Aggressiver Unfallfahrer in Stolk : „Wenn ihr mir zu nahe kommt, hau’ ich euch tot!“

Mann bedroht Zeugen mit Pfefferspray und Schlagstöcken – und ergreift hinterher die Flucht.

shz.de von
13. Juli 2015, 07:29 Uhr

Freitagabend 21 Uhr: Sekundenlanges Quietschen und ein dumpfer Knall schrecken zahlreiche Bürger in Niederstolk auf. Sofort stürzen 15 Anwohner auf die Straße, um dem Unfallopfer zu helfen. Sie sehen einen offensichtlich unverletzten Mann aus einem quer auf der Hauptstraße stehenden Opel steigen. Insassen des nachfolgenden Wagens berichten, der Opel habe sie innerorts mit deutlich über 100 km/h überholt, sei ab der Eichenhof-Kurve auf und an dem Bordstein entlanggeschrammt, über den Radweg gerast und vom Zaun bis auf die Gegenfahrbahn geschleudert.

Die Erleichterung, dass hier gerade weder Radler noch Fußgänger unterwegs waren, weicht blankem Entsetzen, als die Situation plötzlich eskaliert: Die Aussage, die Polizei werde gleich kommen, veranlasst den Unfallverursacher, einen Waffengürtel anzulegen. Die Umstehenden erkennen Pfefferspray und drei Schlagstöcke. Den einen fährt er teleskopartig aus und droht: „Wenn ihr mir zu nahe kommt, hau ich euch tot!“

Dann flieht er in Richtung Lüngmoor. Um ahnungslosen Mitbürgern beizustehen, nehmen zwei Männer schnurstracks die Verfolgung auf – so, wie sie vom Sofa aufgesprungen waren: der eine auf Socken, der andere in Puschen. Dieses Handicap erkennt ein dritter Stolker, holt seinen Wagen und verfolgt seinerseits das Trio.

Am Funkmast entscheidet sich der Bewaffnete, der nunmehr motorisierten „Bürgerwehr“ über die Felder zu entkommen. Doch die Verfolger sind ortskundig, schneiden ihm den Weg ab und erwarten ihn an der Bushaltestelle auf der Strecke nach Idstedt. Als der Mann seine Jäger erblickt, verschwindet er im Glauben, noch unentdeckt zu sein, im Gebüsch.

Währenddessen ist die Leitstelle der Polizei dank Handykontakt jederzeit über die Lage in Stolk im Bilde und zieht kreisweit ihre Nachtstreifen im Ortsteil Schwenshöh zusammen. Als ihm die ersten Beamten zu nahe kommen, sprintet der Unfallflüchtige los, kommt aber atemlos nur bis zum Schleppegrellweg: Dort erwartet ihn bereits die Polizei, die ihn mit drei Einsatzwagen einkesselt. Der Mann erkennt die Ausweglosigkeit seiner Situation und lässt sich ohne Kampfhandlung festnehmen.

Der nächste Schritt dürfte eine Blutentnahme gewesen sein; weil – so die „Hilfssheriffs“ aus Niederstolk – „er Fluchtweg und Versteck mit seiner Fahne markierte“.

Auch wenn der Flüchtige nun für längere Zeit aus dem Straßenverkehr gezogen weden dürfte, wollten die Männer weder fotografiert werden noch ihre Namen lesen; denn: „Wer abends mit drei Schlagstöcken durch Stolk rast, zündet vielleicht auch Häuser an.“
 


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