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Schleswiger Nachrichten

14. Dezember 2017 | 09:22 Uhr

Wer kann noch kochen?

vom

Die notwendige "Ernährungswende" ist das heimliche Leit-Thema des bevorstehenden Landmarkts

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

schleswig | BSE, Gammelfleisch, Lebensmittelverschwendung, Fettleibigkeit: Das Thema "gesunde und richtige Ernährung" hat viele Facetten, steht seit Jahren auf der Tagesordnung und scheint doch immer wieder in den alten Bahnen zu landen. Ernährung, so heißt es in einer Studie, "hat sich in Deutschland zum gesellschaftlichen Dauerproblem entwickelt".

Was also her muss, ist eine "Ernährungswende" - eine grundsätzliche Neuorientierung von Ernährungsgewohnheiten der Verbraucher. Nun ist das Wort "Wende" ja eigentlich zu Recht verbrannt, man kann es nicht mehr hören. Wie oft wurde schon im politischen Bereich eine, gerne auch moralische "Wende" ausgerufen - und was ist passiert?

Dennoch lässt sich die Notwendigkeit einer "Ernährungswende" nicht von der Hand weisen. Zwar ist das Interesse an gesunder Ernährung, jedenfalls bei bestimmten Bevölkerungsgruppen, groß; doch die Kompetenzen rund um die Ernährung nehmen eher ab. Eine Mahlzeit aus frischen Zutaten zubereiten zu können, ist längst schon keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln stagniert eher als dass sie übermäßig boomen würde. Und auch mancher Bio-Bauer hat sich schon in der Rolle rückwärts geübt: Zwischen den Jahren 2003 und 2010 sind rund 2900 Biobauern wieder in die konventionelle Landwirtschaft zurückgekehrt, wie das Thünen-Institut für Betriebswirtschaft in Braunschweig herausgefunden hat.

Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die unterschiedlichen Ernährungsstile. In einer Typologie, die in der Broschüre "Ernährungswende - eine Herausforderung für Politik, Unternehmen und Gesellschaft" zu finden ist, stehen mit 20 Prozent die "konventionell Gesundheits-Interessierten" an der Spitze, gefolgt von erbarmungswürdigen "freudlosen GewohnheitsköchInnen" (17 Prozent) und "gestressten Alltagsmanagerinnen" (16 Prozent). Lediglich 13 Prozent zählen zu den "ernährungsbewußt Anspruchsvollen" und nur neun Prozent zu den "Fitnessorientiert Ambitionierten".

Die beiden letztgenannten Gruppen stellen sozusagen die Speerspitze der sich gesund Ernährenden dar; sie werden aber pariert durch etwa gleich viele "desinteressierte Fast-Fooder" und "Billigfleisch-Esser".

Hier kommt auch - nahe liegend - die Klimabilanz der Ernährung ins Spiel, denn rund 16 Prozent der jährlichen Treibhausgas-Emissionen werden durch die private Ernährung verursacht. Allerdings gilt es auch, wie es in der "Ernährungswende"-Bibel heißt, "sich von Mythen zu verabschieden". Man muss halt genau hinsehen. Denn "die Klimabilanz regionaler Produkte ist nicht immer besser als die von Produkten aus Übersee, und vorverarbeitete Convenience-Mahlzeiten sind entgegen der landläufigen Meinung nicht per se schlechter als eine frisch zubereitete Mahlzeit".

Dennoch gibt es, um die "Ernährungwende" Wirklichkeit werden zu lassen, auch Handlungsempfehlungen, die triftig sind. Ein Besuch auf dem bevorstehenden Landmarkt gehört mit Sicherheit dazu: Dort kann man sich über nachhaltige Ernährungskonzepte genauso informieren wie über die konkreten Angebote in der Region. Das bekannte Label "Feinheimisch" ist da ein guter Wegweiser.

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