Schulen in Schleswig : Wettstreit um die Fünftklässler

Sorgenkind: Die Gallbergschule bewegte sich über Jahre nur knapp oberhalb der Mindestgröße für Gemeinschaftsschulen.
Sorgenkind: Die Gallbergschule bewegte sich über Jahre nur knapp oberhalb der Mindestgröße für Gemeinschaftsschulen.

An Gymnasien und Gemeinschaftsschulen beginnen die Anmelde-Fristen. Noch liegt die Lornsenschule vorn, was die Schülerzahlen betrifft. Die Gallbergschule hat sich stabilisiert.

von
16. Januar 2015, 07:45 Uhr

Regelmäßig Ende Januar steigt die Spannung in den Direktorenbüros der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Es ist die Zeit, in der sich die Eltern der Viertklässler entscheiden müssen, auf welche Schule sie ihr Kind nach den Sommerferien schicken werden. Am Mittwochabend stellten alle Schulleiter ihr Angebot auf einer gemeinsamen Informationsveranstaltung vor – auf neutralem Boden in der Aula des Landesförderzentrums Hören.

Wer den Saal als Sieger verlassen hat? „Das ist immer sehr schwer einzuschätzen“, sagt Georg Reußner, der Leiter der Domschule. Dramatische Verschiebungen erwartet diesmal indes niemand. Nach einigen turbulenten Jahren haben sich die Anmeldezahlen auf einem stabilen Niveau eingependelt. Einziger Unsicherheitsfaktor: Erstmals sprechen die Grundschulen keine offiziellen Schulart-Empfehlungen mehr aus. Möglich, dass sich der Trend hin zu den Gymnasien dadurch noch weiter verstärkt. Die Stadtverwaltung hat in dieser Woche eine Übersicht über die Schülerzahlen aller städtischen Schulen veröffentlicht (siehe Tabelle rechts). Während noch vor zehn Jahren auf den Gymnasien in etwa ebenso viele Schüler unterrichtet wurden wie auf den damaligen Haupt- und Realschulen, hat sich das Verhältnis inzwischen deutlich zu Gunsten der Gymnasien verschoben. Das bedeutet freilich nicht, dass die Mehrheit der Kinder eines Jahrgangs auf Dom- und Lornsenschule angemeldet werden. Denn erstens fließen in die Statistik auch die Oberstufen ein, die es an den Gemeinschaftsschulen nicht gibt, zweitens haben die Gymnasien einen deutlich größeren Einzugsbereich, der bis nach Kropp und Süderbrarup reicht.

Die Gymnasien haben schon bisher kein Kind abgewiesen, weil es keine Gymnasialempfehlung hatte. „Wir führen allerdings Beratungsgespräche, in denen wir manche Eltern davon überzeugen, ihr Kind lieber an einer Gemeinschaftsschule anzumelden“, sagt Lornsenschul-Leiterin Erdmut Fox. Ihr Gymansium ist nach wie vor größer als die Domschule. Das liegt allerdings nicht an den Anmeldezahlen, sondern schlicht an den Kapazitäten. Die Lornsenschule ist für bis zu sechs Parallelklassen pro Jahrgang ausgelegt. An der Domschule sind es nur vier. Dort werden jedes Jahr einige Schüler abgelehnt. Wen es trifft, das entscheidet das Los. Dank des im vergangenen Jahr eingeweihten Neubaus für die Naturwissenschaften wäre mittlerweile theoretisch wieder Platz für weitere Klassen. „Aber ob wir fünfzügig werden dürfen, das entscheiden nicht wir, sondern die Stadt als Schulträger zusammen mit dem Bildungsministerium“, sagt Schulleiter Reußner.

Unter den Gemeinschaftsschulen galt lange Zeit die Gallbergschule als Sorgenkind. Viele Jahre lag sie nur knapp oberhalb der – inzwischen aufgeweichten – Mindestgröße für Gemeinschaftsschulen von 240 Schülern. Als ehemalige Hauptschule hatte sie offensichtlich einen Start-Nachteil gegenüber den früheren beiden Realschulen. Die stellvertretende Rektorin Andrea Cooper sieht ihre Schule jedoch längst auf Augenhöhe mit Dannewerk- und Bruno-Lorenzen-Schule. „Wir bekommen viele Rückläufer von den Gymnasien, das zeigt, dass wir als Gemeinschaftsschule anerkannt sind“, meint sie.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen