Bürokratische Hürden : Von der Schwierigkeit, zu helfen

Heide Seese aus Schuby wollte Flüchtlingen vier Kartons mit Kleidung zukommen lassen – aber die Übergabe scheiterte.

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13. Mai 2015, 07:00 Uhr

Heide Seese kann sich immer noch nicht so recht beruhigen. In der Zeitung hatte sie zum wiederholten Mal gelesen, dass es den vielen Flüchtlinge im Amt häufig am Nötigsten fehlt. Also packte sie vier große Umzugskarton voll mit nicht mehr benötigten Kleidungsstücken und stellte auch noch zwei Fahrräder dazu. „Alles hochwertige Sachen, teilweise sogar unbenutzt“, erklärt die Schubyerin. Als alles sorgfältig verpackt war, meldete sie sich beim Amt Arensharde mit der Frage, ob die Sachen abgeholte werden könnten. „Ich selbst habe nur einen kleinen Polo – da passt das beim besten Willen nicht rein“, sagte Heide Seese. Die Antwort enttäuschte sie sehr: Sie müsse die Kartons schon selbst an einem Mittwoch bei der DRK-Kleiderkammer abgeben, wurde ihr erklärt. Ein zweiter Anruf endete mit dem selben Ergebnis. Und dem Ratschlag, vielleicht einen Nachbarn um Hilfe zu bitten, der ein größeres Auto hat. „Das kann doch wohl nicht angehen“, erregte sich die verhinderte Spenderin, „da wird nach Sachspenden gefragt und dann scheitert es daran, dass niemand bereit ist, einmal bei mir vorbeizukommen. Ich war entsetzt. Das ist wirklich ein starkes Stück.“ Heide Seese ärgerte sich so sehr über die Absage, dass sie die Kleidung, die sie eigentlich den Flüchtlingen im Amt zukommen lassen wollte, kurzerhand in den Altkleider-Container warf, „Wutentbrannt“, wie sie selbst es beschrieb.

Holger Weinert, Teamleiter Ordnungswesen im Amt Arensharde, war selbst nicht am Telefon, als Heide Seese anrief, bestätigte aber, dass seine Mitarbeiter richtig gehandelt hätten. Dass die Spenden nicht da gelandet waren, wo sie eigentlich hin sollten, liegt unter anderen an einer Arbeitsteilung“, die er erläuterte. „Das Amt hat mit Kleiderspenden nichts zu tun. Das erledigt für uns das Deutsche Rote Kreuz.“ Die zuständige Kleiderkammer in Jübek ist mittwochs von 14.30 bis 15.30 Uhr geöffnet. Die ehrenamtlich geführte Einrichtung kann Kleidung nicht abholen.

Mit den Fahrrädern sieht es schon ein wenig anders aus. Allerdings müsste schon deutlich gemacht werden, dass die Räder in einem verkehrssicheren Zustand sind. „Wer spenden möchte, geht natürlich davon aus, dass die Sachen noch gut sind, wir beurteilen das allerdings manchmal etwas anders“, sagt Weinert. Besonders bei Matratzen und Bettwäsche gehen die Meinungen darüber auseinander, was brauch- und zumutbar ist und was nicht. „Wir benötigen keine Markenware. Vor allem muss es sauber sein.“ Einigermaßen allergisch reagieren Mitarbeiter des Amtes, wenn Spenden mit der Bemerkung übergeben, für die Flüchtlinge seien die Sache sicher noch gut genug.

Probleme gibt es im Amt Arensharde seit kurzem mit der Entgegennahme von Möbeln. „Die müssen wir leider ablehnen, weil wir kein Lager mehr haben“, erklärt Holger Weinert. Die Einsparung für das Amt führt dann regelmäßig zu der Situation, dass das Amt Möbel kaufen muss, wenn es wieder eine Wohnung für neu zugezogene Flüchtlinge einrichten muss. Die Rechnung dafür bezahlt der Kreis Schleswig-Flensburg.

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