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Schleswig : Wer warf dieses Kätzchen in den Müll?

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Schleswiger Michaelisgang hörte der 19-jährige Leon Hemberger aus einer braunen Biotonne ein trauriges Jaulen – und machte eine erschütternde Entdeckung.

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erstellt am 02.Mai.2017 | 19:07 Uhr

Schleswig | Yvonne Wiegers-von Wegner hat in ihren elf Jahren als Vorsitzende des Schleswiger Tierschutzvereins viel Elend gesehen. Verwahrloste Hunde. Schlangen im Küchenschrank einer verlassenen Wohnung. Einmal musste sie gar eine halb verdurstete Katze aus einem Kellerloch befreien.

Aber dass jemand ein Tier einfach bei lebendigem Leib in den Müll wirft – das war auch für Yvonne Wiegers-von Wegner etwas Neues. Doch genau das ist offenbar geschehen, und zwar Ende der vergangenen Woche am Michaelisgang, dem Fußweg, der hinter der Nospa vom Stadtweg aus in Richtung Bismarckstraße verläuft.

Der 19-jährige Leon Hemberger hat die Katze gerettet. Als er von der Arbeit auf dem Weg nach Hause war, hörte er plötzlich ein leises Wimmern. Es kam aus einer braunen Biomüll-Tonne. Auf der Tonne lag ein Stein. Als er den Stein hob und den Deckel öffnete, krabbelte eine abgemagerte junge Katze aus dem Behälter. Sie lief schnell auf die andere Seite des Michaelisgangs. Dort hatte sie anscheinend in einem gelben Sack etwas Essbares entdeckt.

Leon Hemberger im Michaelisgang an der Tonne, aus der er die Katze befreite.
Leon Hemberger im Michaelisgang an der Tonne, aus der er die Katze befreite. Foto: Ove Jensen
 

Leon Hemberger rief seine Freundin an, die selbst zwei Katzen hat. Sie kam mit einer Transportbox vorbei, und gemeinsam brachte das junge Paar das verängstigte Tier nach Hause. Am nächsten Morgen meldete sich Leon Hemberger im Tierheim. Yvonne Wiegers-von Wegner reagierte völlig geschockt. „Ich begreife einfach nicht, wie ein Mensch einer schwächeren Kreatur solche Gewalt antun kann.“ Denn dass das Tier nicht versehentlich in der Tonne landete, das scheint angesichts des Steins auf dem Deckel völlig klar. Aber ob es der Besitzer war, der die etwa neun Monate alte Katze in die Tonne sperrte, oder jemand anderes – das bleibt unklar. „Wir werden auf jeden Fall Anzeige bei der Polizei erstatten“, kündigt die Tierschutzvereins-Chefin an, die sich fragt, was die Katze wohl sonst noch alles durchmachen musste. „Was seelisch mit den Tieren geschehen ist, die wir aufnehmen, das ist sehr oft ja gar nicht erkennbar.“

Zu erkennen war, dass die Katze, die von den Tierheim-Mitarbeiterinnen nun „Mülli“ genannt wird, ein geschwollenes Hinterbein hatte – offenbar die Folge von Gewalteinwirkung. Die Krallen waren extrem kurz. „Das muss sehr schmerzhaft sein“, so Wiegers-von Wegner. Möglicherweise hatten sie sich abgerieben, als „Mülli“ versuchte, sich aus der Tonne zu befreien.

Inzwischen ist die Katze auf dem Wege der Besserung, berichtet Tierpflegerin Carolin Kreutzer, die „Mülli“ als sehr verschmust und anhänglich erlebt. Im Tierheim wartet man nun, ob sich ein Eigentümer meldet. Sollte das nicht der Fall sein, hat sie wahrscheinlich schon bald ein neues Zuhause. „Wir könnten uns vorstellen, sie bei uns aufzunehmen“, sagt Leon Hemberger. „Natürlich nur dann, wenn sie sich mit unseren anderen Katzen verträgt.“

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