Warten auf die Nachzügler

Die Störche, die über Ägypten und die Türkei in ihre Brutgebiete fliegen, kehrten dieses Jahr später zurück als üblich.
Die Störche, die über Ägypten und die Türkei in ihre Brutgebiete fliegen, kehrten dieses Jahr später zurück als üblich.

Unwetter in Südosteuropa als Ursache für die späte Rückkehr vieler Störche vermutet / Im Kreis Schleswig-Flensburg brüten 43 Paare

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11. Mai 2015, 11:10 Uhr

Während die ersten Störche bereits im Februar in ihre Brutgebiete zurückkehrten, lassen die Nachzügler dieses Jahr auf sich warten – einige Nester sind immer noch leer. Zwar besteht die Chance, dass sie noch bis Mitte Mai neue Bewohner finden, jedoch brütet ein großer Teil der späten Rückkehrer dann nicht mehr.

Im Kreis Schleswig-Flensburg brüten derzeit 43 Paare (Vorjahr 46), darunter zwei Neuansiedlungen in Angeln sowie ein zweites Brutpaar in Börm, sechs Nester blieben jedoch leer. Im Kreis Nordfriesland sind wie im vorigen Jahr elf Nester belegt, hinzu kommen sieben belegte Nester auf Föhr und eine stattliche Anzahl von Brütern im Westküstenpark in St. Peter-Ording. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sieht die Statistik schlechter aus. „Bei uns sind nur 25 Nester belegt, im Vorjahr waren es 34. Wir rechnen nicht mehr mit weiterem Zuzug. In Loop bei Krogaspe gab es eine Neubelegung“, so Storchbetreuer Jürgen Lustig.

Was auffällt: Die Störche, die spät zurückkehren, sind sogenannte „Ostzieher“. Sie überwintern in der afrikanischen Sahelzone und kehren über Ägypten, Israel und die Türkei normalerweise ab Ende März in ihre europäischen Brutgebiete zurück. Da mit Sendern ausgestattete Störche längere Ruhepausen einlegten, teilt Lustig die Vermutung vieler Fachleute, dass Unwetter in der Türkei und Syrien für die Verspätungen ausschlaggebend sein könnten. Zudem weist er darauf hin, dass in Syrien und im Libanon aus purer Jagdlust massenweise Störche auf dem Durchzug abgeschossen werden.

Die weitere Annahme, dass in der Sahelzone schlechte Futterbedingungen herrschten und deshalb weniger Störche zurückflogen, konnte Storchenexperte Kai-Michael Thomsen vom Michael-Otto-Institut in Bergenhusen indes nicht bestätigen. Vielmehr „waren die klimatischen Voraussetzungen und die Ernteergebnisse in der Sahelzone für die Störche sehr gut und sie flogen rechtzeitig ab.“ Daher sei tatsächlich wohl eher das Wetter auf der Flugroute die Ursache für die späte Rückkehr.

Demgegenüber erreichen die „Westzieher“, die 60 Prozent der Störche ausmachen, immer früher ihre Brutgebiete. Während sie noch vor einigen Jahren über die Iberische Halbinsel in ihre afrikanischen Winterquartiere flogen, überwintern sie mittlerweile in Spanien, wo sich die Storchenpopulation im Winter binnen 30 Jahren verzehnfacht hat – auf 60  000 Vögel. Der Auslöser für diese Zunahme ist nicht bekannt, aber es wird vermutet, dass die Störche auf den spanischen Mülldeponien genug Nahrung finden.

Gefahr droht den Störchen unterdessen auch aus einer ganz anderen Richtung: So interessieren sich neuerdings Nilgänse für die Storchennester. Kommt es dann zum Kampf, ziehen die Störche oftmals den Kürzeren.

Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Storch ist Jörg Heyna, zu erreichen unter der Telefonnummer 0481/7890789. Weitere Informationen gibt es zudem im Internet unter www.stoercheimnorden.jimdo.com.


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