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Eggebek : Weißes Dorf für Flüchtlinge wächst

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die provisorische Erstaufnahmeeinrichtung soll am 19. Dezember fertig an das Land übergeben werden.

Willy Toft ist nicht zu beneiden. Nicht selten sitzt der Bürgermeister in seinem Büro im ersten Stock des Eggebeker Dienstleistungszentrum an seinem vollen Schreibtisch mit zwei Telefonen am Ohr. „Manche vergessen, dass außer der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auch der normale Betrieb in der Gemeinde weitergeht“, sagt er. Gleichwohl haben sich die Prioritäten für ihn verschoben. Er zeigt auf einen Lageplan vom Flüchtlingsgelände, der vor ihm liegt – und der sich von dem unterscheidet, der neben der Tür an der Wand hängt. Beleg dafür, das sich die Einrichtung am Ortsrand dynamisch entwickelt. So dynamisch, dass der zuletzt immer wieder verschobene Termin für die Übergabe jetzt eingehalten werden soll: Am 19. Dezember ist es nach Angaben des Innenministeriums so weit.

Vor vier Wochen sah das noch ganz anders aus: Raupen und Bagger gruben und planierten auf dem ehemaligen Tanklager-Areal, während der damalige Zeitplan vorsah, dass zwei Tage später mit dem Aufbau der Container begonnen werden sollte. Willy Toft und Amtsvorsteher Klaus-Dieter Rauhut winkten ab und behielten Recht. Doch seitdem gingen die Arbeiten zügig voran, obwohl längst nicht alles so glatt lief wie erhofft. So zeigte sich nach Angaben des Bürgermeisters beispielsweise, dass der eigentlich sandige Geestboden, wenn man ihn nur ausgiebig mit Muttererde verdichtet, ganz entgegen seiner eigentlichen Eigenschaft, Regen in größeren Mengen nicht mehr aufnehmen kann. Genau das geschah, als es gegen Ende November wie aus Kübeln goss. „Wir hatten 200 Millimeter Wasser auf dem Quadratmeter. Die waren nur noch am Pumpen“, so Toft.

Das Problem der Bodenverdichtung resultierte aus dem wochenlangen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes auf dem Gelände. Der Boden wurde bis zu einer Tiefen von mehr als einem Meter aufgerissen, durchsiebt, später durchmischt und dann ausgiebig verfestigt. Das Regenwasser versickert nicht mehr, folglich mussten Drainageleitungen nachgerüstet und Fundamente gelegt werden, damit die Flüchtlinge nicht in Wasser und Matsch stehen müssen und die Container nicht in den Boden einsinken.

Rund 500 Container werden letztlich auf dem Gelände aufgebaut sein, wenn das Land die Anlage in zehn Tagen übernehmen wird. Die Wohncontainer werden dann in kleinen Grüppchen gebündelt sein. Zudem wird es zahlreiche Sanitär- und Servicecontainer für Betreuung, Verpflegung, Polizei und Lagerverwaltung geben. Um das zu ermöglichen, arbeiten die Mitarbeiter der Firma Sani rund um die Uhr bis zur Erschöpfung.

Unterdessen hat der DRK-Kreisverband seine Mannschaft mit 25 hauptamtlichen Mitarbeitern zusammen, die die Flüchtlingen 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche betreuen wird. Dennoch sind noch zahlreiche Stellenangebote auf der Homepage hinterlegt. Gesucht werden Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Verfahrens- u. Sozialberater, Erzieher und Hausbetreuer. Denn, so sagt Kreisgeschäftsführer Kai Schmidt: „Neben Eggebek kommt ja auch noch Idstedt.“ Dort hat der Kreis ehemalige Räume der Bundeswehr angemietet, um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen. Die Betreuung übernimmt ebenfalls das DRK.

Bürgermeister Willy Toft hofft, dass sich mit dem Einzug der ersten Flüchtlinge auch die Unsicherheit legt, die er in der 2300-Einwohner-Gemeinde deutlich spüre. „Die Menschen wissen zurzeit einfach noch nicht, woran sie sind.“ Diese Verunsicherung resultierte nicht zuletzt aus der überraschenden Ankündigung von Ende Oktober, dass nicht 500, sondern maximal 1000 Flüchtlinge nach Eggebek kommen sollen. Weil der Zustrom ins Land zuletzt allerdings leicht abgeebbt ist, hofft Toft darauf, dass die Erstaufnahmeeinrichtung ab Anfang Januar sukzessive zunächst nur mit bis zu 600 Hilfesuchenden belegt wird.

 

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erstellt am 08.Dez.2015 | 19:28 Uhr

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