Kritik an bisherigen Fahrplänen : Wer steuert künftig die Stadtbusse?

Noch sind die Verkehrsbetriebe Schleswig-Flensburg für den Stadtbusverkehr in Schleswig zuständig.
Noch sind die Verkehrsbetriebe Schleswig-Flensburg für den Stadtbusverkehr in Schleswig zuständig.

Der Kreis hat den Linienverkehr in Schleswig und Umgebung neu ausgeschrieben.

shz.de von
15. Februar 2018, 12:00 Uhr

Der Busverkehr in Schleswig und Umgebung steht möglicherweise vor einer größeren Umwälzung. Der Kreis Schleswig-Flensburg hat vor wenigen Tagen die europaweite Ausschreibung des Busverkehrs im „Linienbündel Süd“ mit dem Schleswiger Stadtbusverkehr als Herzstück veröffentlicht.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass sich verschiedene Unternehmen darauf bewerben können, den Schleswiger Busverkehr zu übernehmen. Bis 2001 waren über Jahrzehnte die Schleswiger Stadtwerke Betreiber der Stadtbusse. Danach übertrug die Stadt Schleswig diesen Bereich auf die Kreisverkehrsbetriebe, die wiederum ab 2005 privatisiert wurden. So gehören die Busse heute den Verkehrsbetrieben Schleswig-Flensburg (VSF), einer privaten Gesellschaft, die zu jeweils 40 Prozent den Busunternehmen Gorzelniaski aus Flensburg und Hansen-Borg aus Handewitt gehört sowie zu 20 Prozent der Bahntochter Autokraft. Um das Recht, den Busverkehr in Schleswig und Umgebung zu betreiben, mussten sich die VSF nie bewerben. Sie übernahmen es im Zuge der Privatisierung von den Kreisverkehrsbetrieben. Im Kreishaus hatte man zunächst nach Wegen gesucht, eine öffentliche Ausschreibung zu vermeiden, um an den bewährten Strukturen festhalten zu können. Inzwischen setzt man aber darauf, dass der Wettbewerb auch für verbesserte Angebote sorgt.


Französischer Konzern Gewinner in Rendsburg

Wie das aussehen kann, zeigt ein Blick nach Rendsburg. Dort ist seit Anfang 2017 der französische Transdev-Konzern für den Stadtverkehr verantwortlich. Der Wechsel verlief nicht ganz reibungslos. Nicht alle Busfahrer wurden vom neuen Anbieter übernommen. Liniennetz und Fahrplan blieben zunächst unverändert.

Seniorenbeirat fordert Verbesserungen

Gerade der Fahrplan ist es aber, der in Schleswig immer wieder Kritik auf sich zieht. Dieser Punkt war auch Thema auf der jüngsten Sitzung des Schleswiger Seniorenbeirats. Der Buslinienverkehr muss nach Ansicht des Beirats dringend verbessert werden, meint dessen Vorsitzender Hans-Uwe Stern. Daher will der Beirat Vorschläge erarbeiten, ob und wie das Bus-Angebot seniorengerecht erweitert und die Verbindungen besser getaktet werden könnten.

Im Lauf der Diskussion forderten Sitzungsteilnehmer unter anderem bessere Verbindungen für die Abendstunden sowie für das Wochenende. In der Einwohnerfragestunde kritisierte eine 93-jährige Bürgerin, sie könne bei derzeit gültigem Fahrplan sonntags nicht den Gottesdienst im Dom besuchen.

Eine Arbeitsgruppe des Beirats will sich nun näher mit dem Thema beschäftigen und entsprechende Vorschläge vorlegen. Die Seniorenvertreter hatten sich zuvor mit VSF-Geschäftsführer Jan-Hendrik Möser ausgetauscht. Möser wies dabei auf die knappen finanziellen Mittel für den Busverkehr hin. Er beklagte, dass die Stadt Schleswig 2008 ihren bis dahin gezahlten Zuschuss für den Busverkehr in Höhe von 200 000 Euro ersatzlos gestrichen habe. Derzeit bekommen die VSF für ihre Buslinien 1,37 Millionen Euro jährlich vom Kreis Schleswig-Flensburg, der dieses Geld wiederum aus dem Landeshaushalt bekommt.

Ob von diesem Geld auch in Zukunft die Busse der VSF bezahlt werden, wird sich schon in diesem Jahr zeigen. Denn noch vor der Vergabe des Teilnetzes Süd mit dem Schleswiger Stadtverkehr wird das Ausschreibungsergebnis für das Teilnetz West mit den Überland-Verbindungen auf der Geest vorliegen. Hier könnten schon 2019 neue Anbieter auf dem Markt sein.

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