Schleswig : Weltumsegler Wilfried Erdmann stellt sein neues Buch vor

Astrid und Wilfried Erdmann auf der „Kathena Nui“.
Astrid und Wilfried Erdmann auf der „Kathena Nui“.

„Warum wir immer weitersegeln“: Von Glücksgefühlen und Altersbeschwerden an Bord.

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17. September 2019, 11:08 Uhr

Goltoft | „Die Sonne brennt auf meinem Gesicht. Ich schmecke die salzige Gischt und höre das Rauschen der Bugwelle. Ich bin begeistert und recke die Fäuste in die Luft. Während das aufspritzende Wasser der Ostsee leicht auf mich herabregnet, packt mich die pure Freude und lässt mich aufjauchzen. In diesem Moment weiß ich: Das war auf keinen Fall der letzte Segeltörn. Auf dieses Glücksgefühl kann und will ich nicht verzichten. “

Deutschlands bekanntester Segler Wilfried Erdmann zieht ein positives Fazit des dreimonatigen Segeltörns, der ihn und seine Frau Astrid im Sommer 2018 durch die Ostsee bis zur kleinen schwedischen Insel Fårö im Norden Gotlands führte. Den folgenden Winter hat Erdmann genutzt, um zu schreiben. Das Buch mit dem Titel „Warum wir immer weitersegeln“ stellt er am Freitag ab 17 Uhr in der Schleswiger Buchhandlung Schröder vor. Der Weltumsegler wird Passagen aus seinem Buch lesen, signieren und erzählen.

Wilfried Erdmann sorgte mit seiner ersten Einhand-Weltumseglung vor mehr als 50 Jahren für eine Sensation, seine Bücher über Extremfahrten rund um die Welt in 271 Tagen durch die Südpolarmeere und das Cap der guten Hoffnung und Cap Hoorn (1984/85) sowie gegen den Wind um die Welt (2000/01) wurden Bestseller. „Dreimal verrückt“ nannte seine Frau die letzte große Tour, die Erdmann im Alter von 60 Jahren anging.

Wilfried Erdmann hat Unglaubliches vollbracht und es genossen. Aber inzwischen ist er 79 Jahre alt und nicht mehr verrückt. Auch davon handelt sein aktuelles Buch. Es geht um die Schönheiten Schwedens, den Alltag an Bord, 52 Mal Porridge zum Frühstück, einsame Buchten, erfreuliche Begegnungen, aber auch um Unstimmigkeiten zwischen den Eheleuten und Beschwerden, die das Alter mit sich bringt. In bemerkenswerter Offenheit schreibt Wilfried Erdmann über Rückenschmerzen und schlechte Laune: „Während der aktuellen Reise mit der ,Kathena Nui’ musste ich mich erstmals der Erkenntnis stellen, wer ich geworden bin: ein alter Mann, der sich zeitweise überfordert. Ich kann mich schlecht von der ehemals jugendlichen Einstellung verabschieden. Der wenig souveräne Umgang mit der Situation auf See vor einigen Tagen machte mir klar, dass wir die Fahrt eigentlich abbrechen und auf der schnellsten Route zurückfahren sollten.“ Aber Wilfried und Astrid Erdmann haben sich durchgekämpft.

Spektakulär ist dieses Buch im Gegensatz zu vielen seiner vorgegangenen nicht, das weiß auch Wilfried Erdmann: „Der einzige Aspekt, der garantiert Leser fesseln würde, wäre ein Unglück. Aber das hat nicht stattgefunden. Wir sind auf keinen Schärenfelsen gebrummt, haben keinen Sturm abgewettert, keinen Container gerammt. Sind nicht von Piraten überfallen, von Affen gebissen oder auf ein Riff aufgelaufen. Das hatten wir schon früher.“

Fesseln kann dieses Buch dennoch: „Der Text beinhaltet unsere Gedanken über das Leben an Bord, unser Tun an und unter Deck und den Umgang mit einem Schiff auf der Ostsee“, schreibt Erdmann. Und allein das ist vor dem einzigartigen seglerischen Hintergrund von Wilfried Erdmann spannend genug.

In diesem Jahr gab es keine größere Fahrt – an der „Kathena Nui“ gab es einiges zu tun. Schluss allerdings soll noch lange nicht sein. „Der nächste Sommer kommt garantiert“, schreibt Erdmann, „und dann wird es wieder heißen: Komm, lass uns segeln. Wir werden auslaufen – und dafür dankbar sein.“

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