Schleswig : Wetterstation nur noch bis 2018 besetzt

Matthias de Vries gehört zu den letzten verbliebenen Mitarbeitern der Wetterstation am Regenpfeiferweg. Was aus dem Gebäude wird, ist offen.
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Matthias de Vries gehört zu den letzten verbliebenen Mitarbeitern der Wetterstation am Regenpfeiferweg. Was aus dem Gebäude wird, ist offen.

Noch senden neun Wetterdienst-Techniker rund um die Uhr Schleswiger Messdaten zur Offenbacher Zentrale.

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08. Januar 2015, 15:49 Uhr

Das Wetter macht niemals Pause. Und so verrichten auch die professionellen Wetterkundler in Schleswig ihren Dienst rund um die Uhr. Noch. Denn das endgültige Aus der Wetterstation am Regenpfeiferweg ist in Sicht: Spätestens 2018 will der Deutsche Wetterdienst, der dem Bundesverkehrsminister untersteht, seine „bemannte Wetterstation“ in Schleswig komplett schließen. Das betrifft neun Techniker, die derzeit im Schichtdienst dort arbeiten. Und es bedeutet, dass nach 2018 alle Messdaten nur noch durch automatisierte Prozesse in den Großrechner in Offenbach gelangen.

Aber noch kommen das menschliche Auge und die menschliche Sensibilität bei der Wetterbeobachtung zum Tragen. „Wir beobachten genau das Wetter, klassifizieren die Bewölkung, messen die Windgeschwindigkeit und senden alle Messdaten zur Deutschen Wetterdienstzentrale nach Offenbach“, sagt Matthias de Vries. Zu seinem Aufgabenfeld als Wetterdienst-Techniker gehört ebenfalls die Überwachung der Radioaktivität in der Atmosphäre. Denn der Deutsche Wetterdienst überwacht seit den 1950er Jahren die Ausbreitung radioaktiver Schadstoffe und unterhält dafür 40 Mess-Stationen im ganzen Bundesgebiet. Schleswig ist eine davon. Offenbach betreibt ein radiochemisches Labor und lässt, wenn Messergebnisse dies anraten lassen, auch vom Flugzeug aus zusätzliche Proben analysieren. Auf diese Weise können selbst kleinste Veränderungen in der Atmosphäre registriert werden.

Mit welchen Mitteln fahnden die Wetterexperten nach Radioaktivität? „Die Partikel befinden sich in Niederschlägen oder auch in der Luft“, erklärt de Vries. Bei einem Verfahren etwa, bei dem Luft durch einen Filter angesaugt wird, bleiben die sogenannten Aerosolpartikel am Filter haften. Eine Grafik des Wetterdienstes, die die Jahre 1957 bis 2005 umfasst, veranschaulicht, wie nach den oberirdischen Kernwaffentests Anfang der 1960er Jahre sowie nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 die Becquerel-Werte außergewöhnlich stark anstiegen waren. Täglich leisten auch die Schleswiger „Strahlendetektive“ ihren Beitrag für exakte Messungen von Radioaktivität. „Das ist eine Vorsorge des Deutschen Wetterdienstes, um die Bevölkerung im Falle eines Unfalls rechtzeitig zu warnen“, sagt Matthias de Vries. Der Wetterdienst wiederum ist eingebettet in ein weltweites Messprogramm der Meteorologen.

Um Daten so exakt wie möglich zusammenzutragen, lässt die Schleswiger Wetterwarte zudem täglich zwei Mal einen mit Gas aufgepumpten Ballon aufsteigen – und zwar in eine Höhe von über 30 Kilometern, also drei Mal höher als ein Flugzeug. Für den Ballon bleibt das nicht ohne Folgen. Matthias de Vries: „Der Aufstieg dauert 90 Minuten, und der Ballon weitet sich da oben so stark, dass er schließlich wegen des Druckabfalls platzt. Die Sonde mit den Messdaten sinkt dann zu Boden.“ Die Messdaten werden anschließend im Offenbacher Großrechner ausgewertet.

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