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Mit Video : Wasserbombe im Schleswiger Stadthafen entschärft - völlig unbemerkt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Berufstaucher stößt zufällig auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Die geräuschlose Entsorgung übernimmt der Kampfmittelräumdienst.

von
erstellt am 20.Dez.2016 | 22:00 Uhr

Schleswig | Dass er bei der Arbeit immer mal wieder auf Weltkriegsmunition stößt, ist für Christian Hüttner „nichts Außergewöhnliches“. Von dem Zeug liege in der Ostsee ja nicht gerade wenig herum. Aber eine Wasserbombe ausgerechnet hier, am Ende der Schlei, mitten im Schleswiger Stadthafen? Da musste der Berufstaucher – der eigentlich auf der Suche nach einem Handy war – doch ein paar Mal mehr hinsehen, bis er selbst daran glauben konnte. Am Ende aber war er sich sicher, stieg schnell aus dem Wasser und griff zum Handy. „Ich habe natürlich sofort beim Kampfmittelräumdienst in Groß Nordsee angerufen, die haben sich dann um die Sache gekümmert.“

Das wiederum ging erstaunlich geräuschlos vonstatten. Und zwar so sehr, dass von der Geschichte wochenlang so gut wie niemand etwas hörte. Nicht einmal im Schleswiger Rathaus wusste man von dem Vorfall, der sich bereits am 16. November ereignet hatte, heißt es jetzt auf SN-Nachfrage. Carola Jeschke, Sprecherin des Landeskriminalamtes, dem der Kampfmittelräumdienst unterstellt ist, erklärt dazu: Nachdem klar gewesen sei, dass das Zündsystem der Bombe unterbrochen war, habe man sich entschieden, die Geschichte nicht an die große Glocke zu hängen, „um die Bevölkerung nicht unnötig zu beunruhigen“. Das sei in solchen Fällen üblich. „Die Bombe war ein totes Ding. Deswegen war dieser Einsatz absolute Routine und es bestand keinerlei Gefahr für die Bevölkerung“, sagt Jeschke.

Das bestätigt auch Bombenentschärfer Georg Ocklenburg, der selbst in Schleswig vor Ort war. Inzwischen sei die etwa 180 Kilogramm schwere deutsche Wasserbombe, die im Zweiten Weltkrieg zur Jagd von U-Booten bestimmt war, auseinandergebaut und verbrannt worden. Wie diese überhaupt in den Stadthafen gelangen konnte, darüber kann der Fachmann nur spekulieren: „Überall dort, wo die Marine in Kriegszeiten stationiert war, finden wir immer mal wieder solche Dinger.“ Er nimmt an, dass dieses Exemplar nach dem Krieg beim Umladen über Bord gegangen oder einfach sorglos verklappt worden sei. Bereits vor Jahren, als die Spundwand im Stadthafen erneuert wurde, habe man eine – ebenfalls nicht mehr scharfe – Wasserbombe gefunden. Dass dort nun noch weitere liegen könnte, glaubt er aber nicht. Zumindest habe man jetzt einen Bereich von 50 Metern rund um den neuen Fundort mit Tauchern abgesucht – ohne dass man auf eine weitere Bombe gestoßen sei.

Auch Christian Hüttner glaubt, dass es sich um einen Einzelfund handelt. Darüber allerdings staunt er noch immer. Denn er hatte ja ursprünglich etwas ganz anderes gesucht. Ein Bootseigner hatte den „Schleitaucher“, wie er sich und seine Firma nennt, damit beauftragt, ein Handy vom Grund des Stadthafens zu bergen. „Das war ihm ins Wasser gefallen und nun brauchte er es für die Versicherung als Beweis“, erzählt der 44-Jährige. In drei Meter Tiefe und fast direkt neben der Hafenmauer fand er es – und stieß daneben völlig unverhofft auf die Bombe. Und zwar trotz schlechter Sichtverhältnisse, die auch dafür verantwortlich waren, dass er erst gar nicht sicher war, was er da überhaupt vor seiner Nase hatte.

Nachdem endlich die letzten Zweifel verschwunden waren, tauchte er auf. „Dann habe ich meinem Auftraggeber erst einmal zugerufen, dass er sich keinen guten Liegeplatz für seine Yacht ausgesucht habe“, erzählt Hüttner, der sich schließlich seine Unterwasserkamera bringen ließ, um den Fund zu dokumentieren. Das Video ist hier zu sehen:

Fotos habe er allerdings „leider nicht“ gemacht, sagt Hüttner – obwohl der Bombenfund für ihn auch trotz 20-jähriger Berufserfahrung ein echtes Highlight war: „70 Jahre lang schlummert diese Bombe hier offen im flachen Wasser direkt unter den Schiffen und kein Taucher hat sie jemals zuvor wahrgenommen. Schon erstaunlich!“

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