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Das älteste Gasthaus im Land : Von Krieg, Intrigen und auch Lügen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Historische Krug Oeversee weiß Geschichten zu erzählen, und die Chefin schreibt ein kritisches Buch.

Lenka Hansen-Mörck hat sich als erfolgreiche Unternehmerin in der Region einen Namen gemacht. Mit großem Elan führt die gebürtige Tschechin den geschichtsträchtigen Historischen Krug in Oeversee und das Hotel „Altes Gymnasium“ in Husum. Seit 200 Jahren ist der 1519 erstmals in Chroniken erwähnte Gasthof im Besitz der Familie Hansen-Mörck. Eine außergewöhnliche Tradition. Der Historische Krug ist das älteste Gasthaus in Schleswig-Holstein und gut genug für viele Geschichten über Ereignisse, die sich in diesem Haus abgespielt haben. Lenka Hansen-Mörck erzählt gern davon. So wie am Sonnabend vor Gästen, Freunden und Weggefährten, als die Inhaberin zu einer Jubiläumsfeier geladen hatte und gleichzeitig ihr Buch vorstellte. „Von Lazaretten, frischer Suppe und kaltem Hummer“. Geschichten aus fünf Jahrhunderten.

Ein etwas anderes Buch. Ein Buch mit Erzählungen aus der Geschichte des Kruges, aber auch angereichert mit deutlichen Worten. Mit einem kritischen Rückblick auf merkwürdige Geschehnisse hinter den Mauern. Sowohl in Oeversee als auch in Husum. So vergleicht die Autorin das Schleswig-Holstein Gourmet Festival mit einem Intrigantenstadel. Das Festival wurde am 4. November 1987 mit Sterneköchen im Historischen Krug aus der Taufe gehoben. Das war es dann aber auch. Mehrere Gastronomen verklagten den im Jahr 1994 verstorbenen Ehemann Hans Hansen-Mörck. Es kam zu Lügen und Intrigen. Lenka Hansen Mörck: „Durch das ihm zugefügte Unrecht erkrankte er an Leukämie und starb.“ Die Gastronomie sei ein Haifischbecken. Man schotte sich ab, klaue Ideen von Kollegen, streue Gerüchte über die Konkurrenz. „Nur die Starken, die Egomanen überleben.“

Überaus interessant und kurzweilig kommt die Episode über den Kauf des 5-Sterne-Hotels „Altes Gymnasium“ daher. „Aussprache an der Bar“, heißt das Kapitel. Der damalige Besitzer Johann Max Böttcher soll den Millionen-Deal auf listige Art und Weise eingefädelt haben. Böttchers Testament spielt auch eine Rolle. Es geht um Lügen und Verstöße gegen das Bankgeheimnis. „Ich konnte einfach nicht nein sagen und unterschrieb 2006 den Kaufvertrag.“ Erst bei einer späteren Einsicht in die Bücher habe sie kapiert, dass das Haus im Jahr damals 2,5 Millionen Euro Minus gemacht habe. „Die Stimmung war mies, es wurde gelogen, betrogen und gegen mich Stimmung gemacht.“ Lenka Hansen-Mörck hielt aber durch. Es wurden Millionen investiert, heute läuft das „Alte Gymnasium“ rund und schreibt schwarze Zahlen.

Die Autorin belässt es an dem Jubiläumsabend bei Auszügen aus einem Buch, das mehr erzählt, als es der Titel verspricht. Die Liste der prominenten Gäste, die im Historischen Krug zu Gast waren, ist lang. Von Siegfried Lenz, Helmut Schmidt, Freddy Quinn, Richard Nixon bis Felix Magath. Und viele mehr. Darauf ist Lenka Hansen-Mörck ungemein stolz.

Jürgen Muhl

 

„Von Lazaretten, frischer Suppe und kaltem Hummer“. 150 Seiten mit vielen Abbildungen.

16 Euro; ISBN 978-3-529.02878-6. Wachholtz Verlag.

 

 

 

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erstellt am 29.Sep.2015 | 07:11 Uhr

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