Struxdorf : Was ist schön? Streitgespräch im Jahr des europäischen Kulturerbes

Künstlerin Anka Landtau vor der Allee Gotischer Fenster in ihrer Ausstellung. Fotos: Schnoor
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Künstlerin Anka Landtau vor der Allee Gotischer Fenster in ihrer Ausstellung. Fotos: Schnoor

Im Jahr des Europäischen Kulturerbes lädt der Verein Weltkunst zur Ausstellungs-Eröffnung ein.

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29. August 2018, 17:22 Uhr

Nein, Hartmut Hein ist nicht einverstanden mit den Ausführungen seiner Künstler-Freundin. Um das Verhältnis zwischen Mann und Frau geht es Anka Landtau, um mittelalterliche Minne, um das „Wo kommen wir her – Wo gehen wir hin?“ und konkret um das umstrittene Gedicht „Avenidas“ des schweizer Autoren Eugen Gomringer.

Das besteht aus „Avenidas“, dem spanischen Wort für „Alleen“, ansonsten werden auf Spanisch „Bäume“, „Frauen“ und die Worte „Ein Bewunderer“ benannt. Sieben Jahre lang schmückte es eine Berliner Hochschulhaus-Fassade. Dann entschieden Anfang des Jahres Studentenvertretung und Hochschulleitung, es zu übermalen: „Sexistisch“ lautet der Vorwurf, den Eugen Gomringer, inzwischen 93-jährig, im Ansatz nicht versteht. Er freue sich einfach an der Schönheit, auch der Sprache, sagte er einmal über die umstrittenen Zeilen. Insbesondere seine spanische Muttersprache hat es dem Dichter angetan. Das „y“ zum Beispiel sei ja nicht nur von der Bedeutung her ein „und“, sondern rein optisch schon ein verbindendes Zeichen.

Viel Verbindendes hat das Gomringer-Gedicht bisher allerdings nicht hervorgebracht. Im Gegenteil: Die Schockwellen des Geschlechterstreits laufen bis hinein in die Werkstatt des Vereins Weltkunst Angeln im Struxdorfer Atelier von Anka Landtau. Längst haben sich die Worte von ihrem Autoren gelöst. „Als Betrachter belegen wir sie natürlich sofort mit einem Sinn“, sagt Anka Landtau. Was sie betrifft, so sieht sie einen Bezug zur mittelalterlichen Minne, zu Liebe, ehrendem Angedenken, Respekt, zu gesellschaftlicher Verpflichtung und sakraler Bedeutung. Und eben da ist Autor und Sprachlehrer Helmut Hein ganz anderer Auffassung. „Ich betrachte die Bedeutung der Worte realistisch im Hier und Heute“, sagt er. Und da gibt es die „Me-Too“-Debatte um sexuelle Ausbeutung genauso wie überbordenden Feminismus und Missbrauchsskandale. Angesichts des umstrittenen Gedichtes stelle sich die Frage: „Wie unschuldig sind Worte?“

In ihren Arbeiten hat sich Anka Landtau mit dieser Frage beschäftigt. Neben Gomrings „Avenida“ hat sie ein Gedicht seiner Tochter Nora „Schau wie schön meine Eierstöcke“ zur Basis der Schau gemacht.

Im Jahr des Europäischen Kulturerbes lädt der Verein Weltkunst nun zur Ausstellungs-Eröffnung und einer Gesprächsrunde unter dem Titel „Schau wie schön“ ein. Dabei werden neben Anka Landtau und Hartmut Hein, Literaturwissenschaftlerin Wienke Jacobi und Lehrerin Ruth Behnke miteinander und mit dem Publikum diskutieren. Eine Performance stimmt zuvor aufs Thema ein.



> Ausstellungseröffnung „Schau wie schön“, Sonntag, 12 Uhr, Bellig 4, Struxdorf

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