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Kinderheim in Nübel : Weihnachten feiern ohne Familie

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Kinderheim Michaelshof leben zurzeit zwölf betreute Kinder und Jugendliche. Ein Großteil bleibt Heiligabend im Kinderheim und feiert zusammen mit der Familie von Jürgen Kopp-Stache.

Seit rund 35 Jahren führt Jürgen Kopp-Stache mit seiner Frau das Kinderheim Michaelshof in Nübel. Dass die Adventszeit und Weihnachten für viele der Jugendlichen nicht einfach ist, weiß er aus Erfahrung: „Es gibt Kinder, die mit dieser emotional aufgeladenen Zeit nicht umgehen können“, erklärt er. Daher werde zwar jeder in die Aktivitäten im Haus eingebunden, aber wem es zu viel wird, der kann sich zurückziehen.

Dieser nötige Freiraum sei für die zwölf Kinder und Jugendlichen, die zurzeit im Michaelshof leben, sehr wichtig. „Sie können aus den verschiedensten Gründen nicht bei ihrer Familie bleiben“, erklärt Kopp-Stache. Dazu gehörten häusliche Situationen, die nicht hinnehmbar seien, oder auch Eltern, die mit der Erziehung überfordert seien. In Nübel soll wieder Stabilität in ihr Leben kommen.

„Natürlich wird eine Rückführung in die Familien angestrebt, aber oft ändern sich die Situationen nicht, sodass die Kinder weiter bei uns bleiben.“ Ein durchschnittlicher Aufenthalt betrage um die vier Jahre. Für einige nur schwer zu verdauen. Darunter könne auch die Stimmung im Heim leiden – gerade bei so familiär besetzten Themen wie Weihnachten. „Manch einer hat die Einstellung, dass es hier gar nicht schön sein darf“, erklärt der promovierte Pädagoge.

Trotzdem wird das Weihnachtsfest gleich zweifach zelebriert. Einmal am 22. und einmal am 24. Dezember. „Dieses Jahr feiern meine Frau und ich schon unser 70. Weihnachtsfest im Michaelshof“, sagt Kopp-Stache und lacht. Am 22. Dezember wird das Fest groß mit den Angestellten und allen betreuten Kindern begangen. „Dann gibt es eine große weihnachtlich gedeckte Tafel, an der wir gemeinsam essen“, sagt der 64-Jährige. Schon früh morgens beginnen die Vorbereitungen – wer möchte, kann helfen. „Wir haben da ein paar, die ganz engagiert sind und es gar nicht abwarten können.“ Sie helfen beim Kochen und beim Dekorieren, wuseln durch die Räume. Auf den Tisch kommt ein Putenbraten. „Wir versuchen, das Ganze festlich zu gestalten. Es werden Reden geschwungen, und es gibt auch eine Bescherung.“ Einen Wunschzettel auszufüllen, gehört nämlich im Michaelshof dazu.

Trotz mancher schwelender Konflikte sei die Stimmung am Tisch dann doch positiv. „Die Jugendlichen können das meistens hintenanstellen.“ Auch Julklapp darf am 22. Dezember nicht fehlen. „So beschenken sie sich auch untereinander“, sagt Kopp-Stache. Bei guter Stimmung werde es später als gewöhnlich: „Wir sitzen schon so bis 22 oder 23 Uhr.“

Noch etwas festlicher geht es an Heiligabend in Nübel zu. „Dann feiern wir mit den Kindern, die hier bleiben, in unserer Privatwohnung“, erzählt Kopp-Stache. Dazu kommen dann noch die Kinder des Ehepaares, Freunde der Familie und ehemalige Heimkinder. „Das ist wie ein richtig großes Familienfest. Wir genießen die gemeinsame Zeit. Und natürlich gibt es auch eine Bescherung unterm Tannenbaum, ganz traditionell.“ Vor allem die jährliche Rückkehr jetzt erwachsener Kinder ist auch für Kopp-Stache ein emotionaler Moment. „Das zeigt mir immer wieder, dass wir hier etwas richtig machen“, findet er. Zudem freue er sich, von ehemaligen Schützlingen zu hören. „Für jetzige Bewohner ist es gut zu sehen, dass sie hier eine Chance bekommen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Man muss diese nur ergreifen“, ist sich der Pädagoge sicher.

An ein einschneidendes Erlebnis an Heiligabend kann er sich gut erinnern. „Ein Junge kam zu mir und sagte: Ich weiß erst jetzt, was mein Vater mir all die Jahre vorenthalten hat.“ Und so gehe es einigen Kindern. Ein Grund dafür, dass auch diesmal über die Feiertage ein Großteil in Nübel bleibt. „Es ist ihre Entscheidung. Wir wollen und können hier kein Familienersatz sein, aber trotzdem sind sie ein Teil der Gemeinschaft.“

Dass er Weihnachten nicht allein mit seiner Familie feiern kann, stört den Heimleiter gar nicht. „Hier ist so viel Leben in der Bude. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie so ein Heiligabend zu viert aussieht.“ Eine Sache hat er sich für die Zukunft dennoch vorgenommen: „Wenn ich einmal in Rente bin, könnte ich mir auch gut vorstellen, Weihnachten am Strand und ganz ohne Feier zu verbringen.

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erstellt am 24.Dez.2016 | 12:00 Uhr

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