Schleswig : Was passiert mit dem alten Krankenhaus?

Stationsflur  im alten Krankenhaus an der Moltkestraße.
Stationsflur im alten Krankenhaus an der Moltkestraße.

Die Gewoba zeigt Kaufinteresse beim Kreis als Eigentümer.

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23. Juli 2015, 13:06 Uhr

Es hat bald ausgedient: das alte Krankenhaus an der Lutherstraße. Voraussichtlich ab Mitte 2016 wird es komplett leer stehen. Seine „Bewohner“ – die Pflege- und Servicekräfte, Ärzte, Therapeuten, Verwaltungsleute und natürlich die Patienten – sind dann alle weg, umgezogen in die neue 400-Betten-Klinik an der St. Jürgener Straße. Was passiert dann mit dem alten MLK-Gebäude, das dem Kreis Schleswig-Flensburg gehört?

Das riesige Gebäude aus dem Baujahr 1962 gilt als veraltet, verwinkelt und verbaut. Und es hat eine weitere Besonderheit: Unter dem Krankenhaus befindet sich ein niemals fertig gestellter Luftschutzbunker, der noch zu Zeiten des Kalten Krieges im Ernstfall den Klinikbetrieb hätte aufnehmen sollen.

Doch trotz aller baulichen Unwägbarkeiten: Es gibt einen soliden und beständigen Kaufinteressenten ganz in der Nähe – die Gewoba Nord, die ihren Hauptgeschäftssitz nur gut hundert Meter weiter in der Moltkestraße hat. „Wir würden das Gebäude gern übernehmen“, erklärt Dietmar Jonscher vom Vorstand gegenüber den SN. Man wolle am Ball bleiben, um mit dem Kreis als Eigentümer eine Einigung über den Kauf zu erzielen“, bekräftigt er.

Sollte es zu einer Schlüsselübergabe zwischen Kreis und Gewoba kommen – was will die Wohnungsbaugenossenschaft mit dem leeren Krankenhaus-Gebäude anfangen: Abreißen? Etwas Neues an die Stelle setzen? Dazu Jonscher. „Nein, an Abreißen denken wir nicht. Wir würden den Umbau des alten Krankenhauses nicht scheuen. Es sei denn, dass spätere Gutachten starke Altlasten oder gar bakterielle Verseuchungen zu Tage brächten, dann müsste man natürlich neu nachdenken.“

Umbauen – in welche Richtung? „Noch sind unsere Überlegungen dazu nicht ausgereift, aber wir könnten uns in dem Gebäude so etwas wie Dienstleistungen im Gesundheitsbereich vorstellen“, meint Jonscher. Etwa für Menschen, die nach einem Klinik-Aufenthalt oder nach ihrer OP nach Hause entlassen werden, aber noch nicht fit genug sind, um auf sich allein gestellt zu sein. Auch Betreutes Wohnen käme für die Nutzung des Gebäudes in Betracht, betont er auf SN-Anfrage. Da der neue Klinikbetrieb in nur kurzer Entfernung liege, könne man sich Synergieeffekte im gesundheitlichen Bereich gut vorstellen, heißt es im Gewoba-Vorstand. Die Stadt Schleswig als Gesundheitsstandort erhielte auf diese Weise Auftrieb.

So sehr Patienten und Klinikpersonal auch über Unzulänglichkeiten im alten MLK-Gebäude geschimpft haben, etwa über den schlechten sanitären Zustand – Fakt ist: Die Lage des Gebäudes ist hervorragend. So verfügt das sechste Stockwerk über traumhafte Ausblicke nach allen Seiten, nicht nur zur Schlei hin. Die ganze Stadt liegt hier dem Betrachter von dort aus quasi zu Füßen.

Bürgermeister Arthur Christiansen würde es sehr begrüßen, wie er sagt, wenn die Gewoba ihre Vorstellungen im alten MLK-Gebäude umsetzen könnte. Jedoch gehört der Stadt das Krankenhausgebäude nicht, sondern ausschließlich dem Kreis. Zu dieser Regelung war es 1978 gekommen, nachdem der sogenannte Krankenhauszweckverband, in dem Kreis und Stadt gemeinsam Träger des Hauses waren, aufgelöst wurde. Danach war der Kreis alleiniger Träger des Krankenhauses, kaufte allerdings der Stadt nicht ihren Anteil ab. Man vereinbarte jedoch, das Vermögen je zur Hälfte aufzuteilen, falls der Kreis den Krankenhausbetrieb irgendwann aufgeben sollte. Bis heute ist der Kreis Eigentümer dieser Immobilie geblieben– auch, als Helios den Betrieb 2012 übernahm.

Im August letzten Jahres hat die Stadt zum MLK-Besitz einen sogenannten Vermögensausgleichvertrag mit dem Kreis geschlossen, in dem die Rechte und Verpflichtungen zur Immobilie festgelegt wurden. Danach bekäme die Stadt die Hälfte des Verkaufserlöses zugestanden. Wenn der Kreis also das Krankenhaus-Grundstück verkauft, muss er sich den Netto-Erlös mit der Stadt teilen.

Über die Sondierungsgespräche des Kreises mit Kaufinteressenten ist die Stadt bereits von Landrat Wolfgang Buschmann informiert worden, heißt es aus dem Rathaus.

Zur Frage jedoch, ob denn Aussicht auf eine Verkaufseinigung mit der Gewoba Nord bestehe, hält sich Landrat Wolfgang Buschmann bedeckt. „Sie werden verstehen, dass wir uns bei dem interessanten Immobilienobjekt noch alle Optionen offen halten“, erklärt der Landrat gegenüber den SN.

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