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Gedenken in Süderbrarup : Vor 40 Jahren stürzte die Transall ab

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Es geschah am 9. Februar 1975: Bei einem Flugzeugabsturz auf Kreta kamen 35 Soldaten aus Süderbrarup ums Leben.

„Durch eine Tragödie starben 35 Kameraden, verloren 25 Ehefrauen ihren Ehemann und sahen 33 Kinder ihren Vater nicht wieder!“ Mit diesen Worten umriss Oberleutnant Andreas Noeske die Tragödie eines Flugzeugunfalls, der gestern vor genau 40 Jahren am 9. Februar 1975 passiert war. Damals machte sich die in Süderbrarup stationierte Schießcrew der ersten Batterie des Flugabwehrraketenbataillons 39 auf den Weg zum Jahresschießen nach Kreta – ein Vorhaben, das bis heute zur Ausbildungsroutine gehört. 35 Soldaten flogen mit einer Transall und ihrer siebenköpfigen Besatzung Richtung Mittelmeer. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände verunglückte das Flugzeug beim Landeanflug in einer Gebirgskette. Alle 42 Insassen kamen ums Leben.

Ihrer wird jährlich gedacht. Solange es eine Kaserne in Süderbrarup gab, stellte diese eine ganztägige Ehrenwache. Danach führte eine Abordnung der Bundeswehr am Jahrestag einen Gedenkappell durch und legte einen Kranz nieder. Anlässlich der runden Jahreszahl waren 30 Soldaten als Ehrenwache angetreten. Während der Ehrenbezeugung des Oberleutnants blies ein Trompeter „Ich hatt‘ einen Kameraden“.

„Die Soldaten verloren ihr Leben mitten im Frieden, im Dienst für Deutschland, unverhofft und viel zu früh“, fuhr Noeske fort. Und 40 Jahre nach diesem Unfall habe man sich an dieser Gedenkstätte versammelt, um zu zeigen, dass Menschen, die ihr höchstes Gut im Dienst für Deutschland verloren hätten, nicht vergessen seien, versicherte er den etwa 50 Zuhörern. Parallel zu dieser Veranstaltung finde auch auf Kreta ein Appell anlässlich dieser Tragödie statt. Danach verlas Noeske die Namen und Dienstgrade aller Verunglückten. „Es ist für uns Soldaten eine Selbstverständlichkeit, ihnen ein ehrendes Andenken zu bewahren“, schloss der Kommandeur der Flak Raketengruppe 26.

Die Süderbraruperin Inge Weiß kann sich noch an Details des Unfalltages erinnern. Sie war damals 23 Jahre alt und ein halbes Jahr mit Oberleutnant Ekkehard Weiß verheiratet. „Bei der Abfahrt waren alle guter Stimmung und freuten sich auf die Zeit auf Kreta“, erinnert sie sich. Es sei kalt gewesen und die Männer hätten morgens um sechs Uhr erst das Eis von den Scheiben ihres Busses kratzen müssen, um losfahren zu können. Sie habe den ganzen Tag nichts von ihrem Mann gehört und erst am Abend durch die Fernsehnachrichten von dem Unfall erfahren. Diese mangelnde zeitige Aufklärung ist eine der wenigen Sachen, die sie den Verantwortlichen vorwirft.

Die ganze Nacht über hätten diese noch die Hoffnung gehabt, dass von den zwei Flugzeugen, die aus Hohn gestartet waren, das mit ihren Männern nicht betroffen gewesen sei. Diese Hoffnung wurde ihnen am nächsten Tag genommen.

Die Nachricht vom Tod ihres Mannes erhielt Inge Weiß etwa drei Tage nach dem Unfall. Sie bedauert den Soldaten, der es auf sich nahm, nach Kreta zu fliegen und seine Kameraden zu identifizieren. Das sei eine ungeheure Belastung gewesen. „Die öffentlichen Trauerfeiern sind eigentlich an mir vorbeigeglitten“, sagt die heute 63-Jährige. Nur die Beerdigung der sechs Süderbraruper Soldaten hat sie beeindruckt. „Es war sehr feierlich mit einer 24-stündigen Totenwache in der Kirche“, erinnert sie sich.

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