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Wahldebatte: Erst das Theater machte die Politiker munter

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Bürgerverein lud alle Parteien und Wählergemeinschaften zu einer Podiumsdiskussion ein

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Ein "rhetorischer Kavalierstart" war der Podiumsdiskussion am Mittwochabend im "Hohenzollern" nicht vergönnt. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis sich alle acht Politiker auf der Bühne warmgeredet hatten und es ansatzweise - wie der Titel der Veranstaltung es versprach - zu einer Diskussion kam. Den Anlass dafür, in der Endphase des Kommunalwahlkampfes gegensätzliche Positionen zu beziehen und sich damit voneinander abzugrenzen, lieferte erst die ungewisse Zukunft des Theaters.

"Wer gestaltet Schleswigs Zukunft?" - unter diesem Motto hatte der Bürgerverein zu dem Abend eingeladen. Vorsitzender Wolfram Weiss begrüßte 100 Bürger, darunter viele Vertreter der Parteien. Zum Auftakt ging es um generelle politische Leitideen und die städtischen Finanzen. Der meistgeäußerte Satz des Abends war wenig überraschend: "Die Stadt hat kein Geld." Erst das Publikum regte durch seine Fragen dazu an, politische Allgemeinplätze durch konkrete Aussagen zu ersetzen. Beispiel Theater: Für Holger Ley (CDU) kam eine Sanierung des Stadttheaters im Lollfuß nicht in Frage, sehr wohl aber ein Neubau an dieser Stelle. Birte Pauls (SPD) und Rainer Wittek (SSW) hielten an dem Theater-Dorf auf dem Hesterberg fest, Dr. Jürgen Wenzel (FDP) bezeichnete Letzteres als nicht finanzierbar und stellt einen Theater-Neubau generell in Frage. Alfred Ebeling (Linke) wollte, dass ein etwaiges neues Gebäude multifunktional konzipiert wird, und Ingo Harder (Bündnis für Bürger) schien sich alle Optionen offen halten zu wollen.

So weit, so gut. Eine neue Sichtweise präsentierten erst Dorothee Tams (Grüne) und Arne-Olaf Jöhnk (Freie Wähler). Offenbar im Hinblick auf die Sondersitzung der Ratsversammlung in der kommenden Woche stellte Tams das Entscheidungsprozedere in Sachen Theater in Frage. Sie verwahrte sich gegen jeglichen Zeitdruck, der von der Stadt, dem Land oder dem Theater selbst aufgebaut wird. "Wir lassen uns nicht erpressen." Die Grünen bräuchten noch Zeit, um über das Projekt nachzudenken.

Das sah Jöhnk ähnlich, der durch seine engagiert vorgetragenen Beiträge wiederholt Farbe in die Diskussion brachte, dabei viel Applaus erhielt und auch nicht davor zurückschreckte, die politischen Mitbewerber aus der Reserve zu locken. Er tendierte zwar zu einem Theater am Lollfuß, warnte aber vor übereilten Entscheidungen. Die dänische Minderheit, so Jöhnk, sei überhaupt nicht daran interessiert, dass das Landestheater die Ersatzspielstätte "Slesvighus" im Jahr 2016 räume: "Das Slesvighus wird doch durch das Theater mitfinanziert." Jetzt kam im "Hohenzollern" etwas mehr Stimmung auf. Rainer Wittek warf Jöhnk vor, seine Äußerungen würden an der Realität vorbeigehen. Der Südschleswigsche Verein als Eigentümer des "Slesvighus" benötige das Gebäude nach 2016 für sich selbst.

Auch die erst im September stattfindende Bürgermeisterwahl spielte wiederholt eine Rolle. Ein Zuschauer hielt den großen Parteien vor, erneut keinen gemeinsamen Kandidaten gegen Bürgermeister Thorsten Dahl ins Rennen zu schicken. Dies nahm Birte Pauls auf ihre Kappe, die sich für ihre Partei dafür entschuldigte: "Kommunikationsschwierigkeiten" seien der Grund gewesen. Konsens war auf dem Podium, dass Dahl abgelöst werden müsse.

Zwei Stunden dauerte die Debatte, die von Wolfgang Harm, Vorsitzender des Gewerbevereins St. Jürgen, moderiert wurde. Allen Politikern stand zur Beantwortung der Publikumsfragen das gleiche Zeitkontingent zur Verfügung, stets nahmen sie das Mikrophon in der gleichen Reihenfolge in die Hand. Dieses Konzept ließ für direkte Antworten auf kritikfähige Bemerkungen keinen Spielraum. Und es führte dazu, dass sich jeder Politiker dazu gezwungen sah, jede Frage beantworten zu müssen - auch wenn sich seine Stellungnahme nur marginal von der des Vorredners unterschied.

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