Streitfrage in Schleswig : Wachhaus der Kaserne abreißen oder erhalten?

"Den Abrissunternehmer abbestellen", sagt Frauke Bühmann aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten. "Abreißen statt Aktionismus!", fordert Redaktionsleiter Michael Radtke.

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18. Juli 2013, 10:49 Uhr

Schleswig | Pro Auch wenn es beschlossene Sache zwischen Kaserneneigentümer und Stadt Schleswig ist: Der Abriss des Wachhauses am Sonnabend wäre die schlechteste Lösung. Und die fantasieloseste. Natürlich ist es der praktischere Weg, ein ausgedientes Gebäude einfach von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Doch die andere Seite, die emotionale, gehört mit in die Betrachtung hinein. Gerade in diesem Fall, bei dem es um ein Haus mit Geschichte geht. Das Bild von den Wachsoldaten, die die Papiere der Besucher überprüften, bevor das abgeschottete und daher geheimnisvoll anmutende Kasernengelände betreten werden durfte, hat man vor Augen. So ist das Wachhaus das Symbol für die Garnisonsstadt - und bis heute für den Stadtteil auf der Freiheit. Für die Zukunft könnte man es als Informations-Center für die Freiheit, für das Kloster und für das Holmer Noor nutzen. Deshalb sollte der Abrissunternehmer vorerst abbestellt werden - nicht nur, weil es sympathisch wäre, sondern weil dann in Ruhe alternative Ideen entwickelt werden könnten. Das Interesse daran ist erwacht.
Contra Die "Freiheit" ist für Schleswig ein bedeutsames Gelände. Aktuell ist sie (neben dem Berender Redder) der einzige Stadtteil, in dem sich Schleswig nach vorne entwickelt. Und historisch gesehen war die "Freiheit", daher ihr Name, der Platz außerhalb der Stadt, auf dem es die Schleswiger lockerer angehen ließen: Schützenfeste, Badevergnügen und so weiter. Bis 1935 das Militär kam. An die Geschichte des Geländes wird dort auf vielen Schautafeln erinnert. Auch kann man sich durchaus ein "Denkmal" am Regattaplatz oder eine Ausstellung zum Beispiel in den verwaisten Galerie-Räumen der "Heimat" vorstellen. Aber das verwahrloste Wachhäuschen als städtebaulich bedeutsam einzuschätzen - das ist eine Idee aus der Geisterstunde. Da gibt es andere Flecken in unserer Stadt, um die man sich kümmern müsste. Auf der "Freiheit" wird moderne Architektur gebaut. Die Visitenkarte dieses Stadtteils sollte nicht restaurierten Militärmuff vorzeigen, sondern eine freundliche Einladung zur Zukunft Schleswigs sein. Also: Abreißen - und kein Aktionismus.

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