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Eine Schülerin erzählt : Wenn Depression das Leben bestimmt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Viele Leute wollen gar nicht wissen, wie es sich anfühlt, eine Depression zu haben“, sagt die 18-jährige Maria K. Das möchte sie ändern.

„Viele Leute wollen gar nicht wissen, wie es sich anfühlt, eine Depression zu haben. Sie haben kein Verständnis dafür.“ Die 18-jährige Maria K.* hat schon viele Erfahrungen damit, wie ihre Umwelt auf ihre Depression reagiert – häufig wird sie nicht als Krankheit verstanden, sondern als Schwäche belächelt. Die Schülerin aus Flensburg hatte ihre Mutter um Hilfe gebeten, als ihre Panikattacken zum Alltag wurden. Sie war damals 14 Jahre alt und dachte immer öfter an Selbstmord.

Sie sah alleine keine Möglichkeit mehr, der depressiven Abwärtsspirale zu entkommen. Die Probleme in der Schule nahmen zu, die Kontakte zu Freunden brachen ab.

Maria zog sich aus dem täglichen Leben zurück. Im Rückblick beschreibt sie diese Zeit so: „Ich hatte mich aufgegeben. Jeden Tag war es ein Kampf aufzustehen, um den normalen Alltag zu bewältigen. Es war mir alles egal.“

Ihre Mutter Sonja K.* nahm die Krankheit zunächst gar nicht wahr. „Für mich waren viele Verhaltensweise einfach nur pubertär – bis meine Tochter plötzlich über ihre Selbstmordgedanken sprach.“ Es wurden Fachleute zu Rate gezogen und die Diagnose stand bald fest: Maria leidet unter einer Depression. In der folgenden Zeit gab es offene Gespräche mit Lehrern über die Krankheit. Auch Gruppentherapien mit Gleichaltrigen zur Stärkung der Sozial- und Selbstkompetenz wurden organisiert. Ziel dabei war es immer, sich in der
Gemeinschaft besser zurechtfinden zu können. Die Gruppentherapien hätten ihr jedoch nicht ausreichend geholfen, ist die junge Frau überzeugt. Sie betrachtet die Sitzungen im Rückblick als Treffen von Kindern, die alle nicht wussten, wie sie mit ihren Schwierigkeiten umgehen sollen: „Ich war nicht mehr mit der Gesellschaft vertraut. Ich  wusste nicht, wie ich mit den Menschen in meiner Umgebung umgehen sollte. In der Schule blieben die Probleme und niemand wusste mit mir umzugehen. Ich war aber ein Kind. Woher sollte ich das auch wissen?“

Maria hat für sich herausgefunden, dass erst eine Verhaltenstherapie die richtige Hilfestellung bot. Noch immer gehe sie wöchentlich in eine Schleswiger Praxis für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie. Dort arbeitet sie mit ihrer Therapeutin Alltägliches auf und lernt Verhaltensregeln, um mit ihrer Depression umzugehen. Maria ist davon überzeugt, dass ihr Blickwinkel für vieles anders sein darf und dunkle Gedanken nicht mehr überwiegen müssen: „Meine Depression ist nur ein kleiner Teil von mir. Das habe ich so für mich entschieden.“

Marias Mutter würde sich freuen, wenn Lehrer an Schulen grundsätzlich sicherer mit dem Krankheitsbild umgehen könnten: „Obwohl die Depression feststand und auch die Angststörungen bei Maria diagnostiziert wurden, waren die Lehrer überfordert mit diesem Thema und belächelten das Ganze eher.“ Die Lehrer hätten den Panikattacken von Maria handlungsunfähig gegenüber gestanden, konnten ihr nicht helfen. Gerade in der Schule wäre Aufklärung wichtig, um Betroffenen Halt und Sicherheit zu geben – trotz Depression. Maria, die mittlerweile ihr Fachabitur nachholt, wünscht sich von ihrer Umwelt nur eins: „Ich möchte Verständnis für die Krankheit, kein Mitleid.“



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