Hollingstedt : Wenn die Ernte ins Wasser fällt

Dieses Maisfeld konnte Thomas Mauderer wegen des nassen Bodens nicht abernten.
Dieses Maisfeld konnte Thomas Mauderer wegen des nassen Bodens nicht abernten.

Überschwemmte Äcker und Wiesen: Landwirt Thomas Mauderer aus Hollingstedt bangt um seine Existenz.

shz.de von
28. Dezember 2017, 07:48 Uhr

Auf den ersten Blick ist es im Holmer Koog an diesem Tag richtig idyllisch. Eine Gruppe Schwäne dümpelt auf einer Überschwemmung, in der Ferne galoppiert eine Herde Rehe vorbei und in den Niederungen steht Wasser. Was für Spaziergänger ein schöner Anblick ist, führt bei Landwirt Thomas Mauderer zu tiefen Sorgenfalten. Inzwischen fürchtet der 45-jährige Hollingstedter sogar um seine Existenz.

Schuld sind der starke Niederschlag in diesem Jahr und das Wasser, das zurzeit hartnäckig auf seinen Feldern steht und alle Planungen zunichte macht. „Die Maisernte war in diesem Jahr so schwierig wie noch nie“, erzählt der Bauer in vierter Generation. Seit 1889 bewirtschaftet seine Familie den Hof im Hollingstedter Ortsteil Friedrichsfeld. Seine Vorfahren waren Kolonisten, die aus Baden-Württemberg in den Norden gekommen waren, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Sie haben viel Arbeit investiert, um das Land bewirtschaften zu können. Jetzt überlegt Thomas Mauderer, den Betrieb aufzugeben.

Denn nur mit Mühe und Not konnte diesmal der Mais geerntet werden. Der Einsatz dafür war hoch: „Die Kosten betrugen 600 Euro pro Hektar, normal sind 300 Euro“, erzählt Mauderer, während er mit seinem Pick-Up-Truck an den überfluteten Feldern vorbei zur Treene fährt. Das letzte Stück muss er zu Fuß zurücklegen. Die Gefahr, sich festzufahren, ist zu groß. Ähnlich ist es den Erntemaschinen ergangen. Sie versanken im Morast, drohten stecken zu bleiben. „Schließlich kamen Raupen zum Einsatz.“ Noch bis Mitte Dezember haben sie sich durch den Matsch gewühlt. Dann musste der Landwirt die restlichen Pflanzen aufgeben. „Fünf von 120 Hektar stehen jetzt noch. Der Aufwand würde sich nicht mehr lohnen. Das Wild freut sich“, meint er und zuckt mit den Schultern.

Doch nicht nur bei der Maisernte verzeichnet der Landwirt Ausfälle. Auch die Grünflächen sind überschwemmt. Eine normale Bewirtschaftung ist seinen Worten nach seit September nicht mehr möglich. „Wir mussten die Kühe zurück in den Stall bringen. Die können wir ja nicht im Matsch stehen lassen.“ Insgesamt verzeichnet er nach eigenen Angaben für das Jahr 2017 einen Verlust von 50 000 Euro. „Ich konnte mein Getreide nicht bestellen und musste Gras teuer zukaufen. Noch so ein Jahr – und ich halte nicht mehr durch. Dann ist die Landwirtschaft nicht mehr möglich“, sagt Mauderer, während er in seinen Gummistiefeln die letzten Meter zur Treene stapft.

Dort angekommen zeigt er die hohen Wasserstände des Flusses und der kleinen Bäche, die eigentlich die Felder entwässern sollen. „Bei diesem Wasserstand funktioniert das nicht“, erklärt Mauderer. Ein Teil des Problems ist seiner Meinung nach eine versandete Treene, die nicht mehr genug Wasser abtransportiert. „Alle zehn Jahre müsste die mal gereinigt werden, doch es passiert nichts“, sagt er und fordert die Politiker auf, zu helfen. „Wir brauchen Antworten, wie man mit solchen Situationen umgeht. Ich bin nicht der einzige Landwirt, der darunter leidet. Meinen Kollegen geht es genauso.“

Sven Wollesen, Geschäftsführer des Eider-Treene-Verbands in Pahlen, der für die Unterhaltung des Gewässers zuständig ist, weiß von der Not der Landwirte. „In diesem Jahr hat es herausragend viel Niederschlag gegeben. Das führt im ganzen Land zu Problemen“, erklärt er. Die Situation der Bauern in der Gegend um den Holmer Koog sei jedoch noch komplizierter. „Die Flächen dort liegen sehr tief. Sobald die Treene steigt, kommt es dort zu Überflutungen.“ Schuld daran sei ein Mechanismus, mit dem der Abfluss des Krügerwiesenbachs geregelt ist. „Die sogenannte Rückstauklappe schließt sich bei Hochwasser, und der Bach entwässert über die Flächen.“ Jahre, in denen das passiert ist, habe es schon immer gegeben. „Dann waren die Flächen schlecht zu bewirtschaften.“ Nur ein Schöpfwerk könnte an dieser Stelle Abhilfe schaffen, aber dieses sei sehr teuer. Dass eine versandete Treene für das Hochwasser verantwortlich ist, weist Sven Wollesen von sich. Der Fluss sei in einem guten Zustand.

Thomas Mauderer ist sich indes sicher, dass es in den nächsten Jahren immer wieder zu solchen Überschwemmungen kommen wird. „Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, und wir brauchen Antworten“, wiederholt er. In das kommende Jahr blickt er mit Bauchschmerzen. „Wir sind ja inzwischen viel Kummer gewohnt, aber ich weiß noch nicht, wie es im Frühjahr mit der Aussaat werden soll“, sagt er auf dem Rückweg zum Auto. Noch will er seinen Hof nicht aufgeben. „Meine jüngste Tochter will den Betrieb eigentlich einmal übernehmen.“ Sie wäre dann die fünfte Generation.

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