Schleswig : Widerstand gegen Kirchenfusion

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In der Domgemeinde regt sich Protest gegen die geplante Fusion mit den Nachbargemeinden St.Michaelis und Friedrichsberg.

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29. Januar 2015, 12:00 Uhr

Rund 14  000 Mitglieder hat die evangelische Kirche in Schleswig. Sie verteilen sich auf die drei Gemeinden Dom, St.Michaelis und Friedrichsberg – noch. Denn zum 1. Advent 2016 soll aus den drei Gliederungen eine neue Großgemeinde werden. Auf diesen Plan haben sich die drei Kirchengemeinderäte vor gut einem Jahr verständigt. Seither schienen die Fusionsgespräche reibungslos zu verlaufen.

Doch an der Basis regt sich jetzt Widerstand. Das gilt insbesondere für die Domgemeinde. Als das Thema auf der jüngsten Gemeindeversammlung zur Sprache kam, zählte die überwiegende Mehrzahl der rund 60 Anwesenden zum Lager der Fusionsgegner. Nicht alle mögen ihre Kritik auch öffentlich äußern. Reimer Pohl, einer der Teilnehmer der Versammlung, berichtet von mehreren Argumenten, die immer wieder gegen die Fusion vorgebracht wurden: Das einzelne Gemeindemitglied habe keinerlei Vorteile, schließlich könne schon jetzt jeder Friedrichsberger den Dom besuchen und jeder Angehörige der Michaelis-Gemeinde einen besonderen Gottesdienst im Friedrichsberg. Außerdem wurde die Frage gestellt, ob alle drei Gemeinden als gleichwertige Partner in die Fusion gehen würden, zumal der Dom immer eine Sonderstellung einnehmen werde. Als abschreckendes Beispiel wurde der Zusammenschluss der Kirchenkreise Schleswig, Flensburg und Angeln genannt. Erhoffte Synergie-Effekte seien nicht eingetreten. Stattdessen sei Identität verloren gegangen.

Intern sind auch aus dem Kreis der hauptamtlichen Mitarbeiter Bedenken zu hören. Pastor Michael Dübbers, der Vorsitzende des Dom-Kirchengemeinderats, möchte weiter das Gespräch mit den Kritikern suchen und plant einen Informationsabend. Zugleich betont er, dass über die Fusion längst nicht entschieden sei: „Wir sind noch mitten im Prozess.“

Kritische Fragen sind auch schon in den beiden anderen Kirchengemeinden gestellt worden. Der Widerstand ist dort aber offenbar deutlich geringer. Pastor Norbert Wilckens aus dem Friedrichsberg setzt große Hoffnungen in den Zusammenschluss der Gemeinden. „Das Beharrungsvermögen, das einige Menschen an den Tag legen, ist mir unverständlich“, sagt er. Seine Gemeinde ist mit rund 3500 Mitgliedern die kleinste. Die beiden anderen haben jeweils mehr als 5000 Mitglieder. Wilckens verweist darauf, dass die Kirche – auch wegen sinkender Mitgliederzahlen – sparen muss. Und dass es nach der Fusion zu Einschnitten kommen wird, bestreitet niemand der Befürworter. Offen ist jedoch, worauf genau die neue große Kirchengemeinde verzichten wird. Die drei bisherigen Gemeinden haben mehr als 30 verschiedene Immobilien. Mehrere davon sind sanierungsbedürftig, darunter das Gemeindehaus auf dem Michaelisberg (Domgemeinde) und das Gemeindehaus Michaelis-Süd am Übergang vom Lollfuß zum Stadtweg (Michaelisgemeinde). „Ich trenne mich lieber von Gebäuden als von Mitarbeitern“, sagt Wilckens. Entlassungen in den Gemeindebüros sind jedenfalls nicht geplant. Auch die Zahl der Pfarrstellen bleibt vorerst gleich. Für Pastor Matthias Hertel aus der Michaelis-Gemeinde, der im vergangenen Herbst in den Ruhestand ging, kommt im März eine Nachfolgerin: Antje Hanselmann, die bisher im Kirchenkreis für die Ökumene zuständig ist. Erst in einigen Jahren, wenn Pastor Rüdiger Hoffmann (60) aus der Pauluskirche in den Ruhestand geht, könnte auch eine Pfarrstelle wegfallen. Diesen Wegfall aufzufangen, wäre nach einem Zusammenschluss leichter, indem Pfarrbezirke über die gegenwärtigen Gemeindegrenzen hinweg neu geschnitten werden, meint Dompastor Joachim Thieme-Hachmann, der die Fusionsgespräche koordiniert.

„Für die allermeisten Gemeindeglieder spielen die Grenzen ohnehin schon jetzt keine Rolle“, meint er. Übrigens wäre die Fusion, wenn sie denn zustande kommt, nicht die erste: Michaelisgemeinde und Domgemeinde hatten sich schon 1971 einmal vereinigt. 16 Jahre später trennte man sich wieder.

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