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„Lesen ist ein Gedicht” : Von Heinz Erhardt bis Schiller

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Büchernacht stand diesmal ganz im Zeichen der Lyrik.

Bis zum letzten Platz besetzt waren die Stuhlreihen in der Stadtbücherei, als Schauspieler Rene Rollin am Sonnabend auf Einladung des Bücherei-Fördervereins „Alibris“ mit einem Feuerwerk von Heinz-Erhardt-Gedichten die 6. Schleswiger Büchernacht eröffnete. Obwohl es in den humorvollen Versen mehrfach ums Sterben ging – sowohl von Menschen als auch von Kleinstlebewesen –, kamen die Zuhörer aus dem Lachen kaum heraus. Und das Thema Tod und Vergehen tauchte im Laufe der Lesungen unter dem Motto „Lesen ist ein Gedicht” noch mehrfach auf.

Auch bei der Lyrikerin Therese Chromik aus Husum, die im Zentrum des Abends nicht nur eigene Gedichte las, sondern auch erklärte, seit wann und warum zeitgenössische Lyrik sich nicht mehr reimt wie in früheren Jahrhunderten. Bereits um 1910, zur Zeit des Expressionismus, hätten Poeten ihre Einsichten, Erfahrungen und Gefühle ohne festes Reim-Korsett ausgedrückt, um nicht eingeengt zu werden.

Zuvor las „Alibris“-Vorsitzende Anke Carstens-Richter die von Kerstin Thalmann ausgesuchten Gedichte zum Thema Reisen, weil die Schauspielerin selbst verhindert war. Horst Kutzer erwies sich bei seiner Lesung von Gedichten teilweise eher unbekannter Autoren als wahrer Kenner und Liebhaber von Lyrik. Als Überraschungsgast las die Lornsenschülerin Julia Eichstädt sehr einfühlsam Gedichte von Erich Fried und Matthias Politycky vor.

Inge Brix gestaltete den plattdeutschen Part der Büchernacht unter dem Motto „Eernsthaftiges un Vergnöögtes”, bevor der junge Ole Riebesell zwar kein Gedicht vorlas, dafür aber mehrere Kapitel aus einem amerikanischen Roman, in dem es um das Schicksal eines angehenden Dichters geht, der sich allerdings in „Chaos”-Versen ausdrückt.

In die Welt der Klassik entführte Ina von Samson-Himmelstjerna, die Priörin des St. Johannis-Klosters, die Zuhörer zu später Stunde mit dem Vortrag von Friedrich Schillers berühmter Ballade „Die Bürgschaft”, die den meisten noch aus der Schulzeit bekannt und vertraut war, bevor der Schauspieler und Rezitator Wolfgang Berger mit einer Reihe von ebenso witzigen wie zum Nachdenken anregenden Gedichten von Robert Gernhardt um Punkt Mitternacht vor einem immer noch erstaunlich zahlreichen Publikum die Büchernacht abschloss.

Für die musikalische Umrahmung sorgte im ersten Teil des Abends ein Trio mit der Flötistin Christa Thode, der Cellistin Elisabeth Lempelius und der Pianistin Elisabeth Frerks, im zweiten Teil unterhielt der Pianist Tim Teschner mit eingängiger Barmusik.

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erstellt am 20.Jun.2016 | 07:17 Uhr

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