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Diskussionen über die Stromtrasse : Werbe-Tour für die große Stromleitung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Netzbetreiber Tennet informiert mit großem Aufwand die Einwohner entlang der geplanten Starkstromtrasse zwischen Schacht-Audorf und Flensburg. Die Menschen fühlen sich ernst genommen und gut behandelt.

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erstellt am 10.Apr.2014 | 19:34 Uhr

„Irgendwo müssen wir ja bauen“, sagt Uwe Herrmann. Der Landschaftsarchitekt tingelt zurzeit im Auftrag des Stromnetzbetreibers Tennet durch den nördlichen Landesteil, um über die neue, große Stromtrasse zu informieren, deren Teilstück zwischen Schacht-Audorf und Flensburg derzeit geplant wird. Gestern machte der Tross mit einem Dutzend Spezialisten, detailgenauen Gemarkungskarten und Kugelschreibern, Feuerzeugen und Traubenzucker als kleinen Bestechungsgeschenken in Silberstedt Station. Der gewaltige Aufwand hat einen Grund, schließlich geht es um eine große Sache. Die neue Höchstspannungsleitung soll möglichst 2018 mit einer Spannung von 380 Kilovolt in Betrieb gegen – da kann man sich Verzögerungen durch späte Beschwerden oder gar Klagen nicht leisten. Die neue Leitung soll an Kropp, Schuby und Silberstedt, Bollingstedt, Eggebek, Tarp und Handewitt vorbei in Richtung Dänemark gebaut werden. Sie soll nicht nur leistungsstärker sein, sondern auch wesentlich höhere Masten haben. „Die neuen werden nicht mehr wie bisher zwischen 35 und 40, sondern bis zu 60 Meter hoch sein“, erklärt Pressesprecher John Karl Hermann – um gleich hinterherzuschieben, dass dies auch ein Sicherheitsaspekt sei: Die Leitungen hängen künftig 15 Meter über dem Boden. Bisher waren es lediglich sieben. Und die neue Trasse soll über den größten Teil der Strecke direkt neben der alten 220-Kilovolt-Leitung liegen. „Wir sind gesetzlich verpflichtet, nicht unberührte Gebiete zu nutzen“, sagt Hermann.

Otto Hübner und sein Enkel Leon aus Schubyfeld studieren die Karte genau. „Als die alte Leitung vor 40 Jahren an unserem Hof vorbei gebaut wurde, wussten wir überhaupt nicht, was auf uns zukommt“, sagt der Landwirt. „Aber man wird ja sensibler mit der Zeit.“ Und so diskutiert er mit Uwe Herrmann über den Verlauf eines Knicks, über einzelne Büsche, das Knistern bei feuchtem Wetter und die geplanten Standorte der Masten. Er befürchtet, dass ihm ein weiterer Turm vor die Nase gebaut wird. Uwe Herrmann kann ihn beruhigen: „Das wird nicht nötig sein.“ Otto Hübner hat keine Einwände mehr. Er fühlt sich gut informiert und verlässt zufrieden die Amtsverwaltung. „Wir arbeiten uns praktisch Meter für Meter und Knick für Knick die gesamte Trasse entlang, weil wir mit den Grundeigentümern zusammenarbeiten wollen“, erklärt Herrmann. Ziel ist ein Nutzungs- und Überleitungsrecht, das im Grundbuch eingetragen wird. Gegen Vergütung, versteht sich. Sollte es zu keiner Einigung kommen, werden noch einmal alle Details abgestimmt. Scheitern auch diese Verhandlungen, das macht der Trassenverantwortliche klar, kann die Eintragung ins Grundbuch auch erzwungen werden. „Aber das wollen wir in jedem Fall verhindern.“

Auch Schubys Bürgermeister Helmut Ketelsen fühlt sich gut informiert. „Ich muss ja wissen, was los ist“, begründet er seinen Besuch bei Tennet, „und die machen hier sehr professionelle Öffentlichkeitsarbeit.“ Aber der erfahrene Kommunalpolitiker ist dennoch auf der Hut. „Ein Plan ist ein Plan“, sagt er mit Blick auf die Landkarte mit der roten Trasse, „und Pläne können immer noch geändert werden.“

Die nächsten Veranstaltungen finden am Montag, 14. April, im Kropper Rathaus und am Dienstag im Tarper Amtsgebäude jeweils von 14 bis 20 Uhr statt.

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