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Schleswiger Nachrichten

27. Mai 2017 | 04:29 Uhr

Von hauchzart bis bombastisch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Eröffnungskonzert von Folk-Baltica im Sonderburger Alsion waren unter anderem Rasmus Lyberth und Kimberley Fraser zu Gast

„Warum schützt man die Grenzen der Menschen so schlecht und die Grenzen der Staaten so gut“, sang Dota Kehr beim Eröffnungskonzert von Folk-Baltica im Sonderburger Alsion. Die Zeile hat sie gedichtet lange bevor sie die Grenzkontrolle in Krusau, Ellund oder Pattburg passiert hat. Aber sie passt, selbst hier im beschaulichen deutsch-dänischen Grenzland. Zum Konzept des Konzerts passte Dota Kehr nicht ganz, denn es bildete musikalisch eine Reise von Flensburg durch die Ostsee und über den Nordatlantik nach Kanada und USA nach. Berlin war keine Station. Aber der Song „Warten auf Wind“ der Berliner Sängerin, in diesem Jahr Hauskünstlerin des Festivals, der passte – vor allem mit der packenden, rhythmischen Begleitung des mächtigen Festivalensembles.

Die Eröffnung – sie ist irgendwie ein großes Familienfest – mit allen Freunden und Helfern des Festivals, mit Eltern und Freunden all der famosen jungen Musiker von nördlich und südlich der Grenze, und sicher auch denen der Sängerinnen des Sönderjysk Pigekor. Das Alsion war jedenfalls sehr gut gefüllt an diesem Abend.

Wie immer führte Harald Haugaard mit seinem unwiderstehlichen Charme, seiner Begeisterung für Musik und das deutsch-dänische Projekt Folk-Baltica sprachlich virtuos deutsch-dänisch durch den Abend. Dieser Mann ist ein absoluter Glücksfall für das Festival! Und er entwickelt das Jugendorchester immer weiter, erweitert das Spektrum der Stile über reinen Folk hinaus und entlockt ihm Töne von hauchzart bis nahe bombastisch. Haugaards Komposition „Havn og Storm“ ist ein Paradebeispiel für die mitreißende Musik des Jugendensembles.

Die Reise und das Konzert machten das Publikum mit dem aus Grönland stammenden Sänger Rasmus Lyberth bekannt, der mit der Inbrunst eines italienischen Troubadours in der Sprache der Inuit sang. Mit Kimberley Fraser vom Cape Breton/Nova Scotia legte Haugaard ein packendes Geigenduett hin. Die von Mette Rasmussen geleiteten Chormädchen verzauberten das Publikum mit nahezu perfektem Vokalklang – ein Chor auf absolutem Topniveau! Was für ein Kontrast zwischen Auftritt und Musik der Mädchen aus Sønderjylland und dem Kurzauftritt der Berlinerin Dota Kehr, die gestern Abend mit ihrer Band in einem Flensburger Busdepot zu erleben war.

Der amerikanische Musiker Dwight Lamb wirkte indes etwas verloren, wie er zwischen zwei jungen dänischen Musikern seine Ziehharmonika spielte. Der 83-Jährige wurde offenbar vor allem deshalb gebucht, weil er aus Norddänemark stammt und seine Musiktradition in den USA am Leben hält.

Am Wochenende wartet Folk-Baltica noch mit rund 30 Konzerten im ganzen Landesteil auf, die meisten davon in Flensburg.


> www.folkbaltica.de


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erstellt am 19.Mai.2017 | 09:23 Uhr

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