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Verwaiste Eltern Schleswig-Holstein : Wenn plötzlich das eigene Kind stirbt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Verein begleitet betroffene Familien durch ihre Trauer – und plant jetzt die Einrichtung einer festen Geschäftsstelle in Schleswig.

Schleswig | Es ist der blanke Horror: Das eigene Kind – tot. Auf rund 20  000 Familien in Deutschland bricht diese schlimmste aller Katastrophen jährlich ein. Egal ob durch Krankheiten, Unfälle oder Suizid. Am Ende bleibt die tiefe Trauer und die unglaublich schwierige Aufgabe für die Hinterbliebenen, mit dieser irgendwie weiterleben zu können. Lange Zeit mussten die Betroffenen allein fertig werden mit diesen Schicksalsschlägen. Im Norden bietet ihnen inzwischen aber der Verein „Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister Schleswig-Holstein“ verschiedene Hilfen an und begleitet sie auf ihrem Weg durch die Trauer – „ein Angebot, das immer öfter in Anspruch genommen wird. Nicht nur von den Betroffenen selbst, sondern auch von anderen Organisationen, die nicht wissen, wie sie diesen Menschen helfen sollen“, wie Vorstandsmitglied Anja Heitmann-Flor berichtet. Deshalb steht der Verein nun vor einem weiteren Schritt in Richtung Professionalität, um der stetig wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. „2015 ist ein wichtiges Jahr für uns. Es tut sich gerade sehr viel“, sagt Heitmann-Flor.

Im Mittelpunkt wird dabei die Eröffnung einer eigenen Geschäftsstelle stehen. Die soll, so die aktuellen Pläne, in Schleswig sein. Denn hier befindet sich die Keimzelle des Vereins, der 2004 aus einer Gesprächsgruppe für Eltern von verstorbenen Kindern hervorging. Seitdem hat sich sowohl das Angebot als auch der Wirkungskreis für die Trauerarbeit so sehr ausgeweitet, dass 2010 aus dem Verein ein Landesverband wurde, der inzwischen betroffene Familien aus ganz Schleswig-Holstein betreut. Eine Aufgabe, die künftig von der Geschäftsstelle aus koordiniert werden soll.

Gleiches gilt für die Ausbildung von Trauerbegleitern, die der Verein seit Januar erstmals anbietet. Auch hier gab es großen Bedarf – aber kaum Fachpersonal. In einem einjährigen Kurs lernen nun 23 Frauen und Männer, wie sie trauernde Eltern oder Geschwister professionell begleiten können. Eine Herausforderung, der sich Ehrenamtler wegen der schwierigen Thematik nicht stellen können, wie Heitmann-Flor betont. Das wiederum macht die Trauerarbeit am Ende aber auch teuer – und dafür muss der Verein ständig neue Gelder einwerben. „Bislang ist Trauerverarbeitung noch immer keine anerkannte Krankheit. Dabei sind Trauernde seelisch Schwerverletzte, die Hilfe und Unterstützung brauchen“, sagt Heitmann-Flor, die deshalb froh ist, dass der Verein inzwischen eine Vielzahl von Unterstützern und Kooperationspartnern hat. Dazu zählt unter anderem die Nordkirche, mit der man kürzlich erstmals eine feste Kooperation unterzeichnen konnte, die dem Verein bei der Finanzierung der künftigen Geschäftsstelle hilft. „Denn auch die Kirche hat erkannt, wie wichtig unsere Arbeit ist. Zudem entlasten wir auch ihre Seelsorger und bilden sie sogar weiter“, sagt Heitmann-Flor.

Insgesamt aber sei man einem ständigen Kampf um Spendengelder ausgesetzt. Denn nur die ermöglichten es, das Angebot an verschiedenen Gesprächsgruppen dauerhaft aufrecht zu erhalten – oder neue zu gründen. So soll es noch in diesem Jahr ein spezielles Angebot für Eltern geben, deren Kind Suizid begangen hat. „Ich habe schon oft gehört: ,Das Kind ist doch schon tot, wozu brauchen Sie denn jetzt noch Geld?‘ Aber wir haben doch eine große Verantwortung den betroffenen Familien gegenüber. Die brauchen Hilfe – professionell und schnell“, betont Heitmann-Flor.

Infos: www.vesh.de oder www.mini-sarg.de

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erstellt am 08.Apr.2015 | 14:00 Uhr

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