Neue Trauergruppe : Wenn ein Angehöriger sich das Leben nimmt

Wilfried Deuermeier und Heidi Knoch-Santen wollen Angehörigen ihre Schuldgefühle nehmen.
Wilfried Deuermeier und Heidi Knoch-Santen wollen Angehörigen ihre Schuldgefühle nehmen.

Der Ambulante Hospizdienst startet im September mit einem Angebot für Menschen, die den Suizid eines nahen Angehörigen verarbeiten müssen.

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17. Juni 2015, 07:30 Uhr

Neben der Sterbebegleitung, die eigentlich die Hauptaufgabe des Ambulanten Hospizdienstes des evangelischen Kirchenkreises ist, bietet dieser auch eine umfassende Begleitung für Trauernde an. Dazu gehören schon seit längerer Zeit das „Lichtblick-Café“ und ein Gesprächskreis für Jugendliche.

Ab September gibt es zudem eine Gruppe für Angehörige von Menschen, die sich das Leben genommen haben. Wie hoch die Zahl der Betroffenen ist, das wird öffentlich kaum wahrgenommen. Statistiken gehen von jährlich 10  000 Suiziden in Deutschland aus. Es habe beim Hospizdienst immer wieder Anfragen von Angehörigen nach einer speziellen Betreuung gegeben, sagt Trauerbegleiterin Heidi Knoch-Santen. Sie hat an einer Fortbildung zum Thema teilgenommen und ein entsprechendes Konzept entwickelt. Anders als bei den anderen Gruppen müssen sich die Teilnehmer der „Trauergruppe für Trauernde nach einem Suizid“ gezielt vorher bei ihr anmelden. „Das dient dem Schutz der Teilnehmer, wenn sie über ein Thema reden, das hierzulande immer noch ein Tabu ist“, sagt sie. Außerdem: „Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass Angehörige von Suizidanten Schuldgefühle entwickeln.“ Oft machten sie sich den Vorwurf, nicht aufmerksam genug gewesen zu sein und dadurch den Freitod erst zugelassen zu haben. „Aber selbst Psychologen wissen um die Schwierigkeit, einen bevorstehenden Suizid zu erkennen“, so Heidi Knoch-Santen.

Ob die neue Trauergruppe langfristig bestehen bleibt, ist noch offen. Das Geld für die Arbeit stammt aus Landesmitteln für soziale Projekte. Ute Hümmling, die Leiterin des Hospizdienstes, hofft, dass die Gruppe zumindest für drei Jahre gefördert wird und danach „von alleine läuft“. Ein Fünftel der Kosten werden jetzt schon von Spenden gedeckt. Wilfried Deuermeier unterstützt Knoch-Santen bei der schwierigen Aufgabe, Trauernden das Gefühl zu geben, dass sie mit ihren Nöten und ihrem Schicksal nicht alleine gelassen werden. Deuermeier ist einer von 60 Ehrenamtlern, die neben den drei hauptamtlichen Mitarbeitern eine wichtige Stütze im Team der Seelsorger sind.

Die Gruppen, die die beiden betreuen werden, sollen möglichst klein bleiben und aus höchstens acht Personen bestehen. Über die genaue Herangehensweise in der Arbeit mit den Betroffenen erzählt der Vorruheständler: „Es gibt ein Gerüst und Regeln, nach denen wir vorgehen.“ Er öffnet ein gelbes Faltblatt, das der Hospizdienst für diese Projekt erstellt hat: Darin enthalten ist eine Liste von Fragen, die sich an den Betroffenen selbst richten: Wie gehe ich mit meiner Trauer um? Welche Kraftquellen habe ich? Trotzdem müsse man gucken, wo jeder einzelne mit seiner Trauerbewältigung stehe. „Die Menschen wollen sich helfen lassen“, weiß Wilfried Deuermeier aus Erfahrung.

> Weitere Informationen beim Hospizdienst Schleswig unter Tel. 04621/9917-21 oder per E-Mail an hospizdienst,sl@kirche-slfl.de

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