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Cyber-Mobbing an Schleswiger Schulen : Wenn Nacktfotos die Runde machen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ausgrenzen, beleidigen, diffamieren: Cyber-Mobbing ist auch an Schleswigs Schulen ein großes Problem.

von
erstellt am 09.Jul.2017 | 08:44 Uhr

Sie agieren aus dem Hinterhalt. Da wird das Smartphone in den Händen mancher Jugendlichen schnell zur Waffe. Eine Waffe, mit der sie ihre Opfer ausspähen und bloßstellen können. Sie treiben so ihre Altersgenossen oder Mitschüler durch immer neue Posts im Internet vor sich her, indem sie sie systematisch diffamieren, beleidigen, verhöhnen, verleumden, ausgrenzen. Richtig fies dabei: Internet-Täter bleiben meist anonym, wenn sie falsche Gerüchte über andere in die Welt setzen. Betroffene, die auf diese Weise lächerlich gemacht und entwürdigt werden, mögen sich kaum mehr im eigenen Umfeld blicken lassen – und verkriechen sich.

Tatort Schule

Mobbing unter Schülern hat im Internet an Intensität zugenommen, heißt es in der neuen bundesweiten Studie des „Bündnis gegen Cybermobbing“. Danach wird jeder achte Jugendliche gemobbt, insbesondere in der Altersgruppe der 13- bis 16-Jährigen. Geschieht dies gleichermaßen auch an den Schulen in Schleswig und im Kreis? Offenbar ja, wie die SN erfuhren.

Allerdings wollten auch unsere jüngeren Informanten bei diesem Thema anonym bleiben, aus der Sorge heraus, womöglich selbst Repressalien durch Mitschüler oder Freunde ausgeliefert zu sein.

Doch berichtet wird uns dies: In allen weiterführenden Schulen in Schleswig machen etwa kompromittierende Fotos, auch Nacktfotos, via Facebook oder Instagram die Runde. Einige Jungs sollen sich sogar Bilder-Ordner mit entsprechenden Fotos von Mädchen aus der Klasse oder aus dem Freundeskreis auf ihre Smartphones gelegt haben, wohl auch zum Tauschzweck. Woher die Bilder stammen? Teils von den Mitschülerinnen, Freundinnen oder Bekannten selbst – entstanden vielleicht im Rausch der Pubertät oder aber aus Unwissenheit, was daraus werden kann. Eine Informantin: „Manche wollten einem einzigen Freund oder einer Freundin ein intimes Bild von sich senden, doch der Empfänger teilt es dann, und wieder andere teilen es auch.“ Und bald kann die ganze Welt besagtes Foto betrachten. Einen Lösch-Knopf gibt es nicht. Betroffene stürzen in tiefe Verzweiflung, schildert man uns.

„Das Internet vergisst nichts“, mahnt Tobias Morawietz, Kinder- und Jugendschutzbeauftragter beim Kreis Schleswig-Flensburg. Er kennt die Auswüchse und Dimensionen, die das Mobbing unter Schülern im Internet annehmen kann und ist in ständigem Austausch mit Lehrern, Schulsozialarbeitern und Eltern. Zum Thema Cyber-Mobbing hat er einen „Elternbrief“ herausgebracht – eine Broschüre mit Ratschlägen und Hilfsangeboten für Eltern und Erziehungsberechtigte. Denn Eltern wissen oft gar nicht, was sich in den Internet-Foren ihrer Kinder abspielt. Sie wissen auch nicht, ob ihre heranwachsenden Kinder als Täter oder Opfer oder auch in beiden Funktionen auftreten. Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter an allen Schleswiger Schulen nehmen indes das Thema Internet-Mobbing sehr ernst und versuchen, das Problem bei der Wurzel zu packen.

Prävention

„Wir setzen auf Prävention“, erklärt Jan-Henrik Vogt, Schulsozialarbeiter an der Domschule. Deren Mittelstufen-Leiterin Kristine Germeroth ergänzt: „Natürlich wissen unsere Schüler meist, was richtig und falsch ist, also wie man sich anständig verhält gegenüber seinen Mitmenschen.“ Durch regelmäßige Gespräche in der Klasse versuche man, die Schüler für die Folgen des Mobbings zu sensibilisieren. Wichtig sei ihr dabei, dass „die Schüler wissen, dass sie nicht allein dastehen“, betont Germeroth. Lornsenschul-Lehrer Christoph Kalies verweist zudem auf Projekte wie „Mobbingfreie Schule“ oder „Medienleuchten“, eine Initiative von Tobias Morawietz , die vom Kreis gefördert wird.

Klassenrat-Stunde

Finn Hübner, Medienbeauftragter der Dannewerk-Gemeinschaftsschule, betont, wie wichtig es sei, die Eltern mit ins Boot zu nehmen. Zwar hätten ihre Kinder ihnen meist einiges voraus im digitalen Wissen, aber gemeinsam könne man Absprachen treffen über Umgangsregeln. An der Bruno-Lorenzen-Schule verweist Schulleiter Bernd Nissen darauf, dass die regelmäßig stattfindende Klassenrat-Stunde dafür da sei, um gemeinsam Probleme wie Mobbing in der Klasse zu besprechen. Schulsozialarbeiter Sönke Wegner weist darauf hin, dass Schüler in ihren Klassen-WhatsApp-Gruppen „ständig unter Druck stehen, antworten zu müssen“. Absprachen über feste Uhrzeiten seien daher sinnvoll, heißt es an allen Schulen. Quasi eine Sperrstunde ab spätestens 21 Uhr – damit dann wenigstens zu Hause Ruhe einkehrt vom Netz.

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