänke entsprechen dem im gesamten Stadtgebiet verwendeten Modell aus Drahtgitter, das besonders langlebig und vor Vandalismus sicher ist“, sagt Rathaus-Sprecher Eric Gehrke. Die Auswahl sei mit dem Denkmalschutz abgestimmt, betont er. Anlass für einige Anwohner, die Behörde satirisch anzugehen. Auf selbst gebastelten Hinweisschildern, die an den Bänken angebracht sind, steht zu lesen: „Achtung! Historische Sitzmöbel! Bitte respektieren Sie den Denkmalschutz und gehen Sie pfleglich damit um!“

Entsprechende Brandbriefe sind auch schon beim Landesamt für Denkmalpflege in Kiel eingegangen. Die Behörde mit Landeskonservator Michael Paarmann an der Spitze hat ohnehin den Unmut der Holmer auf sich gezogen, seit sie plant, die gesamte Siedlung zum Denkmalbereich zu erklären – mit entsprechenden Auflagen für alle Hausbesitzer.

Mit den Bänken aber hat das Landesamt nichts zu tun. Das bestätigt der zuständige Gebietsreferent Nils Meyer auf SN-Nachfrage. Das Denkmalbereichs-Verfahren wird erst im Laufe der kommenden Wochen abgeschlossen. Bis dahin gelten weniger strenge Regeln. Um die Bänke aufzustellen, musste die Stadtverwaltung deshalb auch noch nicht in Kiel anfragen. Es reichte eine Abstimmung mit der Denkmalschutz-Abteilung der Kreisverwaltung. Dort segnete man die Bänke ab – unter einer Bedingung: Statt in Grün wie im übrigen Stadtgebiet sollten sie in Anthrazit lackiert sein, damit sie vor dem historischen Zaun etwas dezenter wirken.

Hätte das Landesamt die Bänke verhindert, wenn die Denkmalbereichs-Verordnung jetzt schon in Kraft wäre? Nils Meyer will sich da öffentlich nicht festlegen. „Ich würde mir etwas anderes wünschen und hoffe, dass wir das mittelfristig auch hinbekommen“, sagt er.

Die fünf Bänke haben zusammen rund 5000 Euro gekostet. Jörg Nadler glaubt, dass man für diese Summe auch passendere Modelle bekommen hätte. „Viele Holmer haben vor ihren Häusern schmiedeeiserne Bänke aus dem Baumarkt stehen. Die haben 60 oder 80 Euro gekostet“, sagt er. Öffentliche Sitzbänke müssten zwar etwas stabiler sein als diese, aber nicht teurer als die Drahtgitter-Sitze.

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