Schleswig : Warum hier noch nicht gebaut wird

Wo jetzt Gras wächst, stand bis 2004 die Zuckerfabrik – nebenan der neue Stadtteil auf der Freiheit.
Wo jetzt Gras wächst, stand bis 2004 die Zuckerfabrik – nebenan der neue Stadtteil auf der Freiheit.

Nordzucker AG startet neue Versuche, ihr Areal an der Schlei zu vermarkten – in Richtung Gesundheits-Tourismus.

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26. Juli 2014, 10:59 Uhr

Schleswig | Da gibt es doch noch das andere Gelände an der Schlei. Ohne Altlasten, 40 Hektar groß, perfekte Lage, beste Voraussetzungen für Bauprojekte aller Art – wo aber dennoch nichts passiert. Und so stellt sich die Frage: Was soll eigentlich aus dem Nordzucker-Gelände werden?

Bereits vor zehn Jahren machte die Schleswiger Zuckerfabrik dicht. Und auch nachdem das Areal längst abgeräumt wurde, liegt alles brach. Bis heute. Offenbar sind Versuche der Nordzucker AG, auf diesem Schlei-Gelände etwas Neues aufzubauen, vom Rathaus stets abgeblockt worden. Das Anliegen des zweitgrößten Zuckerkonzerns in Europa war: Die Stadt möge einen Bebauungsplan für das Gelände aufstellen, damit touristische Projekte in Angriff genommen werden können. Dies aber setzte die Stadt nie um. Denn zuerst solle die Entwicklung im Stadtteil auf der Freiheit weitgehend abgeschlossen sein, hieß der Leitgedanke von Stadt und Politik. So blieb es dabei, dass das benachbarte Zuckerfabik-Gelände im Flächennutzungsplan der Stadt weiterhin nur als Industriefläche ausgewiesen ist.

Jetzt aber, da ein neuer Wind in Schleswigs Verwaltungszentrale weht, scheint Bewegung in die Sache gekommen zu sein. Jedenfalls gab es Gespräche hinter den Kulissen. Jörn Egert, Manager und Leiter der Immobilienabteilung bei der Nordzucker AG in Braunschweig, war auf Initiative der Zukunftswerkstatt hin nach Schleswig gereist, um sich mit Bürgermeister und Fraktionsvertretern zu beraten. „Es war ein konstruktives Gespräch“, sagte Egert auf SN-Nachfrage. Konstruktiv, weil man sich nach einer Zeit des Stillschweigens wieder über die Entwicklung des Zuckerfabrik-Areals ausgetauscht habe. „Wir hoffen nun, in ein bis eineinhalb Jahren ein schlüssiges Konzept vorstellen zu können“, meinte er. Dieses Konzept könne angesichts des neuen Klinikums in Schleswig „Ergänzungen zum Gesundheitstourismus“ enthalten. Konkrete Planungen gebe es allerdings noch nicht, schränkte Egert ein. Denn dafür müsste zunächst ein rechtskräftiger B-Plan von der Stadt auf den Weg gebracht werden.

Und aus dem Weg geräumt werden müsste ein Problem: nämlich die Lärmbelästigung durch die Bundeswehr-Schießanlage, die sich in der Nähe des Zuckerfabrik-Areals befindet und von Truppenteilen aus den Standorten Jagel, Kropp und Flensburg genutzt wird. Jörn Egert ist jedoch zuversichtlich, dass „Schleswig wohl eine Lösung finden würde, wenn erst Kaufinteressenten oder Investitionswillige ein Konzept für die Nutzung des Geländes präsentieren“.

Das Problem Schießanlage. „Ich habe bereits einen Vorstoß beim Bundesverteidigungsministerium unternommen“, erklärte auf SN-Nachfrage CDU-Fraktionschef Holger Ley. Allerdings habe das Ministerium den Wunsch der Schleswiger CDU abgelehnt, die Standortschießanlage zu verlegen – „und das, obwohl unsere Stadt immer noch unter dem Abzug der Soldaten wirtschaftlich zu leiden hat und deshalb eine touristische Weiterentwicklung auf dem Zuckerfabrik-Gelände befördert werden sollte“, bedauert Ley. Man werde daher die Lärmemissionen weiter verfolgen und gemeinsam mit den Zuständigen bei der Bundeswehr nach Auswegen suchen.

Von „positiven Gesprächen“, die er in diesen Tagen mit Zuckerkonzern-Manager Jörn Egert geführt habe, berichtet ebenfalls SPD-Fraktionsvorsitzender Stephan Dose. Wie Dose gegenüber den SN erklärte, betrachtet die Schleswiger SPD die Entwicklung des Zuckerfabrik-Geländes als sehr bedeutungsvoll. „Denn eine touristische Nutzung an dieser Stelle kann durchaus sinnvoll sein.“

Bürgermeister Arthur Christiansen bestätigte gestern gegenüber den SN, dass sich die Nordzucker AG verstärkt darum bemühen will, ihr Gelände zu vermarkten. „Und den Konzernvertretern habe ich dabei empfohlen, in Richtung Gesundheitstourismus zu gehen“, sagte er.

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