Von wegen Neubaugebiet ...

Die Mitarbeiter vor der Erschließung des Neubaugebiets beim Freilegen von archäologischen Befunden.
1 von 2
Die Mitarbeiter vor der Erschließung des Neubaugebiets beim Freilegen von archäologischen Befunden.

Archäologin entdeckt auf Fahrdorfer Ausgrabungsplänen Grundriss eines 2000 Jahre alten Hauses

shz.de von
14. März 2018, 18:03 Uhr

Die Ausgrabungen liegen schon einige Zeit zurück: 2015 unternahm das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein auf dem Baugelände „Langacker-Schleibogen“ am östlichen Ortsrand von Fahrdorf eine zweimonatige Ausgrabung. Mittlerweile ist nicht nur Gras über die Sache gewachen, es sind auch neue Häuser gebaut worden.

Dennoch konnten jetzt bei einer genauen Analyse der Aufzeichnungen neue Erkenntnisse gewonnen werden. Archäologin Doris Köther befasste sich abschließend mit der Auswertung der Grundrisse, die unter der Leitung des Archäologen Leif Schlisio 2015 erhoben wurden. Dabei gelang es Köther, einen bisher nicht erkannten Hausgrundriss zu rekonstruieren. „Ich war damals bei den Ausgrabungen nicht dabei, aber ich freue mich, dass ich diesen Fund beim Dokumentieren der Ausgrabungen noch machen konnte“, so die Archäologin.

Dabei handelt es sich um ein dreischiffiges Wohn- und Stallgebäude vom Typ Osterrönfeld. Häuser dieser Art sind in der Region für den Zeitraum von 100 vor Christus bis 100 nach Christus bekannt. Vom Fahrdorfer Haus wurde nur das Mittelschiff gefunden, das von zwei Reihen dachtragender Pfosten gebildet wurde. Dabei standen zwölf Pfosten in sechs Paaren mit ungefähr drei Meter Abstand gegenüber. Zwar fehlen einige Pfosten, das aber ist nach Einschätzung der Archäologin nicht weiter tragisch: „Da die nördliche Pfostenreihe komplett erhalten ist, kann die südliche problemlos rekonstruiert werden“, sagt Doris Köther. „Demnach hatte das Mittelschiff eine Länge von elf und eine Breite von drei Metern, was einen Innenraum von knapp 35 Quadratmetern ergibt.“

„Das eisenzeitliche Haus diente mehreren Zwecken, der Innenraum war in einen Wohnbereich, einen Stallbereich sowie Speicherplatz für Vorräte aufgeteilt“, sagt Köther weiter. Die inneren Trennwände seien in Fahrdorf jedoch nicht mehr vorhanden. Auch die Außenwände fehlen.

Das mit rund 2000 Jahren älteste Fahrdorfer Haus war Teil einer Siedlung, die sich auf dem Geländesporn südlich der Kreisstraße 36 erstreckt. Der eisenzeitliche Hausgrundriss lag verglichen mit dem heutigen Plan, im Bereich der Straße zwischen den Grundstücken Schleibogen 27 und 34. Die topografische Lage am „Schleibogen“ galt also schon einmal als attraktives Siedlungsgelände.

Aber warum wurde der Fund erst jetzt gemacht? Das habe ganz einfach zeitliche Gründe, erklärt Köther. Da die Archäologen nur begrenzt Zeit für ein Projekt zur Verfügung haben, sei der Hausgrundriss bei ersten Dokumentationen nicht ins Auge gefallen.

Köther, die sich im Februar diesen Jahres nochmal ausführlich mit den Dokumenten beschäftigte, stieß dann auf das älteste Haus Fahrdorfs, das inzwischen aber längst wieder unter der Erde verschwunden ist.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen