Überall Insekten : Wespenplage in Schleswig

Besonders der Zucker auf dem Gebäck, wie hier bei Jaich, hat es den Wespen angetan.
Besonders der Zucker auf dem Gebäck, wie hier bei Jaich, hat es den Wespen angetan.

So viele Insekten wie lange nicht mehr fliegen zurzeit durch die Stadt – und sorgen für die eine oder andere schmerzhafte Begegnung.

shz.de von
22. August 2018, 07:00 Uhr

Seit Wochen sind sie überall – Wespen. Der Rekordsommer hat ihre Population auch in Schleswig ordentlich anwachsen lassen. Selbst beim Spazierengehen durch den Stadtweg muss man damit rechnen, auf eine oder mehrere der Quälgeister zu treffen. Das beste Mittel ist dann, einfach still stehen zu bleiben. Aber Wespen sind dieses Jahr regelrecht anhänglich und so aggressiv, dass sie einen gar nicht in Ruhe lassen wollen.

Allein im Sportcamp vergangene Woche wurden mehr als 30 Kinder gestochen und mussten behandelt werden. So viele wie nie zuvor. Auch Susanne Tibor von der Bäckerei Jaich im Stadtweg erzählt, dass es über die letzten Jahre eigentlich immer Wespen weniger wurden. „Aber dieses Jahr sind definitiv wieder mehr da.“ Auf den süßen Gebäckstücken tummeln sich tatsächlich viele Wespen. „Solange man vorsichtig ist und sie nicht bedrängt oder anpustet, tun sie eigentlich auch nichts“, sagt Tibor. Hält man sich aber nicht daran, werden sie natürlich aggressiv.

Auch beim „Kaphörnchen“ am Stadthafen ist es dieses Jahr besonders schlimm, berichten die Mitarbeiterinnen Lea Rödelbronn und Janne Koss. Sie haben schon Schalen mit Zitronenwasser und Honig hingestellt, damit die Wespen sich dort sammeln und nicht direkt im Eis. „Neulich morgens wurden allein vier von unseren Eisverkäuferinnen gestochen“, sagt Rödelbronn – und auch die Kunden seien öfter davon betroffen. Für den Notfall liegen bei den Angestellten extra Zwiebeln bereit, um schnell gegen die Stiche vorgehen zu können.

Michael Nast, Inhaber der „Dom-Apotheke“ am ZOB, hat dieses Jahr auch deutlich mehr Kunden als sonst, die mit Wespenstichen zu ihm kommen. „Manche Wespen sind gar nicht unbedingt so aggressiv, aber einfach sehr anhänglich.“ Trotzdem darf man die Situation nicht unterschätzen. Eine Mitarbeiterin sei sogar beim Trinken direkt in die Lippe gestochen worden, so Nast. Es gibt in der Apotheke ein Mittel für Betroffene, da Wespen potentielle Krankheitsüberträger sind. „Es besteht nur eine sehr geringe Infektionsgefahr, in der Regel kann der Körper das ab“, weiß Nast, rät aber dazu, einen Stich immer vorsorglich zu desinfizieren. Es gab dieses Jahr einen kleinen Lieferengpass bei den Notfallspritzen aufgrund eines Produktionsfehlers, aber es konnten alle Kunden versorgt werden. Es seien außerdem sowohl Kinder, als auch Erwachsene, die mit Stichen in die Apotheke kommen. „Bei Kindern ist das Problem, dass der erste Stich oftmals gar nicht so schlimm ist, weil erst beim zweiten das Immunsystem aktiviert wird“, erklärt Nast. In der Kinderarztpraxis über der Apotheke seien es indes nicht viele mehr Kinder als sonst, die mit entzündeten Wespenstichen kämen, aber es komme natürlich vor, so Mitarbeiterin Diandra Thiede. Es sei jedoch manchmal schwer zu erkennen, ob es sich um eine Wespe oder Mücke handelt, da beide allergische Reaktionen hervorrufen können. In der Praxis würden allerdings auch zahlreiche Wespen herumfliegen – und das nervt nicht nur die Angestellten. „Gerade Kinder geraten da schnell mal in Panik.“

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