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Bugenhagenschule schleswig : Wer hat Angst vorm schwarzen Hund?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit der Teilnahme an dem Projekt „Beißt der?“ lernten Zweitklässler den richtigen Umgang mit Vierbeinern.

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 07:46 Uhr

Auch wenn er sicherlich mehr als nur ein mulmiges Gefühl im Magen hatte, ließ er es sich kaum anmerken. Nur die besonders aufmerksam hin und her blickenden braunen Augen verrieten, dass es in seinem Innern ganz anders aussah. Dass er Angst hatte. Und zwar zurecht. Denn erst vor gut einem halben Jahr war der inzwischen siebenjährige Bugenhagenschüler – nur einen Steinwurf vom Schulgelände entfernt – von einem Rottweiler angegriffen und schwer verletzt worden (wir berichteten). Gestern nun nahm er, gemeinsam mit seinen Klassenkameraden, an dem Projekt „Beißt der?“ teil, bei dem die Kinder den richtigen Umgang mit Hunden lernen sollten. Dazu waren zwei lebende (und lebhafte!) Objekte in die Schule gekommen.

„Natürlich war es ein großes Thema in der Klasse, dass einer ihrer Mitschüler von einem Hund angegriffen wurde. Er lag ja lange im Krankenhaus und konnte wochenlang nicht am Unterricht teilnehmen“, erklärte Klassenlehrerin Antje Gleser. Auch deshalb sei sie froh, dass die Kinder nun dieses Zusatzangebot in Anspruch nehmen konnten – „und allesamt sehr interessiert bei der Sache waren“.

Gemeinsam mit der Grundschule Schuby ist die Bugenhagenschule landesweit die erste, die das „Beißt der?“-Projekt gebucht hat, das ursprünglich von der Münchner Tierärztin Dr. Hildegard Jung ins Leben gerufen wurde. Die Tarper Firma Trixie Heimtierbedarf hatte Jung Mitte vergangenen Jahres eingeladen, um sogenannte Schulbesuchshunde-Teams zu schulen, die das Training auch in Schleswig-Holstein anbieten sollen.

Nun also war eines dieser Teams, Trixie-Mitarbeiterin Corinna Ruddat mit ihrer vierjährigen Hündin Fine und Sandra Martensen vom Schleswiger Jugendzentrum mit Rüde Pax (5), an zwei Tagen zu Gast im Friedrichsberg. Die Finanzierung hatte der Förderverein der Schule übernommen. „Schön, dass es auf diesem Weg geklappt hat. Denn externe Fachleute einzuladen, um den Unterricht zu bereichern, halte ich für äußerst wertvoll. Da lernen die Kinder in der Regel sehr viel – und es macht ihnen Spaß“, sagte Schulleiterin Maike Rickertsen.

Das merkte man auch den Schülern der 2  a an, als sie in der Turnhalle endlich mit Fine und Pax auf Tuchfühlung gingen. In der vergangenen Woche hatten sie im Unterricht schon in der Theorie gelernt, wie man sich verhält, wenn ein bellender Hund plötzlich vor einem steht oder hinter einem her rennt. Nun galt es, dieses Wissen endlich auch praktisch umzusetzen. „Dann macht man den Baum und zeigt die kalte Schulter“, erinnerte sich Ali (8). Das bedeute, so erklärte er weiter, „dass man einfach still stehen bleiben muss, weil das den Hund langweilt“. Und wenn das alles nichts helfe?, wollte Corinna Ruddat wissen. „Dann müssen wir den Igel machen“, wusste Fiona – und zeigte später gemeinsam mit den anderen Mädchen und Jungen, wie das geht: Auf den Boden knien, einrollen und mit den Händen den Nacken schützen.

„Kinder haben einen Fluchtreflex, Hunde einen Jagdinstinkt. Da kommt es oft zu Konflikten“, erklärte Corinna Ruddat. Wichtig sei es deshalb, dass die Schüler lernen, Respekt vor den Tieren zu haben und sich gleichzeitig an Umgangsregeln zu halten. Es gehe also darum, die Stimmung des Hundes zu lesen, Mimik und Körpersprache einzuschätzen und Droh- und Warnsignale zu erkennen.

Insbesondere der hoch gewachsene und äußerst lebhafte Pax, ein ausgebildeter pädagogischer Begleithund, stellte die Kinder bei den entsprechenden Übungen vor die ein oder andere Herausforderung. Am Ende aber waren alle begeistert. „Ich habe jetzt nur noch halb so viel Angst“, meinte Ali. Und Noah (9) sagte: „Nur das Abgelecktwerden find’ ich irgendwie blöd.“

>E-Mails an: schulhund@trixie.de

 

 

 

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