Bruterfolg : Wanderfalken-Nachwuchs auf dem Fernsehturm

Telekom-Mitarbeiter Olaf Fischer hat zusammen mit Aktiven der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken die Küken auf dem Fernsehturm- ein Männchen und ein Weibchen - beringt. Foto: privat
Telekom-Mitarbeiter Olaf Fischer hat zusammen mit Aktiven der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken die Küken auf dem Fernsehturm- ein Männchen und ein Weibchen - beringt. Foto: privat

Erster Brut-Erfolg in Schleswig, seit die Greifvögel in den 1960er Jahren im Norden ausgestorben waren

Avatar_shz von
05. Juli 2011, 07:57 Uhr

Schleswig | Für Vogelkundler im ganzen Norden ist dies ein spektakuläres Ereignis: Zum ersten Mal hat ein Wanderfalkenpaar in Schleswig erfolgreich Nachwuchs aufgezogen. Die Greifvögel, die sich normalerweise an Felsvorsprüngen oder Steilküsten ansiedeln, haben sich den Fernsehturm an der Flensburger Straße ausgesucht.

Einer, der die Brut von Anfang an beobachtet hat, ist der Hobby-Ornithologe Christoph Matthiesen. Von seinem Wohnzimmer an der Wildfährte aus hat er freien Blick auf den Fernsehturm. Seit im März vergangenen Jahres die "Arbeitsgemeinschaft Wanderfalken Schleswig-Holstein" einen Nistkasten an der Arbeitsplattform des Turmes in 80 Metern Höhe anbrachten, wartete Matthiesen darauf, dass sich etwas tat. Vereinzelt waren die seltenen Vögel schon seit einiger Zeit in und um Schleswig aufgetaucht. Am Kieler Fernsehturm brüteten schon 2007 die seit Jahrzehnten ersten Wanderfalken an Schleswig-Holsteins Ostküste. Holger Weidmann von der Falken-Arbeitsgemeinschaft war daher von Anfang an zuversichtlich, dass sich auch der Schleswiger Turm als Brutstätte eignen würde. Die Falken, die sich eigentlich an Felsen ansiedeln, haben schon seit vielen Jahren Funktürme und andere hohe Industrieanlagen für sich entdeckt.

Mehr als ein Jahr lang sah Christoph Matthiesen überhaupt nichts, wenn er nach oben zum Nistkasten schaute. Dann aber, kurz vor Ostern in diesem Jahr, tat sich etwas. Anfangs blieb der Vogelfreund aus der Wildfährte skeptisch, ob die Falken sich wohlfühlen würden in ihrem neuen Zuhause. Schließlich waren sie nicht wirklich ungestört, wenn Techniker der Telekom zu Reparaturarbeiten anrückten. Aber dann sah Matthiesen durch sein Beobachtungsfernrohr, das längst einen festen Platz am Wohnzimmerfenster bekommen hatte, dass die Falken mehrmals täglich mit Futter im Schnabel ihren Nistkasten anflogen. "Die Vögel ließen sich nicht einmal irritieren, als über Pfingsten Hubschrauber-Rundflüge vom Real-Parkplatz aus starteten", sagt Matthiesen. Als dann Mathias Haupt von der Wanderfalken-AG zusammen mit Telekom-Mitarbeiter Olaf Fischer auf den Turm kletterte, bestätigte sich der Verdacht: Zwei weiße Falkenküken - ein Junge und ein Mädchen - gediehen prächtig. Seit einigen Tagen verfolgt Matthiesen, wie die Kleinen ihre ersten Gehversuche auf der Turm-Plattform unternehmen. Flügge sind sie noch nicht.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen