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Schleswiger Nachrichten

22. November 2017 | 06:34 Uhr

Boren : Warten auf die neue Brücke Lindaunis

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Es liegt immer noch keine Baugenehmigung vor. Die Bahn rechnet erst Ende 2018 mit Beginn der Arbeiten.

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 13:11 Uhr

Das Image der alten Klappbrücke bei Lindaunis hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Sie ist unbestritten immer noch eine wichtige regionale Verkehrsverbindung über die Schlei – doch inzwischen ist ihr Name zu einem Synonym für Pleiten, Pech und Pannen geworden.

Und das gilt inzwischen auch für den geplanten Neubau, der vor der Landtagswahl für reichlich Wahlkampfmunition sorgte. Inzwischen steht fest: Das Genehmigungsverfahren zieht sich hin. Bereits im vergangenen Jahr wurde erst im Juni, dann im dritten Quartal mit der Genehmigung gerechnet, jetzt ist von Ende 2017 die Rede. Die Folge: Nach aktuellem Planungsstand kann voraussichtlich erst im vierten Quartal 2018 mit den Bauarbeiten begonnen werden, wie Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis gestern mitteilte. Immerhin steht die Finanzierung durch das Land Schleswig-Holstein, das von den 46 Millionen Euro Gesamtkosten rund 30 Millionen übernimmt. „Das Geld steht bereit“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Johannes Callsen.

Ein Rückblick in das Redaktionsarchiv macht die Schwäche des fast 100 Jahre alten Bauwerks deutlich: Da bröckelt der Beton aus dem Kontergewicht auf die Straße, Verschlüsse brechen, Bolzen dehnen sich in der Sommerhitze aus, Fahrbahnplatten lösen sich – oder es gibt keine Erklärung für die Störungen. Die Folgen sind in jedem Fall ärgerlich. Entweder die Brücke lässt sich nicht öffnen – dann ist den Seglern auf der Schlei der Weg versperrt, oder Straße und Schienenstrang sind betroffen – dann fallen Züge aus, Autos, Radfahrer und Fußgänger müssen sich einen anderen Weg suchen. Und dann ist da noch die Statistik der Polizei: Seit Jahren ist die Brücke als Unfallschwerpunkt bekannt. Da Radfahrer und Bahn den selben Weg nutzen (natürlich nicht gleichzeitig) bleiben immer wieder Radfahrer in den Gleisen stecken und stürzen.

Die Brücke wurde 1924 errichtet und kann als Klappbrücke vom Schiffsverkehr durchfahren werden. Die eingleisige Eisenbahnstrecke von Kiel nach Flensburg kreuzt bei Lindaunis die Schlei. Die Strecke wird dort zusammen mit der Landesstraße 283 auf einer gemeinsamen Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Schlei geführt. Die aktuelle Situation: Schienen- und Straßenverkehr teilen sich – von Ampeln geregelt – die vorhandene Fahrbahn. Für Fußgänger und Radfahrer stehen schmale Notgehwege zur Verfügung. Fährt ein Zug über die Brücke, müssen Autos, Fußgänger und Radfahrer warten. Fahrzeuge können die Brücke zudem immer nur in eine Richtung passieren. Dadurch entstehen oft Wartezeiten.

Den ersten Antrag auf Genehmigung eines Neubaus stellte die Bahn AG Ende 2014. Nach den letzten Instandhaltungsarbeiten 2004 wurden zur weiteren langfristigen Nutzung verschiedene Varianten untersucht. Diese stellten die Instandsetzung der Klappbrücke einem Neubau gegenüber – mit dem Ergebnis, dass ein Neubau wirtschaftlicher wäre.

Der jetzt vorliegende Plan sieht einen Neubau östlich der bestehenden Brücke vor. Dieser kann wie bisher vom Eisenbahn- und Straßenverkehr sowie Fußgängern und Radfahrern gleichermaßen genutzt werden. Das neue Bauwerk wird etwa 126 Meter lang sein und wieder mit einem Klappmechanismus ausgestattet.

Für den Straßenverkehr gibt es nach dem Umbau je Fahrtrichtung einen eigenen Fahrstreifen, wodurch Wartezeiten an Ampeln teilweise entfallen. Für Fußgänger und Radfahrer ist einseitig ein separater, gemeinsamer Geh- und Radweg geplant. Bei einer Zugdurchfahrt werden künftig nur die Kfz-Fahrstreifen gesperrt. Fußgänger und Radfahrer können in sicherem Abstand neben dem Zugverkehr die Brücke passieren. Mit dem Neubau sind außerdem auch höhere Geschwindigkeiten möglich. Züge können dann mit 80 statt wie bisher mit 50 km/h passieren. Für den Straßenverkehr ist eine Geschwindigkeitserhöhung von derzeit 30 auf 50 km/h vorgesehen.

Die neue Klappbrücke wird zwischen Sonnenauf- und -untergang einmal in der Stunde für den Schiffsverkehr geöffnet. Zu diesen Zeiten ist sie für Fußgänger, Radfahrer sowie für den Eisenbahn- und Straßenverkehr gesperrt. Damit ist auch weiterhin ein durchgängiger Schiffsverkehr möglich.

Bisher wird die Brücke vom Fahrdienstleiter bzw. Brückenwärter aus dem Betriebsgebäude bedient. Die neue Überführung kann fernbedient werden. Sie wird an ein neues elektronisches Stellwerk angeschlossen.

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