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Schleswig-flensburg : Vorbereitungen auf die Katastrophe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ehrenamtliche Fachleute aus dem Kreis üben regelmäßig und akribisch, um die Bevölkerung in Notfall schützen zu können.

Es ist Sonnabend, 8.30 Uhr. Aufgrund eines lang anhaltenden Sturms steigen die Pegelstände der Ostsee kontinuierlich. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes warnt davor, dass der Wasserstand am Pegel Schleswig in den Abendstunden 6,80 Meter erreichen könnte. Einige Landstraßen sind bereits überflutet. Arnis ist abgeschnitten. Einsatzkräfte der Feuerwehren sind seit Stunden pausenlos im Einsatz, um Sturm- und Hochwasserschäden zu beseitigen – und das ist nur der Anfang. So oder ähnlich könnte sie aussehen, die Katastrophe, auf die sich der Krisenstab des Katastrophenschutzes für den Kreis Schleswig-Flensburg vorbereitet und wofür er immer wieder trainiert.

Während die meisten Menschen eine ganz genaue Vorstellungen von einer Katastrophe haben, sieht es bei dem Wissen um die Personen, die uns davor schützen sollen, recht mau aus: „Jeder weiß, was das Sozialamt ist oder die Zulassungsstelle, aber dass es Leute gibt, die sich fachlich mit Brand- und Katastrophenschutz auseinandersetzen, ist vielen nicht bekannt“, weiß Sachgebietsleiter Ralf Feddersen. „Das ist unser Los. Wir arbeiten an den Dingen, von denen wir alle hoffen, dass sie nicht passieren.“ Die Hauptaufgabe des Stabes besteht darin, sich sorgfältig und professionell darauf vorzubereiten.

Zur Vorbereitung gehören regelmäßige Übungen, die zum Beispiel in der Stabsstelle im Kreishaus stattfinden. Dort traf sich gerade die erste Schicht des taktisch-operativen Stabs, um gemeinsam an der oben beschriebene Lage die Abläufe zu proben. Der Katastrophenabwehrstab setzt sich aus drei Bereichen zusammen. Da ist zum einen der taktisch-operative Stab, dessen Aufgabe darin besteht, die Schadenslagen abzuarbeiten. Alle Informationen werden gefiltert, um ein absolut störungsfreies und konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Meldungen zur Lage werden an den Fachmann für das Sachgebiet Lage weitergegeben: „Ich leite die Informationen an die richtigen Ansprechpartner im Stab weiter und fungiere sozusagen als Schnittstelle“, beschreibt Felix Kühn. Um das leisten zu können, muss er die Informationen auswerten und richtig deuten. Ihm gegenüber sitzt Achim Friedrichs, der als Lagekartenführer alle wichtigen Informationen in einer großen Landkarte bündelt: „Hier wird eingetragen, welche Wehr sich gerade an welchem Standort befindet. Auch die Wetterdaten und Wasserstände trage ich dort ein – eben alles, was für uns von Bedeutung ist.“

Achim Friedrichs hat auch die Einsatzzeiten der Kameraden vor Ort im Blick und sorgt rechtzeitig für Ablösung. An einem anderen Platz sitzt Axel Kühn. Er beobachtet die steigenden Pegelstände und weiß, was zu tun ist: „In dieser Situation wird in großen Mengen Material für die Deichverteidigung erforderlich sein“, beschreibt er, „ich organisiere jetzt schon Sandsäcke und einen Bereitstellungsraum“. Ob und wie viel Bedarf es schließlich gibt, erfährt er von den Kollegen vor Ort: „Meine Aufgabe ist es, immer sechs bis zwölf Stunden weiterzudenken und abzuschätzen, wie sich eine Lage entwickelt. Unser Ziel ist es, vor die Lage zu kommen.“

Die Übung läuft unter realen Bedingungen ab. Aktuelle Meldungen kommen herein und werden bearbeitet. Jeder sitzt vor seinem PC, hochkonzentriert, wie im Ernstfall. Neben dem technisch-operativen Stab, gibt es noch den administrativen Stab und das Bürgertelefon: „Die Kollegen dieser Bereiche rekrutieren sich zum überwiegenden Teil aus Mitarbeitern des Hauses“, erklärt Sachbearbeiter Jörg Kraft, „auch sie sind speziell geschult“. Insgesamt sind 60 Personen im Katastrophenabwehrstab tätig – ehrenamtlich.

Wann man von einer Katastrohe spricht, ist in einem Gesetz festgelegt. Eingetreten ist ein solcher Fall zuletzt im Schneewinter 1978. Kein Grund sich in Sicherheit zu wiegen, sagen die Fachleute, Prognosen sagen einen großen Black-Out voraus, einen länger anhaltenden, flächendeckenden Stromausfall. In so einem Fall würde der Stab im Kreishaus zusammengerufen, dort gibt es eine unabhängige Notstromversorgung. „Die erste große Herausforderung bei einem Stromausfall sind immer die Menschen, die zu Hause beatmet werden müssen“, erklärt Jörg Kraft. Sie müssen zuerst versorgt werden. Dann setzen Handy und Telefonnetz aus, Kühlungen, Kassen und elektrische Türen versagen, Tanksäulen funktionieren nicht mehr, es gibt kein Frischwasser mehr. Jörg Kraft rät ganz deutlich: „Für alle Fälle sollte man Kerzen, Vorräte, Wasser, Gaskocher und ein Radio mit Batterien im Haus haben. Das hilft schon weiter.“

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