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Schleswiger Nachrichten

15. Dezember 2017 | 04:11 Uhr

Schleswig : Wenn das Leid zu groß wird

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Schleswiger Ärzte und Seelsorger diskutieren bei einem Kolloquium am Sonnabend über das Thema Sterbehilfe.

von
erstellt am 22.Apr.2015 | 07:38 Uhr

Es geht um Sterbehilfe. Doch eine klare Botschaft zu dem Thema wird es am Ende der über fünf Stunden dauernden Aussprache nicht geben, sagen die Veranstalter. Nicht vom Bischof, nicht vom Psychiatrie-Chefarzt, nicht vom Palliativ-Mediziner und auch nicht vom Hospiz-Helfer. Dennoch wollen sie alle gemeinsam über das Thema reden und ihre teilweise unterschiedlichen Positionen dazu einbringen.

Zu diesem Medizinisch-Theologischen Kolloquium, das für interessierte Zuhörer offen ist, treffen sich am kommenden Sonnabend (ab 10 Uhr) zwölf Referenten im Kasino des Helios-Klinikums am Stadtfeld – darunter Bischof Gothart Magaard, Dr. Sebastian Rudolf, Ärztlicher Direktor und Chefarzt für Psychiatrie und Psychosomatische Medizin im Helios-Klinikum, die Bundestagsabgeordnete und Juristin Sabine Sütterlin-Waak sowie die Palliativmedizinerin Anne-Kathrin Leonhardt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem einem Gastredner aus Holland: Norbert Steinkamp von der Katholischen Universität Nimwegen wird aus niederländischer Perspektive über „Ethische Aspekte des assistierten Suizids“ sprechen.

Wenn Schwerkranke keine Kraft mehr finden zum Leben und sie – nachdem auch die Palliativmedizin keine Schmerzlinderung mehr für sie bereithalten kann – irgendwann zu dem Entschluss gelangen, ihr Leben beenden zu wollen – wie verhält sich dann ein Theologe, der predigt: „Du sollst nicht töten“? Und wie ein Arzt, der den Eid abgelegt hat, Leben zu retten?

„Man darf nicht verschweigen, dass es Grenzen gibt auch bei der Palliativmedizin, die darauf ausgerichtet ist, Schmerzen zu lindern bei fortschreitenden unheilbaren Erkrankungen“, erklärt Chefarzt Sebastian Rudolf. Obwohl die Hospizbewegung und der medizinische Fortschritt die Situation von Schwerkranken oftmals erträglich machen könnten, gebe es dennoch Betroffene, deren Lebenskraft nicht ausreiche, diese schwere Bürde zu tragen. Andererseits sollen auf dem Kolloquium auch die Aspekte des würdevollen Umgangs mit dem Sterben, etwa im Hospizdienst, deutlich gemacht werden. Als Psychiater bezieht Sebastian Rudolf jedoch ausdrücklich auch schwere psychische Erkrankungen mit ein: „So groß die Fortschritte bei der Behandlung von seelischen Leiden sind und vielen Betroffenen ermöglichen, ein gutes Leben führen zu können, so gibt es dennoch Fälle, bei denen das nicht gelingt.“ Neben schwerem körperlichem Leid gebe es gleichfalls auch schweres seelisches Leid.

Sterbehilfe aus ethischer, medizinischer, religiöser und politischer Sicht – das Kolloquium soll dazu dienen, einen umfassenden und tiefen Zugang zu dem Thema zu finden, hoffen die Veranstalter. Es ist das 32. Kolloquium, bei dem Ärzte und Seelsorger in einen Dialog treten.

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