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Politiker schreibt Bühnenstück : Warum in Angeln die Welt nicht untergeht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Aktuelles Stück der Nordangler Speeldeel spielt in Schnarup-Thumby. Komödie stammt aus der Feder von Wolfgang Börnsen.

Ein raffgieriger Großbauer, dem die Dorfgemeinschaft egal ist – nein, dass Wolfgang Börnsen als langjähriger Bundestagsabgeordneter aus Angeln ein solches Attribut jemals mit Recht verpasst worden wäre, kann man nun wirklich nicht sagen. Börnsen war als Politiker und ist im politischen Ruhestand ein Verfechter des Ländlichen. Theater aber darf anders sein. Und so hat sich der volkstümliche Ex-Politiker die Rolle des Bösewichts in seinem eigenen Stück „Weltünnergang man nich mit uns“ selbst verpasst. Gespielt wurde die plattdeutsche Komödie von der Nordangler Speeldeel ausgerechnet dort, wo in Börnsens Stück die Welt unterzugehen droht: im Dörpskrog „Zur Kastanie“ in Schnarup-Thumby.

Vor dem Hintergrund der Katastrophe eines abstürzenden Raumschiffes haben darin Spökenkieker, religiöse Aktivisten, Chaoten und Egoisten ihren Auftritt im „fiktiven Ort Schnarup-Thumby“. Neben Börnsen spielt Adelheid van de Loo die ebenso gnadenlose Touristikchefin. Sie will das Ereignis nutzen mit Sprüchen wie: „Schnarup-Thumby – hier ist der Weltuntergang zuhause“. Dabei geizt das Stück nicht mit aktuellen Bezügen. So wird die Störung der Kommunikation auf die Sonnenfinsternis in der vergangenen Woche zurückgeführt. Und dass der planlose Bürgermeister Hans-Detlef Brix ein gebürtiger Grieche ist, ist mit Sicherheit kein Zufall. Kurz vor dem Finale wird „Wir sind Schnarup-Thumby“ eingeflochten – in Anlehnung an die Sympathiebekundungen für die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ nach einem Terroranschlag in Paris.

Auch technisch ist die Aufführung anspruchsvoll. So wird eine bewusst nichtssagende und floskelhafte Ansprache der Bundeskanzlerin mit Wackelmaske auf Videoleinwand eingespielt. Und die begleitenden Radiomeldungen kommen aus dem „Off“. Die ganze Geschichte wird durch Witze und flotte Sprüche aufgelockert. Aus dem Rahmen fällt dabei die Szene, in der die Försterin verteidigt wird, die laut einem Weihnachtsgedicht von Loriot ihren Mann erschossen hat, weil einfach kein Zusammenhang zur Mantelgeschichte zu finden ist.

Die Komödie findet schließlich ein typisches Angeliter Ende: Alle halten zusammen, packen an, und dabei kommen verborgene Talente zum Vorschein. Die Welt wird gerettet, weil in Angeln noch Platt gesprochen wird.

Das Publikum in Schnarup-Thumby war begeistert und klatschte die Schauspieler mehrmals auf die Bühne. Der Überschuss der Veranstaltung wird – wie bei der Nordangler Speeldeel üblich – einem sozialen Zweck gespendet und geht zu gleichen Teilen an den Kindergarten Struxdorf und die Seniorenarbeit in Schnarup-Thumby. 

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Weitere Aufführungen des „Weltünnergangs“ finden unter anderem am Freitag 27. und Sonnabend 28. März jeweils um 19 Uhr im Team-Baucenter Langballig statt.

 

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