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Handewitt : Wellness für Wiederkäuer durch vollautomatische Fußbadanlage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Klauenpfleger entwickelt eine vollautomatische Fußbadanlage. Das nötige Geld kommt von einem „Crowd-Finanzierer“.

Handewitt/Haurup | Hubert Dahmen hat eine Passion für Kühe. Mit seiner Firma „Kuhperfect“ entwickelte der ausgebildete Klauenpfleger eine vollautomatische Fußbadanlage für Kühe. Weil die Bank ihm für seine Erfindung keinen Kredit geben wollte, suchte der Fachagrarwirt private Investoren über den Online-Kreditmarkt „Kapilendo“. Das Berliner Start-up hat seit seiner Gründung rund sieben Millionen Euro an Krediten vermittelt und damit 30 Projekte finanziert.

„Wir sind auf Klauenpflege von Milchkühen spezialisiert“, erklärt Hubert Dahmen das Tagesgeschäft seines vor acht Jahren gegründeten Betriebes. Seine 16 Mitarbeiter betreuen 250 Landwirte in der Region, in deren Ställen zwischen 15 und 900 Kühe stehen. Pro Betrieb kümmert sich mindestens einmal im Jahr ein „Kuhperfect-Team“, ausgerüstet mit Gattern und Klauenpflegeständen, um die notwendige Anwendung. Aufgabe der Klauenpfleger ist es, die natürliche Klauenform zu erhalten oder wieder herzustellen; treffen sie dabei auf lahme Tiere, helfen sie diesen schnell und fachgerecht. „Uns allen liegt das Wohl der Tiere am Herzen, dafür strengen meine Männer sich richtig an“, lobt der Chef seine Mitarbeiter.

Zwischen gesunder Klaue und Fütterung besteht ein direkter Zusammenhang, weiß der Experte. Deshalb erfasst, speichert und analysiert das „Kuhperfect“-Team alle Daten und Befunde elektronisch. So haben Landwirte einen aktuellen Überblick über den Gesundheitszustand ihrer Herde und können jederzeit die erforderliche Pflege nachweisen. Bei der täglichen Arbeit zeige sich, dass regelmäßig durchgeführte Fußbäder die Klauengesundheit stärken. So entstand Dahmens Idee eines aus einzelnen Betonteilen zusammengesetzten, vollautomatischen Fußbades.

Anders als bei herkömmlichen Anlagen erfolgt der Austausch der Flüssigkeit automatisch. Der Landwirt dosiert das Klauenpflegemittel individuell per Knopfdruck, ohne mit den Mitteln in Berührung zu kommen. „Ein Aspekt, der inzwischen auch der Berufsgenossenschaft positiv aufgefallen ist“, freut sich der professionelle Klauenpfleger. Denn eine fehlerhafte Dosierung kann zu Verletzungen bei Menschen und Tieren führen.

Um seine Idee umzusetzen, benötigt der Unternehmer damals 75.000 Euro Fremdkapital. „Aufgrund der Milchpreiskrise wollte unsere Hausbank das Projekt nicht vorfinanzieren“, erinnert er sich. Eine Unternehmensberaterin empfahl ihm dann das Berliner Startup „Kapilendo“, einen „Crowd-Finanzierer“. Dahmen reichte seinen Businessplan ein – und erhielt eine Zusage.

Die Berliner drehten ein kurzes Video, in dem sie potenziellen Investoren Projekt und Firma vorstellten. Den Film veröffentlicht der Finanzdienstleister dann auf seiner Homepage, die wie ein Kreditmarkt funktioniert: „Kapilendo“ präsentiert zahlreichen Privatanlegern online die zur Finanzierung stehenden Projekte, inklusive der für mögliche Geldgeber relevanten Angaben wie Anlagebetrag, Zinssatz, Laufzeit und Rating. Anschließend rattert die Marketingmaschine. Über gesponserte Posts bei Facebook, Google & Co. sehen das Projekt viele mögliche Geldgeber und damit potentielle Kunden.

„Die 75.000 Euro kamen innerhalb von drei Tagen zusammen“, berichtet Dahmen stolz, wie schnell seine Idee auf einmal zur Realität werden konnte. Inzwischen steht seine erste Fußbadanlage bei einem Landwirt in Neukirchen. „Sie dient gleichzeitig als Ausstellungsfläche für interessierte Käufer“, sagt der Erfinder, der die Fußbadanlage inzwischen zum Patent angemeldet hat.
 

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